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Ist Juniper der nächste Übernahmekandidat?

11.04.2006
Nach der Fusion von Alcatel und Lucent könnte nun auch Juniper unter den Hammer kommen, glauben einige Marktbeobachter.

Mit der Entstehung des transatlantischen Giganten "Lucatel" seien konkurrierende TK-Ausrüster wie Siemens, Motorola und Ericsson auf der Suche nach Zukaufsmöglichkeiten, so die Spekulationen an der Wallstreet. Aus Sicht einiger Analysten wäre dabei der Router-Hersteller Juniper Networks ein idealer Übernahmekandidat. Nach dem Zusammenschluss von Lucent und Alcatel sei Juniper das beste Ziel für Equipment-Hersteller, die ihr Portfolio vervollständigen wollen, schrieb Tal Liani, Analystin bei Merrill Lynch, bereits im vergangenen Monat in einer Research Note.

Das vor zehn Jahren gegründete Unternehmen beackert im Bereich TK-Equipment einen der am stärksten wachsenden Segmente. Die von Juniper gefertigten Router verbessern den Traffic in den TK-Netzen von Carriern wie Verizon oder AT&T und ermöglichen somit die Nutzung von Diensten der nächsten Generation wie Videokonferenzen und IP-TV. Mit einer Marktkapitalisierung von rund zwölf Milliarden Dollar ist die Company dabei wesentlich leichter verdaulich als ihr ebenfalls in dem Segment aktiver Erzrivale Cisco Systems, der mit einem Marktwert von 130 Milliarden Dollar weltgrößte TK-Ausrüster.

Ari Bensinger, Analyst bei Standard & Poor's, weist darauf hin, dass Juniper auch wegen seiner gesunden Wachstumsaussichten attraktiv erscheine. Das von der Company angebotene Equipment werde sich weiter ausbreiten, da Privatanwender zunehmend Filme aus dem Internet laden und andere ressourcenintensive Web-Anwendungen nutzen. Bensinger schätzt, dass die Umsätze des Unternehmens in diesem Jahr um ein Viertel auf 2,5 Milliarden Dollar steigen und 2007 bereits drei Milliarden Dollar betragen. Mit 20 Prozent Nettomarge sei Juniper gleichzeitig eine der profitabelsten wirtschaftenden Companies in der IT-Industrie.

Nicht alle Analysten sind davon überzeugt, dass Juniper ein Übernahmekandidat ist. "Das Unternehmen ist auch ohne fremde Hilfe überlebensfähig und kommt - bei Abwehr einer feindlichen Übernahme - gut allein klar", erklärt Steve Kamman, Analyst bei CIBC World Markets. Sein Kollege Erik Suppiger von Pacific Growth Equities weist darauf hin, dass eine Akquisition von Juniper zum gegenwärtigen Zeitpunkt riskant sei. Allein in den vergangenen drei Monaten hätten fünf Topmanager das Unternehmen verlassen, darunter der Verantwortliche für die Router-Sparte. Er könne eine Übernahme nicht gänzlich ausschließen, glaube aber nicht daran, so Suppiger. (mb)