Risikofaktor Akku

Ist Ihr Handy explosionsgefährdet?

29.04.2017
Seine erste Berührung mit Informatik erfolgte an einem C64 samt Floppy VC 1541. Von Anfang an nutzte er diesen faszinierenden Heimcomputer nicht nur zum Daddeln, sondern auch für die Basic-Programmierung. Unter anderem half er seinen damals etwas müden Kopfrechnen-Fähigkeiten auf die Sprünge, indem er ein Programm schrieb, das immer zwei zufällig ausgewählte Zahlen zur Multiplikation stellte. Im Hintergrund lief ein Timer. Nur wenn er das Ergebnis innerhalb des vorgegebenen Zeitraums, der leider manchmal zu knapp bemessen war, richtig eintippte, bekam er einen Punkt gutgeschrieben. Seine Highscore-Ergebnisse waren durchwachsen, seine Programmierkenntnisse dafür umso besser. Der Lehrstuhl, an dem er als studentische Hilfskraft angestellt war, gehörte seinerzeit zu den Vorreitern in Sachen IT. Man übersetzte damals die griechischen Inschriften der antiken Stadt Hierapolis – heute ist dieses türkische Pamukkale bekannt durch seine Kalksinter-Terrassen. Die wissenschaftlich korrekt erfassten und kommentierten Inschriften bearbeiteten Dirscherl und Kollegen zunächst in Wordperfect. Anschließend landeten die Texte in einer Datenbank, die auf CD gepresst und für sündhaft viel Geld weltweit verkauft wurde. Über dieses epigraphische Datenbankprojekt, diverse C-Programmierereien auf Unix-Systemen und seine ersten Experimente mit Linux landete er schließlich professionell bei der IT. Seit den späten 1990-ern nutzt er Linux als Produktivsystem, seit Anfang der 2000-er Jahre ist Linux sein hauptsächliches OS. Nach vielen Jahren mit Suse Linux und Open Suse und zwischendurch Ausflügen zu Red Hat und Debian landete er bei Ubuntu und erledigt damit alle Arbeiten. Linux und C ist er bis heute treu geblieben – nach einem Ausflug zu PHP und MySQL. Mittlerweile bastelt er auch mit Arduino. Bei pcwelt.de betreut er vor allem Business-IT-Themen und hat den Auto & Technik-Bereich von Null beginnend aufgebaut. Seine Tests der Infotainmentsysteme in modernen Fahrzeugen gehören zu den ausführlichsten Tests, die man dazu überhaupt finden kann. Daneben schreibt er zudem fast täglich aktuelle Meldungen aus der IT-Welt.
Der Akku des Samsung Galaxy Note 7 kann explodieren. Samsung hat deshalb das Gerät zurückgenommen und Ursachenforschung betrieben. Doch wie kam es dazu – und was tun denn andere Hersteller gegen Akkuprobleme?
Der Skandal um das Galaxy Note 7 ist weltbekannt. Doch kann Ihnen das auch passieren?
Der Skandal um das Galaxy Note 7 ist weltbekannt. Doch kann Ihnen das auch passieren?

Kein Mobilgerät war im letzten Jahr häufiger in den Medien als das Samsung Galaxy Note 7 . Fast täglich wechselten sich die Nachrichten über explodierende Akkus und Details zur Rückrufaktion seitens des Herstellers ab. Nun ist das Thema zur Ruhe gekommen - die Geräte sind angeblich zu 96 Prozent zurückgenommen worden. Die verbleibenden 4 Prozent werden jedoch noch einige Zeit für die Durchsage in Flughäfen und Flugzeugen verantwortlich sein, dass das Note 7 weder als Handgepäck, noch in den aufgegebenen Koffern mitgeführt werden darf.

Der Akku war schuld

Samsung hat sich monatelang damit beschäftigt, die Ursachen für das Akkuproblem herauszufinden. Auf einer Pressekonferenz in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul gab der Hersteller dann Ende Januar 2017 die Gründe dafür an, dass bei einigen Exemplaren des Samsung Galaxy Note 7 der Akku explodieren und brennen konnten. Demnach stellten die Samsung-Techniker sowie die ebenfalls an der Untersuchung beteiligten externen Experten zwei Gründe fest:

1. In der oberen rechten Ecke des Akkus gab es einen Designfehler, der dazu führte, dass sich die Elektroden verbogen haben und es dadurch zu einem Kurzschluss kommen konnte.

2. Außerdem waren die Akkus eines bestimmten Zulieferers fehlerhaft verschweißt. Dadurch konnte ebenfalls ein Kurzschluss verursacht werden.

Um den Fehler beim Samsung Note 7 zu finden, untersuchten diverse Experten mehrere Monate lang rund 200.000 Geräte und mehr als 30.000 Akkus.
Um den Fehler beim Samsung Note 7 zu finden, untersuchten diverse Experten mehrere Monate lang rund 200.000 Geräte und mehr als 30.000 Akkus.
Foto: Samsung

Samsung nannte den Namen des Akku-Lieferanten nicht. Allerdings ist bekannt, dass die Akkus von den Unternehmen Samsung SDI Co. Ltd. (ein Tochterunternehmen von Samsung) und der chinesischen Firma Amperex Technology Ltd. (ATL) kamen. Samsung plane keine rechtlichen Schritte oder Schadenersatzansprüche gegenüber den Lieferanten.

Die Smartphone-Hardware und die Software des Galaxy Note 7 sollen dagegen einwandfrei sein.

Weiter hieß von Samsung: "Samsung hat die Zielspezifikationen für die im Note 7 eingesetzten Akkus vorgegeben. Entsprechend übernehmen wir die Verantwortung für die Fehler, die bei der Entwicklung und Herstellung der Akkus geschehen sind und die wir erst nach Markteinführung des Galaxy Note 7 entdeckt haben."

Ihre Meinung ist gefragt!

Die nach eigenen Angaben rund 700 Experten Samsungs sowie Fachleute der externen Prüforganisationen UL, Exponent und TÜV Rheinland untersuchten mehrere Monate lang rund 200.000 Note 7 und mehr als 30.000 Akkus. DJ Koh, President Mobile Communications Business bei Samsung Electronics, drückte sein tiefes Bedauern über die Vorfälle aus und dankte gleichzeitig Galaxy-Note7-Kunden, Mobilfunkbetreibern sowie Vertriebs- und Geschäftspartnern für ihre Geduld und fortwährende Unterstützung.

Samsung versicherte, dass das Unternehmen auf Basis der hauseigenen Untersuchungsergebnisse "zahlreiche neue interne Qualitäts- und Sicherheitsprozesse implementiert (habe), die die Produktsicherheit durch zusätzliche Vorgaben wie mehrstufige Sicherheitsmaßnahmen und den 8-Punkte-Akku-Sicherheitscheck erhöhen sollen. Darüber hinaus hat Samsung das Battery Advisory Board aus externen Beratern sowie Wissenschaftlern und Forschern gebildet. Dieses Expertengremium wird die Produktentwicklung im Bereich Akkus insbesondere unter dem Aspekt der Produktsicherheit mit neutralem Blick begleiten". Samsung teilte außerdem mit, dass das Note-7-Debakel 5,3 Milliarden Dollar Verlust verursacht habe.

Die Konkurrenz

Natürlich ist die Überhitzung des Akkus - ob nun fehlerhaft oder nicht - nicht nur für Samsung ein Problem. Die immer leistungsstärkeren und dadurch mehr Hitze erzeugenden Komponenten sowie die ständig dünner werdenden Smartphone-Gehäuse stellen auch andere Hersteller vor neue Herausforderungen.

LG stattet das G6 mit einer Heatpipe aus, die durch Ableiten der Wärme die Temperatur im Gerät um 6 bis 10 Prozent reduzieren soll.
LG stattet das G6 mit einer Heatpipe aus, die durch Ableiten der Wärme die Temperatur im Gerät um 6 bis 10 Prozent reduzieren soll.
Foto: LG

LG beispielsweise hat daher für sein neues High-End-Modell G6 neue Tests eingeführt, die den Einfluss von potenziell schädigenden Faktoren wie Temperatur, Feuchtigkeit, Staub, Wasser, Fremdstoffe, Stöße und Stürze auf die verschiedenen Smartphone-Komponenten untersuchen. Dabei wird auch der Akku berücksichtigt, mit besonderem Fokus auf Hitzestrahlung und Batteriemanagement. So kommt im G6 eine Kupfer-Heatpipe zum Einsatz, die durch Ableiten der Wärme die Temperatur im Gerät um 6 bis 10 Prozent reduzieren soll. Zudem wurde der Abstand zwischen dem Prozessor und dem integrierten Schaltkreis, der das Display steuert, vergrößert. Auch dadurch soll weniger Hitze erzeugt werden.

Die aktuellen Smartphones von Sony sind dagegen mit einer adaptiven Ladetechnik ausgestattet, die den Akkuzustand kontinuierlich überwacht und die Ladeströme daran anpasst. Dadurch sollen sich Schäden minimieren und die Lebenszeit des Akkus verlängern lassen. "Battery Care" verhindert dagegen, dass ein Smartphone über Nacht weiter am Ladegerät hängt, obwohl der Akku bereits voll aufgeladen ist: Die Technik merkt sich die Aufwachzeiten des Anwenders und lädt das Smartphone über Nacht nur zu 90 Prozent auf. Danach pausiert sie und füllt den Akku erst auf 100 Prozent auf, wenn der Anwender seinen Tag beginnt.

Beim HTC U Ultra kümmert sich der "Sense Companion" um den Akku. Diese künstliche Intelligenz, ähnlich dem Google Assistant oder Apples Siri, erinnert den Anwender etwa daran, wenn es Zeit ist, das Smartphone ans Ladegerät zu hängen. Passiert dies nicht, versucht der Companion eigenständig, die Akkulaufzeit so weit wie möglich zu verlängern.

Wie Samsung hatte auch Google bereits beim Nexus 6P und nun bei den Pixel-Modellen mit Akkuproblemen zu kämpfen. Allerdings waren diese nicht so desaströs wie beim Galaxy Note 7, aber doch ähnlich ärgerlich: Bei einem Akkustand von 25 bis 30 Prozent schalteten sich die Google-Smartphones einfach aus und wollten neu geladen werden. Das Problem war jedoch nicht der Hardware geschuldet, sondern stellte sich als Android-7-Fehler heraus, der mit einem Update behoben wurde.

Akkutipps

Damit Ihr Akku möglichst lange hält, gibt einige Grundregeln, die Sie im Umgang damit einhalten sollten:

1. Beim Laden auf die technischen Daten des Akkus achten

Wenn Sie einen Akku nicht mit dem Original-Ladegerät aufladen, sollten Sie die technischen Spezifikationen genau lesen, um Schäden zu vermeiden.
Wenn Sie einen Akku nicht mit dem Original-Ladegerät aufladen, sollten Sie die technischen Spezifikationen genau lesen, um Schäden zu vermeiden.
Foto: Samsung

Falls Sie einen Akku in einem Ladegerät eines Drittherstellers laden möchten, sollten Sie zuvor einen Blick auf die technischen Daten des Stromspenders werfen. Sie finden sie meist als Aufdruck oder Aufkleber direkt auf dem Gerät. Auf dem Akku eines Samsung-Smartphones steht beispielsweise "3.8 V Li-ion Batterie", "5.70 Wh" und "4.35 V". Diese Zahlen geben Auskunft über die Leistung des Akkus und die Ladespannung, die ein Ladegerät anlegen sollte. In unserem Fall hat der Lithium-Ionen-Akku eine Nennspannung von 3,8 Volt, eine Kapazität von 5,70 Wattstunden und eine Ladeschlussspannung von 4,35 Volt. Das heißt, dass Sie den Akku mit einem Ladegerät laden können, das zwischen 3,8 und 4,35 Volt bereitstellt. Außerdem ist die elektrische Ladung in Milliamperestunden (mAh) aufgedruckt. Sie gibt die Menge an Strom an, die dem Akku pro Stunde entzogen werden kann. Umgangssprachlich wird sie auch oft als Kapazität bezeichnet.

2. Ladestand und korrekte Lagerung des Akkus

Da ein Akku umso schneller altert, je höher seine Zellenspannung ist, sollten Sie den Stromspender Ihres Smartphones nicht ständig auf 100 Prozent Ladekapazität halten. Im Allgemeinen nimmt man an, dass eine Ladung von 55 bis 75 Prozent optimal ist. Dazu kommt, dass Sie den Akku möglichst kühl verwahren sollten. Zum Vergleich: Bei Zimmertemperatur (etwa 20 Grad) verliert ein Akku pro Monat etwa 3 Prozent seiner Ladung.