Schnäppchen oder nicht?

iPhone gebraucht kaufen - darauf müssen Sie achten

14.11.2019
Von 
Stephan Wiesend schreibt für die Computerwoche als Experte zu den Themen Mac-OS, iOS, Software und Praxis. Nach Studium, Volontariat und Redakteursstelle bei dem Magazin Macwelt arbeitet er seit 2003 als freier Autor in München. Er schreibt regelmäßig für die Magazine Macwelt, iPhonewelt und iPadwelt.
Auch ein gebrauchtes iPhone kann eine gute Wahl sein – wenn Sie vor dem Kauf auf bestimmte Dinge achten. Welche, lesen Sie hier.
Das iPhone X ist - zumindest als Neugerät - nahezu vollständig aus dem Handel verschwunden.
Das iPhone X ist - zumindest als Neugerät - nahezu vollständig aus dem Handel verschwunden.
Foto: Travel man - shutterstock.com

Will man ein neues iPhone bei Apple kaufen, hat man seit Oktober nicht nur die Wahl zwischen iPhone 11 und iPhone 11 Pro: Apple produziert und verkauft auch noch Modelle der beiden Vorjahre, iPhone XR und iPhone 8. Die Modelle iPhone 7, XS und iPhone X verschwinden dagegen nur langsam aus dem Handel. Wie jedes Jahr kommen zusammen mit den neuen iPhones aber auch jede Menge Gebrauchtgeräte in den Umlauf, viele Käufer der neuen iPhones wollen schließlich die Anschaffung mit Verkauf des ein oder zwei Jahre alten Geräts zumindest in Teilen finanzieren – etwa mit dem alten iPhone 8 Plus oder iPhone 7.

Um Uralt-Geräte wie iPhone 4S bis iPhone 6 Plus sollte man lieber einen Bogen machen.
Um Uralt-Geräte wie iPhone 4S bis iPhone 6 Plus sollte man lieber einen Bogen machen.
Foto: Apple

Vor allem die Geräte von vor zwei Jahren sind nach Auslauf der für sie abgeschlossenen Verträge häufig auf dem Gebrauchtmarkt zu finden, aber auch die jetzt gerade einmal ein Jahr alten Modelle iPhone XR und iPhone XS lassen sich zu günstigen Preisen auf den Gebrauchtmarkt kaufen. Viele iPhone-Nutzer besorgen sich noch immer jedes Jahr ein neues Gerät ohne Vertragsbindung.

Wir erklären im Folgenden, was Sie als Käufer zu beachten haben, um nicht vom Schnäppchen enttäuscht zu werden – und in welchen Fällen sich doch die Neuanschaffung lohnen könnte.

iPhones, die älter sind als das iPhone 7 sind – wie das SE und 6S – würden wir heute nur sehr eingeschränkt empfehlen. Diese Geräte können von genügsamen Menschen heute noch sinnvoll verwendet werden, wir würden sie heute aber auch als Schnäppchen nicht mehr kaufen. Voraussichtlich werden sie von Apple nicht mehr mehrere Jahre offiziell unterstützt und wichtige Sicherheitsupdates gibt es dann nicht mehr.

Neue alte iPhones bei Apple

Die Preise für die neuen Einstiegs-Modelle sind mit der Einführung des iPhone 11 überraschend gesunken – das ist auch gut für Gebrauchtkäufer, senkt dies doch die Preise für gebrauchte Vorjahresmodelle wie iPhone XR und iPhone 8.

Das Rechenzentrum fit machen für KI

So kostet das als das Einstiegsmodell positionierte iPhone 11 mit 64 GB, 128 GB und 256 GB nun 799, 849 bzw. 969 Euro (das XR erschien für 849, 909 bzw. 1019 Euro). Bei den teuren Modellen blieben die Preise dagegen gleich: Hier kostet das iPhone 11 Pro in den gleichen Kapazitäten weiterhin 1149, 1319 und 1549 Euro. Wie schon lange üblich bietet Apple aber zusätzlich einige „Vorjahresmodelle“ als günstige Alternativen an, diese Rolle erfüllen aktuell iPhone 8 und iPhone XR, das iPhone 8 sowohl in der Standard- als auch der Plus-Varianten. Diese Modelle sind günstiger geworden, wenngleich das iPhone 8 mit 529 Euro eigentlich noch immer kein echtes Schnäppchen ist, gab es doch das iPhone 7 im Handel schon öfter für weit unter 400 Euro. Deutlich moderner ist außerdem das iPhone XR, das Apple nun für 699 Euro verkauft.

Eine Besonderheit: iPhone 8 und iPhone 8 Plus gibt es bei Apple als Neugerät nur noch in den beiden Kapazitäten 64 GB und 128 GB. Das Modell mit 128 GB ist neu und eine besonders interessante Version: Bisher gab es das iPhone 8 noch nie mit 128 GB Speicherausstattung, nur als 64 und 256 GB-Version. Mit 64 GB Speicher kommt man aber heute nicht mehr weit und das Modelle mit den brauchbaren 128 GB Kapazität ist mit 579 nur unwesentlich teurer.

Als Gebrauchtgeräte sind wohl vor allem das iPhone 8 und iPhone 7 zu empfehlen: Das leichte und kompakte iPhone 7 ist schon seit 2016 auf dem Markt und nur noch im Fachhandel verfügbar. Es bietet immer noch eine akzeptable Leistung und eine brauchbare Kamera. Es war das erste gegen Feuchtigkeit geschützte iPhone, leider auch das erste Modell ohne Kopfhörereingang. Das Plus-Modell war außerdem das erste Modell mit zusätzlicher Telekamera. Wenig empfehlen würden wir allerdings das Modell Jet Black, dieses Modell ist notorisch empfindlich für Kratzer – und gebraucht kaum ohne solche zu haben. Das iPhone 8 ist teurer, bietet dafür aber eine noch bessere Kamera, drahtloses Aufladen und einen eleganten wenn auch bruchempfindlichen Glasrücken.

Eine Konkurrenz zum Gebrauchtkauf sind einige günstige Angebote. Im Fachhandel sind die beiden Modelle oft deutlich günstiger als im Apple Store zu haben, im Schnitt spart man dadurch etwa zehn bis 15 Prozent gegenüber dem Apple-Preis. Vor allem das iPhone 7 war in Sonderaktionen sogar für unter 400 Euro zu haben. Bei diesen Schnäppchen handelt es sich aber meist um die Basisversion, beim iPhone 7 mit 32 GB Speicher. Mit dann nur 32 GB Speicherkapazität muss man sich aber beim Speicherplatzverbrauch zurückhalten, was vor allem Einsteigern schwerfällt.

Der größte Vorteil eines Neukaufs: Es handelt sich um Neugeräte, was sich vor allem bei der Leistung des Akkus positiv auswirkt. Nach zwei Jahren mehr oder minder intensivem Gebrauch macht sich der Verschleiß schließlich meist doch deutlich bemerkbar. Gebrauchte haben aber auch ihre Vorteile, nicht nur beim Preis. So gilt neben Apples Ein-Jahres-Garantie eine Gewährleistungspflicht durch den Verkäufer – falls etwa plötzlich der Akku ausfällt.