iOS/iPadOS 13

iPadOS – Wirklich neu oder nur ein Marketing-Trick?

26.06.2019
Von   


Mark Zimmermann weist mehrere Jahre Erfahrung in den Bereichen Mobile Sicherheit, Mobile Lösungserstellung, Digitalisierung und Wearables auf. Er versteht es diese Themen aus unterschiedlichsten Blickwinkeln für unternehmensspezifische Herausforderungen darzustellen. Hierzu ist er auf nationale Vorträgen und als freier Autor für Fachpublikationen tätig.
Bei Apple hat mittlerweile jedes Gerät sein eigenes Betriebssystem: Auf dem Laptop/Desktop läuft macOS, auf dem Apple TV das iTV Betriebssystem. Auf dem iPhone lief, bis zum Erscheinen des iPads das iPhoneOS und dieses wurde auf iOS umbenannt. Auch auf der Apple Watch läuft seit dem Erscheinen ein eigenes WatchOS. Jetzt kommt iPadOS, aber ist das notwendig ?

Brachte WatchOS eine abgespeckte Version von iOS, die an den viel kleineren Bildschirm angepasst ist, ermöglicht iPadOS es nun erstmalig, das größere Display wirklich auszunutzen, etwa für Desktop-Class-Browsing. Außerdem verabschiedet sich Apple damit endgültig von dem ursprünglich für das iPad vorgeschlagenen Design der einspaltigen Interfaces und der dem iPhone angelehnten Anzahl von App-Icons auf dem Home-Bildschirm. Apple hat auch speziell für das iPad veränderte Multi-Touch-Navigationsgesten hinzugefügt.

Nach Mac, TV, Smartphone und Uhr bekommt auch das Apple-Tablet ein angepasstes Betriebssystem.
Nach Mac, TV, Smartphone und Uhr bekommt auch das Apple-Tablet ein angepasstes Betriebssystem.
Foto: Apple

Safari mit Desktop-Browser-Qualitäten

Der seit der ersten Version von iOS bekannte Webbrowser Safari wird mit iPadOS 13 das, was Steve Jobs schon zu Beginn versprochen hat. Desktop-Class Qualitäten soll er bekommen und diesmal sieht es so aus, als ob dieses Versprechen eingelöst wird. So gibt sich das iPad nun gegenüber Webservern als macOS Rechner aus, wobei es sich um mehr als nur um eine Änderung des User Agent handelt. Die Transferleistung von Mausbedienung zur Touch Bedienung ist nur ein Teil, mit dem Apple hier punkten kann. Hinzu kommen Features wie die Einführung eines Download-Managers, die Möglichkeit eine Webseite zu zoomen oder permanent im Reader-Modus zu öffnen.

Mit iPadOS 13 wird endlich der auf dem Tablet zur Verfügung stehende Platz sinnvoll genutzt.
Mit iPadOS 13 wird endlich der auf dem Tablet zur Verfügung stehende Platz sinnvoll genutzt.
Foto: Apple

Besseres Multitasking

Es gibt bemerkenswerte Apps wie Keynote und GarageBand, die mit dem ursprünglichen iPad gestartet sind und zwischenzeitlich der Desktop-Klasse zuzurechnen sind. In der geteilten Ansicht ist es nun auch möglich, zwei Fenster von der gleichen App nebeneinander (Space) einzublenden. Geöffnete Apps können nun übersichtlich in einer Exposé-Ansicht eingeblendet werden. Auch das Verwenden von Apps auf mehreren Ansichten (Spaces) ist möglich.

Copy/Paste mit drei Fingern und Undo ohne "Schütteln"

In allen Apps steht mit dem iPadOS eine neue Reihe an Gesten zur Verfügung. Das Markieren von Texten und Positionieren des Cursors erfolgt nun einfach durch Fingerauflegen. Die "alte" Lupe hat damit ausgedient. Textbausteine können nun mit einer Drei-Finger-Zwick-Geste kopiert (copy) und mit der gegenläufigen Geste eingefügt (paste) werden. Wischt der Anwender mit drei Fingern nach links werden die letzten Eingaben zurück genommen (Undo), wischt er nach rechts, werden sie wiederhergestellt (Redo). Da das Ganze auf dem iPhone-Bildschirm etwas umständlich ist, reicht es hier, mit drei Fingern auf dem Bildschirm liegen zu bleiben. Ein entsprechendes Menü erscheint direkt. Um eine Aktion rückgängig zu machen, muss man das iOS Gerät künftig also nicht mehr schütteln.

Maus-Support

Sie nutzen das iPad bereits an einem Monitor und wundern sich, dass Sie immer noch mit den Fingern auf dem iPad wischen müssen ? Das war und ist unhandlich. Außerdem gibt es Menschen, bei denen Einschränkungen im Bewegungsapparat die Bedienung per Touch unglaublich schwer machen. Hier bietet iPadOS 13 - wenn auch nur bedingt - Abhilfe, indem Sie eine Maus als Eingabegerät einbinden können. Diese simuliert danach Ihren Finger als Eingabemedium. Zusätzlich können auch mehrere Tasten einer Maus mit verschiedenen Funktionen kombiniert werden. Das Ganze ist aber nicht exklusiv für iPads mit iPadOS13: Wer "nur" ein iPhone oder iPod Touch mit iOS 13 hat, kann die Funktion ebenfalls nutzen.

Unterstützung für Massenspeicher

Das Gleiche gilt für die stark überarbeitete Dateien-App. Die neue Version bietet zum einen die Möglichkeit, nicht nur einzelne Dateien, sondern sogar ganze Ordner mit Freunden zu teilen. iOS-Apps, die die Dateiverwaltungs-APIs verwenden, können dann ebenfalls Lese-/Schreibzugriff auf einen gesamten Ordner und nicht nur auf eine Datei erhalten. Auch der Anschluss von USB-Sticks, SD-Karten (per Adapter) und anderer Massenspeicher (HDD, SSD) ist möglich.

Einzige Einschränkung ist die Stromversorgung: Bei Geräten mit erhöhtem Hunger nach Energie bedarf es eines Adapters. Aber nicht nur was die "angeschlossenen" Speicherarten anbelangt, wurde die Dateien-App erweitert, auch SMB-Dateiserver werden unterstützt. Aktuell unterstützt die zweite Beta die Dateisysteme FAT32, exFAT, APFS und HFS. Für NTFS und HFS+ gibt es dagegen derzeit keinen Support.

Das Ablegen in einem "lokalen" Verzeichnis auf dem Gerät selbst wird ebenfalls ermöglicht. Dabei kann der Anwender nicht nur auf alle die aufgeführten Datenquellen zugreifen, sondern diese sogar komplett in seinen Workflow integrieren. Dabei stehen ihm erstmalig auch (Un-)Zip Funktionen zur Verfügung.

Die neue Spaltenansicht mit Vorschau- und Metadatenanzeige wirkt professionelleren Bedürfnissen gerechter. Das Ganze wird über die sogenannten Quick Actions (z.B. Kommentieren, Drehen, Erstellen von PDFs) initiiert. So weit, so gut - aber auch diese Funktionen sind nicht exklusiv für das Apple-Tablet, sondern stehen sowohl auf iPad wie auch iPhone zur Verfügung.

Übrigens: Schauen Sie auf einem iPad mit der aktuellen Beta-Version in den Einstellungen nach, welche Softwareversion es verwendet. Sie bekommen iOS 13 und nicht iPadOS 13 angezeigt. Das kann aber natürlich auch noch ein "Beta" Thema sein.

Fazit

Es war absolut notwendig, das iPad auch vom Betriebssystem-Namen her eigenständig werden zu lassen. Mit der Einführung der Bezeichnung "iPadOS" macht Apple einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Das nun vorgestellte Betriebssystem fühlt sich allerdings nur wie ein erster Schritt an, nicht wie eine endgültig abgeschlossene Entwicklung. Technologisch ist iPadOS aktuell nahezu identisch mit iOS. Für die Zukunft erwarte ich mir jedoch mehr Schnittstellen, Interaktionsmethoden, eine eigene Designsprache und eine noch besser auf die Größe und Leistung optimierte Funktionsvielfalt. (mb)