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IoT-Device gridBox verbindet Kleinstanlagen zum digitalen Kraftwerk

21.08.2017
Von 
Jürgen Hill ist Chefreporter Future Technologies bei der COMPUTERWOCHE. Thematisch befasst sich der studierte Diplom-Journalist und Informatiker derzeit mit aktuellen IT-Trendthemen wie KI, Quantencomputing, Digital Twins, IoT, Digitalisierung etc. Zudem verfügt er über einen langjährigen Background im Bereich Communications mit all seinen Facetten (TK, Mobile, LAN, WAN). 
Eine IoT-Idee der etwas anderen Art hatte das Start-up gridX. Das junge Unternehmen will Photovoltaik-Anlagen zu einem Smart Grid vernetzen und so eine autarke Energieversorgung ermöglichen.
gridX will mit einer kleinen Box das Stromnetz digitalisieren.
gridX will mit einer kleinen Box das Stromnetz digitalisieren.
Foto: DarwelShots - shutterstock.com

Das junge Unternehmen gridX hat ehrgeizige Pläne: Es will der Energiewende einen entscheidenden Schub geben. Über eine kleine Box - die gridBOX - sollen Erzeugungsanlagen erneuerbarer Energien zu einer digitalen Plattform zusammengeschlossen werden. Die Box sei, so der Hersteller, das einzige Produkt auf dem Markt, das in der Lage sei, jede Erzeugungsanlage zu digitalisieren. Das Unternehmen wurde bereits mehrfach prämiert: So gewann gridX 2016 das EXIST-Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) und den 3M-Innovationspreis. Zu den Förderern des Unternehmens gehören Investoren aus dem Silicon Valley und dem Google-Umfeld.

Smart Grid der Photovoltaik

Die Idee hinter der knapp 500 Euro teuren gridBOX ist, dass Besitzer einer Solaranlage an einem Sommertag deutlich mehr Energie produzieren als sie verbrauchen beziehungsweise mit einem Batteriespeicher aufnehmen können. Hier soll die gridBox den Energiebedarf im Haushalt in Echtzeit analysieren und überschüssigen Strom auf die gridX-Plattform stellen. Auf diesen kann die Community zurückgreifen, wenn etwa der Eigenbedarf bei schlechtem Wetter nicht mit selbst erzeugter Energie gedeckt werden kann. Mitgliedern der Gemeinschaft verspricht der Anbieter so eine vollständige Unabhängigkeit von fossilen Energien. Ferner sei die Einspeisung auf die Plattform für Erzeuger deutlich lukrativer als eine Einspeisung ins öffentliche Netz, wo der Strom wesentlich ineffizienter genutzt werde.

Neben der intelligenten Stromverteilung innerhalb der Community, ist der gridX-Algorithmus auch für die effiziente Energienutzung im Haushalt zuständig. Dazu verfügt die gridBox über eine Smart-Home-Anbindung, analysiert den Verbrauch aller Geräte und informiert den Besitzer über die my.gridX-App, wenn der Energiebedarf reduziert werden kann. Die Anwendung visualisiert zudem alle Daten und gibt den Nutzern eine Kontrolle über ihren Energiehaushalt.

Interoperabilität

Im Vergleich zu anderen Cloud-Lösungen, die nur bestimmte Speicher unterstützen, verspricht gridX, dass die eigene Plattform jeder Erzeuger erneuerbarer Energie nutzen könne. Allerdings hängt der Erfolg der Plattform von der Größe des Netzwerks ab - je größer das Netz wird, desto mehr nicht-autarke Haushalte können auf sauberen Strom zurückgreifen. Ein System, so ist man bei gridX überzeugt, mit dem die Umstellung auf erneuerbare Energien so wird, wie die Buchung einer Ferienwohnung über Airbnb.