Teil 7: Vergleich zu Android M

iOS 9 - Wichtige Neuigkeiten für Unternehmen

03.08.2015
Von   
Mark Zimmermann weist mehrere Jahre Erfahrung in den Bereichen Mobile Sicherheit, Mobile Lösungserstellung, Digitalisierung und Wearables auf und verantwortet ein Team zur mobilen Lösungsentwicklung bei der EnBW Energie Baden-Württemberg AG. Er versteht es seine Themen aus unterschiedlichsten Blickwinkeln für unternehmensspezifische Herausforderungen darzustellen. Hierzu ist er nebenberuflich auf nationale Vorträgen und als freier Autor für Fachpublikationen tätig und betreibt einen eigenen Podcast (Beta-Schmerz) rund um das iOS-Ökosystem.

Die "private" Seite von Android

Neben speziellen Unternehmensfeatures bietet Google mit Android M einige weitere Funktionen, die ich gerne erwähnen würde.

Android M bietet eine neue Fingerprint API. Diese unterstützt damit analog TouchID mehrere Finger und kann zum Gewähren des Zugriffs genutzt werden. Auch für Android Pay wird diese API genutzt.

Der so genannte "Doze Mode" hilft dem Android Gerät den Strombedarf zu regulieren um eine längere Batterielaufzeit zu gewährleisten. Unwichtige Aktivitäten verursachen beispielsweise keine Interaktion auf dem Bildschirm, wenn das Smartphone ruhig auf dem Display liegt. Sobald der Anwender dieses wieder "bewegt" erscheinen diese jedoch wieder.
Auch auf das Multitasking wirkt sich dies aus. Verwendet der Anwender eine App über eine längere Zeit nicht mehr, wird dieser der Zugriff zu Netzwerkdiensten entzogen. Ein weiteres Ausführen im Hintergrund wird pausiert. Erst bei Betrieb mit Stromkabel oder dem starten der App wird dies aufgehoben und in vollem Umfang wieder ausgeführt. Zusätzlich stellt Google noch weitere Features für einen reduzierten Strombedarf zur Verfügung.
Es ist zu erwarten, dass für den Anwender dadurch keinerlei Komfortverlust entsteht, die Batterieleistung sich jedoch enorm verbessern wird.

Apps können nun direkt per Link geöffnet werden, wenn der Entwickler sowohl für die Domain als auch die zu öffnende App registriert ist. Eine Auswahl "welche App soll geöffnet werden" kann damit entfallen.

"Now on Tab" ist eine Funktion von Google Now, dem digitalen Assistenten im Android Ökosystem, und stellt einen "Game Changer" im Consumer Umfeld dar. Diese Funktion liefert weiterführende Informationen zum gerade geöffneten Bildschirminhalt auf Basis ausführlicher Analysedaten von Goolge - die so genannten Knowledge Trees. Dabei spielt es keine Rolle, ob eine Webseite oder eine App geöffnet ist.

Bisher konnte Google nicht sehen, was die Nutzer in ihren Apps machen, nicht nur aus Datenschutzgründen dürfte dies nicht nur in Unternehmen große Sorgen verursachen. Dabei sind nicht nur unternehmeneigene Geräte in diesem Sachverhalt zu betrachten. Auch eingesetzte BYOD-Geräten, ohne die Android-for-Work Funktionalität, mit PIM-Containern wie zum Beispiel Good for Enterprise, sind mit dieser neuen Funktion einem potenziellen Risiko des Datenabflusses ausgesetzt. Es bleibt abzuwarten inwieweit Anwendungsentwickler diese Funktion unterbinden können beziehungsweise wie sich diese neue Funktionalität im Alltag tatsächlich verhalten wird.

Now on Tab analysiert die App-Kategorie und ist mit seinen Knowledge Trees in der Lage passende Informationen für die aktuelle Nutzung bereit zu halten. So können z.B. Informationen zur Musik, die der Nutzer gerade in eine Musikplayer seiner Wahl hört, dem Anwender angeboten werden. Der Anwender muss nun nicht mehr seine App verlassen um seine Fragen, die sich bei der Nutzung ergeben, zu beantworten. Welche Songs ein Künstler noch veröffentlicht hat, beziehungsweise seine Biographie sind so "schnell" zugänglich. Die Potentiale für zukünftige Versionen und durchgängige Integrationen sind enorm.
Google scannt dabei nicht alles automatisch im Hintergrund mit. Nur wenn der Anwender aktiv den Home-Button länger gedrückt hält, wird die Funktion aktiviert und der Bildschirminhalt gescannt.

Im Gegensatz zu Proactive von iOS verlassen hier die Daten das Endgerät in Richtung Google Cloud. Diese Entwicklung ist für Google absolut nachvollziehbar. Wurden Anwender bisher aufgrund ihres Surftverhaltens analysiert und in Profile zur zielgerichteten Werbeschaltung überführt, war die App Nutzung ein blinder Fleck. Das Verdrängen des Webs erfolgt auch auf Android Phoens und Google muss reagieren. Das der Konzern natürlich auch in diesem Umfeld viel mehr über das Verhalten seiner Anwender erfahren will - und muss - um Werbung besser zuschneiden zu können, ist meiner Meinung nach einer der wichtigsten geschäftliche Aspekt dieser Neuerung.

Fazit

Günstige Geräte, großer Nutzerkreis und die Vormachtstellung im Consumerumfeld verbergen aber trotzdem gerne, in einem ersten Blick, die Nachteile der Plattformen in Sachen Datenschutz, Fragmentierung oder Support-/Managebarkeit.
iOS als auch Android haben ihre eigenen Vor- und Nachteile. Dabei unterscheiden sich diese sehr stark vom Blickwinkel. Funktionen wie "now on tab" sind für Anwender ein enormer Vorsprung und für Firmen die Möglichkeit eines Risikos.

Google zu unterschätzen oder als "schlechtere Plattform" darzustellen wäre ein Fehler und ist nicht Absicht dieses Artikels. Viel mehr möchte ich meine persönliche Einschätzung wiedergeben, wie es um die Unternehmenstauglichkeit der beiden Systeme bestellt ist. Ich hoffe Ihnen ein paar Indizien für weitere Recherchen gegeben zu haben. (bw)

Teil 1: Sicherheit bei Kommunikation und Apps

Teil 2: Digitale Selbstbestimmung und Persönlichkeitsrechte

Teil 3: Kommunikation in Netzwerken

Teil 4: Entwickler bekommen neue Wege

Teil 5: Einsatz im Unternehmen

Teil 6: Cloud-Dienste für Jedermann

Teil 8: Die Apple Watch im Unternehmenseinsatz