CarPlay, CarKey und EV Routing

iOS 14 gibt dem Auto einen höheren Stellenwert

03.07.2020
Von   
Mark Zimmermann weist mehrere Jahre Erfahrung in den Bereichen Mobile Sicherheit, Mobile Lösungserstellung, Digitalisierung und Wearables auf und verantwortet ein Team zur mobilen Lösungsentwicklung bei der EnBW Energie Baden-Württemberg AG. Er versteht es seine Themen aus unterschiedlichsten Blickwinkeln für unternehmensspezifische Herausforderungen darzustellen. Hierzu ist er nebenberuflich auf nationale Vorträgen und als freier Autor für Fachpublikationen tätig und betreibt einen eigenen Podcast (Beta-Schmerz) rund um das iOS-Ökosystem.
Statt iCar gibt es einige wichtige Neuheiten in iOS 14: CarKey, CarPlay und EV Routing erleichtern die PKW-Mobilität.

Laut Apple sind 97 Prozent aller in den USA verkauften Neuwägen kompatibel mit CarPlay, außerhalb der Heimat soll sich die Marktabdeckung auf 80 Prozent belaufen. Da die Technik nicht völlig neu ist, dürften sich viele iOS-Anwender die Features von CarPlay nutzen können – zumindest dann, wenn sie einen Neuwagen oder einen jungen Gebrauchten erwerben. Ein erster Blick auf die Veränderungen, die mit iOS 14 kommen.

CarPlay erhält mit iOS 14 weitere Features.
CarPlay erhält mit iOS 14 weitere Features.
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CarPlay ist seit iOS 7.1 im Jahr 2014 Apples Lösung für eine intelligentere und sicherere Nutzung des iPhones im Auto. Der Fahrer soll sich auf die Straße konzentrieren und trotzdem die wichtigsten Funktionen über das Infotainmentsystem seines Fahrzeugs ansteuern können – bevorzugt per Sprachsteuerung. So bietet CarPlay unter anderem eine Echtzeitnavigation, die Möglichkeit, Anrufe zu tätigen oder anzunehmen, Nachrichten zu versenden und zu empfangen, Musik zu hören und mehr.

Mit iOS 14 bringt Apple einige neue Funktionen ins Auto, etwa neue Hintergrundbilder auch im Dunkelmodus von iOS. Hintergrundbilder von Drittanbietern sind allerdings auch mit iOS 14 bisher nicht vorgesehen. Das neue Erscheinungsbild von Siri kommt aber auch ins Auto – der Sprachassistent nimmt wie auf anderen Apple-Geräten nach Aufruf weniger Platz auf dem Bildschirm ein. Die neue CarPlay-Version macht es auch noch einfacher, seine erwartete Ankunftszeit (Estimated Time of Arrival, ETA) mit Kontakten zu teilen.

Das neue Sprachnachrichten-Feature, bei dem unter iOS nur die Stimme ohne Hintergrundgeräusche aufgezeichnet und als Audiodatei über die App Nachrichten versendet wird, lässt sich ebenso im Auto mit Siri auf CarPlay ansteuern.

Mithilfe des neuen EV-Routing für iOS 14 finden Fahrer von Elektroautos effizient zur nächsten Ladestation – Tesla hat hier offenbar Pate gestanden. Umweltzonen sind in den Apple Maps ebenfalls integriert, Verbrenner können diese weiträumig umfahren.

App-Entwicklern bieten sich neue Kategorien in Apple CarPlay an. Dabei liefert jede Kategorie auch ein Set an Vorlagen, an die sich der Entwickler halten muss. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind hier sehr stark eingeschränkt.

Die neuen Kategorien heißen:

  • Parking

  • EV Routing

  • Quick Food Ordering

Allerdings werden auch Adressbuch-Apps in die Lage versetzt, sich in CarPlay zu integrieren. Die Kategorie „Communication“ hat Apple zu diesem Zweck etwas offener definiert. Hier darf man gespannt sein, wann Dritthersteller ihre Erweiterungen bringen.

Der virtuelle Schlüssel

Nicht nur für CarPlay wichtig, sondern im gesamten Automobil-Ökosystem relevant ist das Thema digitaler Autoschlüssel: CarKey.

Apple hat CarKey zur WWDC am Beispiel des neuen 5er-BMW vorgestellt, der als erstes Modell die Technologie unterstützt. Bis nächstes Jahr sollen vielen andere Hersteller und Modelle folgen. BMW nennt die dahinter liegende Funktion "Digital Key". Angeblich sollen diese Funktion auch die Modellreihen 1, 2, 3, 4, 5, 6, 8, X5, X6, X7, X5M, X6M und Z4 nutzen, die nach dem 1. Juli 2020 vom Band laufen. Außen vor sind demnach noch der 7er, sowie die Modelle X1, X2, X3 und X4.

Die Funktion erlaubt es, einen Autoschlüssel mit dem iPhone (iPhone XR, iPhone XS, iPhone XS Max, iPhone 11, iPhone 11 Pro, iPhone 11 Pro Max, iPhone SE (2. Generation) zu virtualisieren – und das schon ab iOS 13. CarKey funktioniert zusätzlich auch über die Apple Watch (Apple Watch Series 5 ab Version 6.2.8).

Zur Ersteinrichtung der Funktion bedarf es natürlich des Eigentumsnachweises für das Auto. Den Herstellern sind hier keine Grenzen gesetzt, um ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Das iPhone bzw. die Apple Watch speichert den Autoschlüssel in der Secure Enclave. Dabei kennt der Autohersteller das individuelle Gerät nicht – und das mobile Gerät nicht das verbundene Auto.

Der CarKey lässt sich ab nun dazu nutzen, das Auto ausschließlich an der Fahrertür zu ent- und verriegeln und das Auto zu starten. CarKey hat aktuell keinen Zugriff auf die anderen Türen, Kofferraum oder die Motorhaube.

Hat das jeweilige Endgerät mit dem jeweiligen Schlüssel nicht mehr genug Energie, lässt sich auf die CarKey-Funktion trotzdem noch zugreifen. Bei einem iPhone soll dieser virtuelle Schlüssel auch nach dem Ende der Akkulaufzeit noch bis zu fünf Stunden ausreichend Reststrom haben. Schaltet der Anwender sein Handy jedoch selbst aus, steht der Schlüssel nicht mehr zur Verfügung.

Ein solcher virtueller Schlüssel lässt sich mit bis zu fünf weiteren Personen (per Nachrichten) teilen und dabei in seinem Berechtigungsumfang (z.B. „nur aufschließen“) einschränken. Die Einschränkungen kann der Automobilhersteller selbst definieren. Einmal geteilte Schlüssel lassen sich jedoch unter keinen Umständen erneut teilen.

Fazit

Das Ökosystem der Automobilindustrie öffnet sich immer mehr für Apple – oder ist es anders herum? Es wird spannend zu sehen sein ob, wie und in welchem Umfang die Automobilhersteller ihre Endkundenschnittstellen an Apple (komplett) abgeben werden. (Macwelt)