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Internet-Staranalyst Henry Blodget startet Comeback

19.07.2004

Der ehemalige Staranalyst für Internet-Aktien, Henry Blodget, versucht sich nach seinem Berufsverbot nun als freier Journalist und Marktforscher. Medienberichten zufolge will der in Ungnade gefallene frühere Chef-Researcher von Merrill Lynch über seine frisch gegründete Firma Cherry Hill Research Marktforschungs- und Beratungsdienste anbieten.

Der Analyst erlangte bei Merrill Lynch zunächst großen Ruhm, nachdem er im November 1998 richtig prognostiziert hatte, die Aktie von Amazon.com werde sich vom damaligen Kurs von 240 Dollar auf bis zu 400 Dollar hoch schwingen. Letztendlich ging es mit Blodgets Karriere aber ähnlich steil bergab wie mit den Kursen einstmals hoch gepriesener Aktien: Im November 2001 verlor der Topanalyst zusammen mit weiteren 10000 Mitarbeitern seinen Job bei Merrill Lynch. Im vergangenen Jahr musste Blodget zudem eine vier Millionen Dollar hohe Strafe zahlen. Gleichzeitig wurde er von der US-Börsenaufsicht mit einem lebenslangen Berufsverbot im Investment-Bank-Bereich belegt. So hatten Ermittlungen ergeben, dass Blodget mit übertriebenen Versprechungen Anleger für den Broker-Bereich geworben hatte. Dabei hatte er einige Aktien extern zum Kauf empfohlen, sie in internen E-Mails jedoch als "piece of shit" ("Stück Scheiße") oder "powder keg" ("Pulverfass") bezeichnet.

Inzwischen scheint Blodget seine Vorhersagen selbst nicht mehr allzu ernst zu nehmen. Am Ende einer von Google inspirierten Analyse zu verschiedenen IPO-Methoden (Initial Public Offering) schreibt er: "Wir garantieren, dass unsere Meinungen, Schlussfolgerungen und Vorhersagen gelegentlich falsch sind. Diese Irrtümer resultieren aus Fehlern, Ignoranz und/oder Idiotie." (mb)