Das Auto als Handy-Peripherie

Internet am Steuer wird allmählich Realität

14.09.2011
Das Internet hat nahezu jeden Aspekt des Lebens verändert - nur beim Autofahren, da war bisher vieles wie früher. Mit der Smartphone-Revolution findet zur IAA auch das Netz den Weg ins Auto. Und mit branchenfremden Angreifern brechen frische Rivalitäten auf.

An Visionen für das vernetzte Auto der Zukunft mangelte es schon seit Jahren nicht, die Realität war bisher eher ernüchternd. Während Entwickler davon schwärmten, wie intelligente Fahrzeuge mitdenken und sich automatisch vor Gefahren auf der Straße warnen können, musste der Käufer hunderte Euro für Navi-Radios mit eingeschränktem Funktionsumfang hinblättern.

Doch der Vormarsch der Smartphones mit ihren unendlichen Möglichkeiten hat alles verändert. "Wenn wir den Leuten nicht etwas ordentliches bieten, holen sie während der Fahrt ihr Telefon raus, auch wenn es verboten ist", sind sich Fachleute von Autobauern und Ausrüstern bewusst. Auf der diesjährigen Internationalen Automobil-Ausstellung IAA ist der Vorstoß des Internets ins Auto so greifbar wie nie zuvor.

Die Autobranche folgt dabei dem Muster der Smartphone-Revolution mit den Schlagworten Apps und Cloud. Die Apps, die kleinen Programme, sind dazu da, einzelne Funktionen zu erledigen. In der Cloud, der Internet-Wolke, liegen die Daten und werden von dort abgerufen. Während früher Geräte im Mittelpunkt standen, spielt heute immer mehr Software die Hauptrolle, das "Eisen" ist nur die Bühne, auf der sie läuft. "Das Auto wird zum mobilen Endgerät", bringt es ein BMW-Experte auf den Punkt.

Eine entscheidende Herausforderung gibt es dabei allerdings: Die Menschen fahren, während sie Internet-Dienste nutzen und dürfen nicht abgelenkt werden. Der Kompromiss zwischen Bedienkomfort und der Notwendigkeit, die Augen auf die Straße zu richten, ist ein ewiges Problem. Ist ja schön und gut, dass man Internet im Auto hat, aber wie tippt man ein Ziel oder eine Google-Suchanfrage ein? BMW setzt noch auf den Drehknopf zur Eingabe einzelner Buchstaben, Audi lässt Fahrer Buchstaben auf einen Touchscreen malen.

Das Argument Fahrsicherheit prägt auch die Art, wie Apps im Auto genutzt werden können. Man kann schließlich nicht die ganze Zeit bei Facebook oder Twitter blättern. Die Lösung: Die Nachrichten werden vom System vorgelesen.

Eigene SIM-Karten sind vorerst nur selten vorgesehen, meist sorgt das Smartphone für die Verbindung zum Internet - und viele Programme laufen auf dem Telefon und werden auf dem Bildschirm des Autos nur angezeigt. Das Autosystem wird gewissermaßen zum Smartphone-Zusatz.

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