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Intels Umsatz steigt wieder

17.04.2002
Intel hat zum ersten Mal seit vier Quartalen im Jahresvergleich wieder ein Umsatzplus erzielt und auch seinen Nettogewinn deutlich gesteigert - Letzteres allerdings dank geänderter Bilanzierung.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Intel hat gestern nach US-Börsenschluss seine mit Spannung erwartete Bilanz zum ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres veröffentlicht. Diese fiel erfreulich aus - zum ersten Mal seit vier Quartalen stiegen die Einnahmen wieder, und für den Rest des Jahres erwartet der Halbleiterkonzern steigende Gewinnmargen. Der Nettogewinn stieg im Jahresvergleich um 93 Prozent (vornehmlich auf Grund geänderter Bilanzierungspraxis), der Umsatz um zwei Prozent.

"Intels aggressive Investitionen in R&D und Fertigung haben sich im ersten Quartal ausgezahlt", erklärte CEO Craig Barrett. "Unsere etablierten Märkte wie die USA und Europa leiden allerdings noch unter schwachen IT-Investitionen."

Der Nettoprofit für das abgeschlossene Quartal beträgt 936 Millionen Dollar oder 14 Cent pro Aktie nach 485 Millionen Dollar oder sieben Cent je Anteilschein im Berichtszeitraum des Vorjahres. Das aktuelle Ergebnis berücksichtigt allerdings keine Goodwill-Amortisationen, die das Vorjahresquartal noch mit 441 Millionen Dollar belasteten. Der Nettogewinn pro Aktie wurde aufgrund der 300-Millionen-Dollar-Zahlung an Intergraph (Computerwoche online berichtete) um rund einen Cent gesenkt. Ohne diese außergewöhnliche Belastung hätte er 15 Cent je Anteilschein betragen und exakt den Erwartungen der Analysten entsprochen.

Intels Quartalsumsatz belief sich auf 6,78 Milliarden Dollar. Das sind zwei Prozent mehr als im Vorjahresquartal (6,68 Milliarden Dollar), aber drei Prozent weniger als im vorhergehenden vierten Quartal 2001 - eine Rückkehr zu normalen saisonalen Mustern. Intels eigene Umsatzprognose für das erste Quartal 2002 lautete auf 6,4 bis sieben Milliarden Dollar.

Seine Bruttogewinnmarge konnte der Konzern (die Zahlung an Intergraph nicht mitgerechnet) nach einer früheren Prognose von 51 Prozent auf 53,6 Prozent steigern, unter anderem dank steigender Nachfrage nach den hochpreisigen Pentium-4-Prozessoren und effektiverer Fertigungsprozesse. Finanzchef Andy Bryant erwartet, dass auch im laufenden Quartal sowie dem restlichen Geschäftsjahr eine Bruttomarge um die 53 Prozent erreicht wird.

Das Geschäft verlief indes nicht an allen Fronten erfolgreich. Zwar konnte Intel seine Einahmen im Kerngeschäft mit PC-Prozessoren gegenüber dem Vorjahr um zwölf Prozent steigern, dafür ging aber der Umsatz der Communications Group, die unter anderem Netzchips fertigt, im Jahresvergleich um 49 Prozent zurück und bescherte der Sparte unterm Strich ein Minus von 150 Millionen Dollar. Ebenfalls gebeutelt wurde die Wireless Communications and Computing Group, die unter anderem Flash-Speicher für Handys herstellt. Dort waren die Einnahmen sogar um 51 Prozent rückläufig, was einen operativen Verlust von 68 Millionen Dollar zur Folge hatte. Der Einbruch in beiden genannten Sparten war laut CFO (Chief Financial Officer) Bryant schlimmer als erwartet.

Interessant ist übrigens auch die regionale Verteilung des Konzerngeschäfts: Der asiatisch-pazifische Raum war mit 36 Prozent Umsatzanteil (nach 35 Prozent in Q4/01) erneut größter Markt für Intel. Auf den heimischen amerikanischen Markt entfielen in den beiden vergangenen Quartalen jeweils 33 Prozent der Einnahmen. COO (Chief Operating Officer) Paul Otellini erklärte, gute Geschäfte mache das Unternehmen vor allem in Taiwan, China und Indien. Dort kauften vor allem Hersteller von Motherboards und Noname-PCs Intel-Chips - ein Großteil dieser Produkte wandert anschließend allerdings zurück in die USA.

Für das laufenden zweite Quartal gab Intel eine verhalten optimistische Prognose ab. Die Einnahmen sollen zwischen sechs Prozent unter und drei Prozent über denen des ersten Quartals ausfallen. Finanzchef Bryant hat in Bezug auf makroökonomische Trends zwar noch keine Zeichen einer Erholung ausgemacht, erwartet aber für die traditionell stärkere zweite Jahreshälfte ein Anziehen des Geschäfts. Im nachbörslichen Handel legte das Intel-Papier auf 31,50 Dollar zu, nachdem der Kurs bereits zum Fixing um fast fünf Prozent auf 29,51 Dollar gestiegen war. (tc)