11.000 Sensoren und die Cloud für Hamburgs Autofahrer

Intelligent Parken mit NB-IoT

Rainer Schlösser ist Technikredakteur in Köln.
Hamburg sagt dem Zeitfresser Parkplatzsuche den Kampf an: 11.000 intelligent vernetzte IoT-Sensoren, die Cloud und eine Smartphone-App sollen Autofahrern und Stadt das Leben leichter machen.
Weniger Abgase, Verkehrslärm und Staus erhofft sich die Stadt Hamburg von der Einführung eines intelligenten Parksystems.
Weniger Abgase, Verkehrslärm und Staus erhofft sich die Stadt Hamburg von der Einführung eines intelligenten Parksystems.
Foto: Deutsche Telekom

560 Millionen Stunden pro Jahr - so viel wertvolle Lebenszeit vergeuden die Autofahrer hierzulande insgesamt in deutschen Innenstädten auf der Suche nach einem freien Parkplatz, dies hat die Forschungsvereinigung Automobiltechnik errechnet. Die Städte sind auf der Suche nach Lösungen. Man kann es natürlich so wie Wien machen: Im Stadtteil Aspern, auch die "Seestadt Wiens" genannt, können sich die Bewohner ganz ohne Auto fortbewegen. Dabei helfen weiträumige Fußgängerzonen und breite Radwege, ein Fahrradverleihsystem sowie ein optimal ausgebautes ÖPNV-Netz. Muss man doch einmal mit dem Auto in die Stadt, stehen große Sammelgaragen bereit. Zugegeben: Dieses Szenario spielt sich in der Zukunft ab. Die Seestadt wurde von Grund auf neu geplant und befindet sich noch im Bau.

Cleveres Parken an der Atlantikküste

Dank vernetzter Parkplätze finden Hamburger Autofahrer künftig schnell einen freien Stellplatz.
Dank vernetzter Parkplätze finden Hamburger Autofahrer künftig schnell einen freien Stellplatz.
Foto: Deutsche Telekom

In der Regel müssen Städte jedoch mit der vorhandenen Infrastruktur zurechtkommen. Geradezu mustergültig hat das spanische Santander seine Smart-City-Hausaufgaben erledigt. Die 200.000-Einwohner-Stadt am Atlantik fand bereits 2010 eine digitale Lösung, um dem Parkplatzproblem in den engen Straßen der Altstadt Herr zu werden. Hunderte Bodensensoren in den Stellflächen erkennen das magnetische Feld eines Fahrzeugs und funken die Information - "Parkplatz belegt" - via Mobilfunk ins Kontrollzentrum der städtischen Universität. Von dort steuern Verkehrsexperten das Parkleitsystem der Stadt. Anzeigetafeln und Online-Karten weisen den Fahrern dann den Weg. Santanders Parksuchverkehr hat sich mit dieser digitalen Parkplatzlösung um 80 Prozent verringert.

Lediglich Pilotprojekte in Deutschland

Ein Bodensensor auf dem Stellplatz überträgt per Funk, ob er frei oder belegt ist.
Ein Bodensensor auf dem Stellplatz überträgt per Funk, ob er frei oder belegt ist.
Foto: Deutsche Telekom

Deutsche Städte sind bislang nicht wesentlich über Pilotprojekte hinausgekommen. Die Herausforderungen sind vielfältig: Technologien, um freie Stellflächen zu ermitteln, sind oft kostspielig und müssen zudem sinnvoll vernetzt sein, um eine intelligente Parkraumbewirtschaftung zu ermöglichen. Hamburg hat jetzt eine Lösung gefunden: Die Hansestadt setzt auf die Smart-Parking-Plattform "Park and Joy" der Telekom-Tochter T-Systems, um die eigenen Digitalisierungsziele zu verwirklichen und den neuen Mobilitätsbedürfnissen in der Stadt gerecht zu werden. In den kommenden drei Jahren soll hier ein gesteuertes Parkplatz-Management entstehen, das sowohl den fließenden als auch den Parksuchverkehr positiv beeinflusst. "Für Städte wie Hamburg, aber auch für private Parkhausbetreiber bieten wir eine deutschlandweit nutzbare Plattform für Parkraum-Management als Rundum-Service - von der Sensorik und Cloud-Plattform bis zum Übertragungsnetz und der Smartphone-App", erklärt Anette Bronder, Chefin des Digital- und Sicherheitsgeschäfts der Deutschen Telekom, das Service-Angebot des Carriers.

Narrowband-IoT für Parkplätze

Als Dienstleister bestückt T-Systems bis 2020 rund 11.000 Parkplätze mit Sensormodulen, die erkennen, ob ein Parkplatz frei oder belegt ist. Die Sensormodule senden Position und Belegungsstatus in die T-Systems-Cloud. Zum Einsatz kommt der neue, speziell für das Internet der Dinge optimierte Mobilfunkstandard NarrowBand IoT (NB-IoT). Er bietet neben einer hohen Reichweite von bis zu zehn Kilometern auch eine sehr gute Gebäudedurchdringung: So funken die NB-IoT-Module auch aus dem Untergeschoss eines Parkhauses zuverlässig Daten. Sie senden lediglich kleine Datenpakete, was die Übertragungskosten gering hält. Meist verharren sie im stromsparenden Ruhemodus. So kommen die Geräte bis zu zehn Jahre wartungsfrei mit einer handelsüblichen Batterie aus. NarrowBand IoT wurde im Jahr 2016 vom internationalen Standardisierungsgremium 3GPP verabschiedet: Der Standard nutzt ein schmalbandiges, lizenziertes Spektrum im vorhandenen Mobilfunknetz. Auf diese Weise erreicht die Datenübertragung die gleiche Qualität wie etwa bei LTE.

Per App zum Parkplatz

Mit zwei Klicks erstellen Autofahrer einen digitalen Parkschein.
Mit zwei Klicks erstellen Autofahrer einen digitalen Parkschein.
Foto: Deutsche Telekom

Die Smartphone-App "Park and Joy" zeigt dem Autofahrer auf einer Karte in Echtzeit die freien Parkplätze in der Stadt und navigiert ihn auf direktem Weg zum gewünschten Ziel. Nach dem Einparken erstellt der Fahrer mit nur zwei Klicks einen digitalen Parkschein und zahlt minutengenau via Kreditkarte, Lastschrift, Mobilfunkrechnung oder auch PayPal.

Vorteile für Autofahrer, Stadt und Bewohner

Der Funkstandard Narrowband IoT übertragt Daten besonders energieeffizient und über weite Strecken.
Der Funkstandard Narrowband IoT übertragt Daten besonders energieeffizient und über weite Strecken.
Foto: Deutsche Telekom

"Das Digitale Parken mit seiner verkehrsbeeinflussenden Logik bringt uns in Hamburg viele Vorteile", schildert Jörg Oltrogge, Geschäftsführer beim Landesbetrieb Verkehr der Freien und Hansestadt Hamburg, "wir wollen mit diesem Systemansatz auch den nächsten Schritt gehen und dem Fahrer die Möglichkeit geben, vorzeitig die Fahrt zu unterbrechen und leicht auf den öffentlichen Personen-Nahverkehr zu wechseln. Ich stelle mir dann ein integriertes System vor, das mit wenigen Klicks auch das Bus- oder Bahnticket zielgebietsgerecht auswählt."

Testen Sie Ihr IoT-Grundwissen

Dem Autofahrer bleiben mit dem neuen System die zeitraubende, spritfressende Parkplatzsuche und der Gang zum Parkscheinautomaten erspart. Er gerät außerdem nicht mehr in Versuchung, sein Fahrzeug irgendwo unerlaubt abzustellen, weil er keinen freien Parkplatz findet. Für Parkhausbetreiber bietet das System eine Marktplatz-Funktion mit hoher Reichweite: Über die App können sie ihre freien Stellflächen anabieten - so lasten sie ihre Parkhäuser besser aus und gewinnen neue Kunden. Für die Hamburger selbst bringt das System weniger Abgase, Verkehrslärm und Staus in ihrer City. Nach Hamburg wollen künftig auch Dortmund, Moers, Duisburg, Darmstadt und Bonn in Sachen Smart Parking mit T-Systems zusammenarbeiten.