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Intel toppt lässig die Erwartungen

15.01.2003
Intel hat im vierten Quartal 2002 mehr als eine Milliarde Dollar netto verdient und seine Bruttomarge auf 52 Prozent gesteigert. Allerdings senkt der Konzern seine Investitionen für 2003 deutlich.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Intel hat mit seinen mit Spannung erwarteten Zahlen zum vierten Quartal des vergangenen Geschäftsjahres dank erfreulichen Geschäftsverlaufs - vor allem mit Chips für Server und Notebooks sowie regional in Europa und Nordamerika - die Erwartungen der Finanzwelt locker übertroffen. "Alles in allem lief es deutlich besser als wir dachten", freut sich Finanzchef Andy Bryant. Allerdings sorgten ein vorsichtiger Ausblick auf das laufende Vierteljahr sowie eine Senkung der Investitionen für das Gesamtgeschäftsjahr für einen kleinen Dämpfer.

Für das Ende Dezember abgeschlossene Quartal weist der Halbleiterkonzern einen Nettogewinn von 1,05 Milliarden Dollar oder 16 Cent pro Aktie aus im Vergleich zu 504 Millionen Dollar oder sieben Cent je Anteilschein im Berichtszeitraum des Vorjahres. Den Umsatz steigerte Intel von 6,98 Milliarden Dollar im Vorjahr um immerhin 2,5 Prozent auf aktuell 7,16 Milliarden Dollar. Die Wall Street hatte laut Thomson First Call Einnahmen von 6,9 Milliarden Dollar und 14 Cent Profit pro Aktie erwartet. Gegenüber dem vorhergehenden dritten Quartal steigerte der Hersteller aus dem kalifornischen Santa Clara den Reingewinn um 53 und die Einnahmen um zehn Prozent.

Anfang Dezember hatte das Unternehmen 6,8 bis sieben Milliarden Dollar Umsatz oder ein sequentielles Plus zwischen fünf und acht Prozentpunkten und für die Bruttomarge einen Wert von 49 Prozent angepeilt. Der vor allem von Analysten als wichtige Kennziffer aufmerksam verfolgte Wert fiel nun tatsächlich mit 52 Prozent deutlich besser aus. Daniel Niles von Lehman Brothers wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Intel erstmals seit drei Jahren den druchschnittlichen Verkaufspreis seiner Chips wieder steigern konnte. Für das laufende erste Quartal nimmt Intel 6,5 bis sieben Milliarden Dollar Umsatz - zwei bis neun Prozent weniger als im abgeschlossenen Dreimonatszeitraum - und eine Bruttomarge von 50 Prozent ins Visier, die im Jahresdurchschnitt auf 51 Prozent steigen soll.

Seine Investitionen in Fertigungsstätten und Produktionstechnik senkt Intel in diesem Jahr auf 3,5 bis 3,9 Milliarden Dollar nach 4,7 Milliarden Dollar für 2002. Analyst Douglas Lee von Banc of America Securities möchte dies allerdings nicht überbewerten. Die Absenkung sei schlicht eine Atempause nach zuletzt enormen Investitionen. "Es ist gut, dass sie sich jetzt auf ihren eigenen Cash-Flow fokussieren", kommentiert der Experte. Intels President und COO (Chief Operating Officer) erklärte, Intel konzentriere sich auf größere und damit effizientere Silizium-Wafer und kleinere Strukturbreiten. Damit setzt das Unternehmen zum einen den kleineren Rivalen AMD unter Druck und erhöht zum anderen seinen Ausstoß an Netz- und Wireless-Chips - beide Märkte wachsen derzeit schneller als der für PC-Prozessoren.

Für das Gesamtjahr 2002 meldet Intel auf Basis von 26,8 Milliarden Dollar Umsatz (Vorjahr: 26,5 Milliarden Dolar) einen Nettogewinn von 3,1 Milliarden Dollar oder 46 Cent pro Aktie, mehr als doppelt so viel wie die 1,3 Milliarden Dollar oder 19 Cent je Anteilschein aus dem Jahr 2001. Eine Schwachstelle war die Communications Group, die für das Gesamtjahr bei 2,1 Milliarden Dollar Umsatz einen operativen Verlust von 622 Millionen Dollar ausweist. Sein Beteiligungsportfolio bescherte Intel im vierten Quartal einen Verlust von 117 Millionen Dollar (zuvor waren 90 Millionen Dollar avisiert worden), dafür gab es einen Zugewinn von rund 75 Millionen Dollar durch Steuervorteile aus Unternehmensverkäufen.

Im nachbörslichen Handel notierte die Intel-Aktie gestern mit 17,94 Dollar nur geringfügig über dem Schlusskurs vom Dienstag (17,79 Dollar). Dafür gaben die Werte wichtiger Halbleiterausrüster wie Applied Materials, KLA-Tencor oder Novellus aufgrund der angekündigten Investitionssenkung deutlich nach. (tc)