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Intel setzt auf Dual Core und WiMax

08.09.2004
Paul Otellini, President und COO von Intel, hat in seiner Eröffnungsrede zum IDF in San Francisco ein neues Computerzeitalter mit "persönlicher Parallelisierung" in Aussicht gestellt.

Paul Otellini, President und Chief Operating Officer von Intel und designierter Nachfolger von Konzernchef Craig Barrett, hat in seiner Eröffnungsrede zum Intel Developer Forum (IDF) in San Francisco ein neues Computerzeitalter mit "persönlicher Parallelisierung" in Aussicht gestellt.

Paul Otellini zeigte in seiner Keynote einen Dual-Core-Wafer.
Paul Otellini zeigte in seiner Keynote einen Dual-Core-Wafer.

Aus Sicht Otellinis befindet sich die Branche gegenwärtig an zwei Wendepunkten. Der einer ist die Weiterentwicklung der Konnektivität mit einem Überhandnehmen drahtloser Verbindungen. Der zweite ist die Parallelisierung. Nachdem sich parallelisiertes Rechnen bereits vom Mainframe auf Server und Workstations heruntergearbeitet hat, prophezeite der Intel-Manager eine Zukunft der persönlichen Parallelisierung, bei der Intel über sein bisheriges "Hyperthreading" hinausgehen und über all sein Produktlinien hinweg Multicore-Technik einführen wird.

Otellini bekräftigte Intels Planung, im kommenden Jahr Dual-Core-Prozessoren auf den Markt zu bringen. Er erwarte, dass bis zum Jahr 2006 40 Prozent der Desktop-Produkte, 85 Prozent der Server sowie 70 Prozent der Notebooks mit zwei Prozessorkernen arbeiten werden. Beispielhaft gezeigt wurde der Dual-Core-Itanium "Montecito". Dieser wird mit 1,7 Milliarden Transistoren bestückt sei und neben den zwei Kernen auch multithreaded arbeiten, so dass ein Vier-Wege-Server 16 logische Prozessoren aufweisen wird. Der Montecito soll 24 MB Cache besitzen und laut Abhi Takwalkar, General Manager von Intels Enterprise Platforms Group, eineinhalb mal mehr Leistung bieten als aktuelle Itaniums.

In einer Fragerunde nach der Keynote wollte Otellini übrigens nichts dazu sagen, ob Intels Dual-Core Pläne auf der "Prescott"-Plattform oder eher dem "Dothan"-Core aus der mobilen "Centrino"-Architektur basieren. Stattdessen sagte er laut "Computerwire" siybillinsch: "Man könnte sich ohne weiteres vorstellen, dass wir verschiedene Dinge tun." Der Dual-Core-Notebook-Prozessor trägt übrigens den Codenamen "Yonah".

In Sachen Wireless-Technik hat Intel sein Vertrauen in WiFi bereits mit Centrino unter Beweis gestellt. Otellini warf gestern das Schwergewicht seines Arbeitgebers hinter die neue "WiMax"-Technik. Diese hat aus seiner Sicht das Zeug dazu, existierende Kabel-Breitband-Techniken ebenso zu verdrängen wie dies mit Mobilfunk und Festnetztelefonie geschehen ist. Ab 2006 werde Intel WiMax im Rahmen von Centrino unterstützen, so der Intel-Mann. Einen erstens WiMax-Chipsatz hat Intel mit "Rosedale" bereits entwickelt. Dieser wird in die Platine "ProWireless 5116 Broadband Interface" integriert und bietet alle nötigen Komponenten außer dem Funk selbst, den Third Parties wie Texas Instruments oder SMI zuliefern.

Nebenbei gab es auch noch einige Updates in Sachen Unternehmens-Produkt-Roadmap. Der verbesserte "Madison 9M" soll erst gegen Ende des Jahres und nicht wie ursprünglich vorgesehen bereits Ende des dritten Quartals zu haben sein. Neu ins Programm aufgenommen wurde "Cranford", ein Lowend-"MP"-Prozessor, der im kommenden Jahr herauskommen und sich von seinen Schwesterprodukten vornehmlich durch weniger Cache unterscheiden soll. Ebenfalls im nächsten Jahr erscheint der "Irvindale", im Wesentlichen ein "Nocona" mit 2 MB Cache. Für 2005/2006 ist der Montecito-Nachfolger "Montvale" geplant, "Whitefield" als Multicore-Chip der "Xeon"-Familie wird irgendwann nach 2006 erscheinen.

Nachdem Intel in den vergangenen Monaten immer wieder mit Pannen und Verschiebungen zu kämpfen hatte, erklärte Otellini, Intel kehre zu einer konservativeren Ankündigungspolitik zurück im Bemühen, wieder besser vorhersagbar zu werden. Außerdem will sich das Unternehmen beim Marketing weniger auf rein technische Details wie höhere Taktfrequenzen, sondern vielmehr auf Zusatznutzen durch neue Konzepte wie Multicore oder die "Vanderpool"-Technik fokussieren.

Vanderpool ermöglicht eine logische Aufteilung (Partitionierung) eines PC, wobei jeder Bereich unterschiedliche Aufgaben erledigen und auch ein eigenes Betriebssystem fahren kann. Otellini demonstrierte Vanderpool anhand eines Rechners, auf dem Office-Anwendungen, Spiele und Internet-Telefonie, ein CAD-Programm unter Linux sowie ein abgetrennter Virenscanner liefen. Vanderpool und auch die kommende Sicherheitstechnik "Lagrande" werden allerdings nicht auf den Markt kommen, bevor nicht Microsoft sein nächstes Windows "Longhorn" veröffentlicht - aktuell ist dies für 2006 vorgesehen.

Last, but not least ging Otellini in Sachen digitales Zuhause auf einen neuen Standard zur Übertragung geschützter Inhalte über herkömmliche IP-Netze ein. Microsoft habe bereits angekündigt, das derzeit noch kryptisch als "Digital Transmission Content Protection over Internet Protocol" (DCTP-IP) bezeichnete Verfahren zu unterstützen. Intel arbeite daran, auch Apple dafür zu gewinnen, erklärte Otellini. "Vielleicht finden die einen besseren Namen", scherzte er. (tc)