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Intel muss Aktienoptionskosten weiterhin nicht als Aufwand verbuchen

22.05.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Aktionäre des Chipriesen Intel haben sich auf der Hauptversammlung nur mit knapper Mehrheit gegen einen Antrag ausgesprochen, die Aufwendungen für Aktienoptionen künftig in der Bilanz als Kosten zu verbuchen. 47,55 Prozent der stimmberechtigten Anleger, das entspricht etwa 30 Prozent der frei gehandelten Aktien, stimmten für den Vorschlag der US-Pensionskassen United Brotherhood of Carpenters und Joiners of American Pension Fund.

Bereits im Vorfeld der Veranstaltung am gestrigen Mittwoch hatten sich Finanzchef Andy Bryant sowie CEO Craig Barret wiederholt gegen die vom Financial Accounting Standards Board (FASB) befürwortete Praxis ausgesprochen. Außerdem hatte der Intel-Chef erst vor kurzem in einem Reuters-Interview erklärt, bei der Berechnung nach dem Black-Scholes-Modell würden die tatsächliche Höhe der entstandenen Kosten verzerrt. Resultat einer Verbuchung seien fehlerhaften Bilanzen (Computerwoche online berichtete). Bei einem Wegfall der Aktienoptionen befürchten die Topmanager außerdem einen tiefen Einschnitt in die Unternehmenskultur und die Abwanderung wertvoller Mitarbeiter.

Um auf der Hauptversammlung Rückendeckung für ihre Position zu erhalten, hatten die Topmanager kurz vor der Versammlung eine umfangreiche Sammlung von Artikel und anderem Informationsmaterial an ihre größten Anteilshaltern geschickt. Die Befürworter der Verbuchung führten dagegen auf, dass die Aktienoptionsprogramme Intel im ersten Quartal 2003 allein fast 300 Millionen Dollar gekostet und den Profit somit um ein Drittel geschmälert hätten. Zudem listeten sie 22 US-Firmen auf, darunter Apple, bei denen die Anleger in dieser Bilanzsaison mehrheitlich für eine Bilanzierung der Aktienoptionskosten gestimmt hatten. (mb)