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Intel erneut vom Pech verfolgt

30.07.2004
Intel bringt den Pentium 4 mit 4 Gigahertz erst 2005 auf den Markt - offenbar wurde der Bolide vorschnell angekündigt. Derzeit häufen sich zum Ärger von CEO Craig Barrett beim Chipriese die Pannen.

Bei Intel reißt die Serie von Misserfolgen und Terminverzögerungen nicht ab. Die Company wollte eigentlich zum Jahresende mit dem Desktop-Prozessor "Pentium 4" erstmals die Hürde von 4 Gigahertz bei der Taktfrequenz knacken. Jetzt gab das Unternehmen bekannt, dass der Chip erst im neuen Jahr auf den Markt gebracht werden kann. Schuld sind diesmal keine Fehler im Design oder Herstellungsprozess, sondern Lieferprobleme. Man wolle den Prozessor bei der Ankündigung in ausreichenden Stückzahlen verfügbar haben, erklärte ein Intel-Sprecher, und dies könne erst für das erste Quartal 2005 garantiert werden. Chief Operating Officer Paul Otellini hatte 2003 vor Finanzanalysten den 4-GHz-Chip für dieses Jahr angekündigt und muss sich jetzt die Schelte seines Chefs gefallen lassen. CEO Craig Barrett reagierte entsprechend sauer auf die neueste Pleite und verfasste ein internes Memo, in dem er eine Änderung der Rollout-Taktiken fordert: "So kennen wir Intel

nicht und so wollen wir es auch nicht."

Dem Firmenchef platzte jetzt der Kragen, nachdem sich in letzter Zeit die Pannen häuf-ten: Die Einführung des 90-Nanometer-Fertigungsprozess lief schlechter als geplant und hatte eine verspätete Auslieferung des "Prescott"-Desktop- und des "Dothan"-Mobilchips zur Folge. Der "Grantsdale"-Chipsatz, von Intel als einer der wichtigsten Neuerungen im Hause bezeichnet, kam ebenfalls nicht ungeschoren davon. Einige der Teile waren so schlecht gefertigt, dass Intel eine Rückrufaktion starten musste. Die Einführung von "Alviso", die Chipset-Version für Mobilrechner, wurde ebenfalls auf das erste Quartal 2005 verschoben. Schließlich fand sich ein Fehler im Design des "Sonoma"-Prozessors, der als Nachfolger der Centrino-Mobil-Technik für Umsatz sorgen soll. Die Folge ist erneut eine verspätete Produktvorstellung.

Zudem kämpft Intel auch mit Lieferproblemen von bestehenden Produkten: der Pentium 4 mit 3,6 GHz ist so rar, dass Dell entsprechend aus-gestattete "Dimension 8400"-Rechner aus dem Angebot nahm. HP weist seine Kunden auf der Website darauf hin, dass der "Presario SA4000T" mit dem Intel-Chip eine Lieferzeit von mehr als einer Woche hat. Insider führen Intels Lieferschwierigkeiten nicht auf Fertigungsprobleme zurück, sondern vermuten, dass die Bausteine zu früh angekündigt wurden und die Produktion jetzt den Bedarf nicht decken kann. (kk)