Interview mit Inspur CEO Europa, Jay Zhang

Inspurs Wachstumsstrategie für Europa: „Gemeinsam lernen – gemeinsam wachsen“

28.02.2022
Anzeige  Um den steigenden Kundenanforderungen gerecht zu werden, setzt der Infrastruktur Technologieanbieter Inspur Information auf innovative Kooperationsmodelle, wie Jay Zhang, VP von Inspur Global Business und CEO von Inspur Europe, erklärte.
Jay Zhang, Inspur CEO Europe
Jay Zhang, Inspur CEO Europe
Foto: Inspur

Der in Europa noch wenig bekannte chinesische IT-Konzern Inspur ist einer der weltweit führenden Anbieter für RZ-Infrastruktur, Cloud Computing und KI. Laut Gartner ist das Unternehmen der zweitgrößte Serverhersteller der Welt.

Basierend auf seinen innovativen Entwicklungen liefert Inspur hochmoderne Hardware und anspruchsvolle Software für viele wichtige Technologiebereiche und Anwendungen. Beispielsweise die „Agile Supply Chain“, ein System für agiles, maßgeschneidertes und sicheres Supply-Chain-Management, das eine besondere Kooperation zwischen Kunde und Lieferant erlaubt. Inspur nennt dieses Modell der engen Zusammenarbeit „Joint Design Manufacture“ – JDM.

Fokus auf besonders dynamische Märkte

Inspur verdankt seine herausragende Stellung einem außerordentlichen Wachstum, das weit über die allgemeine Marktentwicklung hinaus geht. Von 2010 bis 2020 stieg der Umsatz mit Inspur-Servern von 150 Millionen auf 8,2 Milliarden USD, was einem Anstieg von 5.391 Prozent und einem CAGR von mehr 49 Prozent (8-mal so hoch wie der Weltmarkt) entspricht. Hinzu kommt, dass Inspur sich auf die besonders dynamischen Märkte, wie RZ-Technologien, Cloud Computing, KI und Edge Computing konzentriert.

Insbesondere auf dem Gebiet der KI nimmt Inspur eine herausragende Stellung ein, basierend auf einer innovativen Full-Stack-KI-Plattform mit dem breitesten Produktportfolio im globalen KI-Serverbereich. Zu dieser Plattform gehören unter anderen Deep-Learning-Frameworks, KI-Algorithmen und entsprechende Anwendungsoptimierungen. Das KI-Knowhow ist auch eine treibende Kraft für das Wachstum des Servergeschäfts: So bietet Inspur als eines der ersten Unternehmen weltweit Rack-Scale-Systeme für Hyperscale-Rechenzentren an. Und auch bei den High-Density-Computern war Inspur der innovative Pionier, und einer der ersten, der diese Systeme weltweit auf den Markt bringen konnte.

Auf der Suche nach Kooperationen mit europäischen Playern

Das Unternehmen hat große Pläne. Im Interview erläutert Jay Zhang, VP Global Business von Inspur und CEO von Inspur Europa, welche brandaktuellen Trends er gegenwärtig sieht - und welche Pläne Inspur damit verbindet, beispielsweise die rasant steigenden Leistungsanforderungen bei den Cloud-Providern, die Grenzen von Universal-Prozessoren, neue Methoden beim Training von DL-Algorithmen, aber auch die Bedeutung von Fachgremien, wiedas "Open Compute Project" (OCP) oder "SPEC Machine Learning".

Da Inspur hier in Europa noch nicht sehr verbreitet ist, möchte Zhang den Europäern die Hand reichen: "Inspur hat eine führende Stellung im weltweiten IT-Markt, aber in Europa sind wir noch Neuling. Wenn wir zusammenarbeiten, können wir zum beiderseitigen Vorteil ganz groß herauskommen."

Nachfolgend das gesamte Interview mit Jay Zhang.

Frage: Herr Zhang, ein Blick auf die zahlreichen Studienergebnisse zu Technologietrends im Jahr 2022 zeigt: Cloud Computing, Analytics, KI und IoT stehen im Ranking der Top-Technologien fast immer ganz oben. Welche Auswirkungen werden diese Trends auf den Hardware- und Infrastrukturmarkt haben?

Jay Zhang: In der Tat führt der KI-Trend insbesondere in den USA, in China und jetzt auch in Europa dazu, dass die damit verbundenen Szenarien und die Computing-Anforderungen immer divergenter werden. Das hängt damit zusammen, dass KI heute in der Lage ist, viele Probleme zu lösen, die zuvor als unlösbar galten.

Gleichzeitig wirft KI damit aber auch eine ganze Reihe neuer Fragen und Probleme auf. KI-Anwendungen bringen Universal-Prozessoren an ihre Grenzen. Die Folge sind steigende Anforderungen nicht nur an die Leistung von Computern, sondern auch an die Eigenschaften der Bauteile, wie Wärmeentwicklung, Energieverbrauch usw.

Auch der klassische Cloud-Bereich hat sich weiterentwickelt. Vor 10 Jahren verstanden die Leute unter Cloud Computing einfach ein paar Computer, die verbunden wurden, um mehr Aufgaben zu erledigen. Heute prägen die Hyperscaler mit ihren Mega-Rechenzentren das Bild von der Cloud.

Aber auch in einem traditionellen Cloud-Umfeld können Sie Server heute nicht mehr einzeln implementieren. Das gilt erst recht auf dem Level von Server-Racks oder Rechenzentren: Das Design und die Inbetriebnahme von der Verkabelung, über die Installation und Vorinstallationen bis zur Inbetriebnahme muss vielmehr Out-of-the-Box erfolgen. Alles muss viel schneller gehen, weil die Cloud selbst auch wächst. Es findet heute alles in einem ganz anderen Maßstab statt.

Frage: Wie reagieren Sie als IT-Infrastrukturanbieter auf die unterschiedlichen Anforderungen der Unternehmen?

Jay Zhang: Um den Anforderungen durch die zunehmend verschiedenen Computing-Szenarien gerecht zu werden, setzt Inspur beispielsweise im Bereich KI Server ein, die verschiedene AI-Prozessoren unterstützen - etwa von Nvidia, Intel, AMD, Xilinx oder anderen - die aber auch unterschiedliche Konnektivität zwischen Prozessor und Beschleuniger unterstützen - wie NVlink, PCI-E oder andere.

Ähnliches gilt für den Applikationsbereich. Es ist möglich, dass die GPU ein- und desselben Herstellers mit einer anderen Verbindung verschiedene Anwendungen unterstützen kann. So ist es zum Beispiel besser bei der Inferenz andere Algorithmen, ebenso bei den Trainings- und Machine Learning Anwendungen, weil diese in unterschiedlichen Architekturen jeweils anderes funktionieren.

All diese Unterschiede und Varianten der Hardware erfordern eine Offenheit der Technologien. Inspur ist sehr an offener Technologie interessiert. Deswegen engagieren wir uns stark in den technischen Communities. So hat Inspur bereits drei Mal den Vorsitz im SPEC ML Technical Committee übernommen, das 2019 gegründet wurde. Außerdem ist Inspur Platin-Mitglied von OCP, dem Open Compute Project, und ist einer der wichtigsten Mitwirkenden der Open Accelerator Infrastructure - OAI, einer Untergruppe von OCP.

Frage: Die großen Hyperscaler von Microsoft bis AWS benötigen gewaltige Rechen-Power, um die steigenden Datenmengen ihrer Kunden zu verarbeiten. Wie müssen sich die Hyperscaler aufstellen, um mit den Bedürfnissen ihrer Kunden Schritt zu halten?

Jay Zhang: Hyperscaler und ihre Kunden sehen sich mit einem stets steigenden Rechenbedarf ihrer Kunden, der Industrie und sogar der gesamten Gesellschaft konfrontiert. Inspur arbeitet mit den großen Cloud-Anbietern zusammen, um Probleme zu lösen, die die Effizienz und Weiterentwicklung der großen Hyperscaler-Rechenzentren bislang behindert haben. Inspur hat dafür eigens ein Geschäftsmodell entwickelt: das Joint Design-Manufacture-Model - JDM. Damit können wir sehr eng mit den Hyperscalern wie Alibaba zusammenarbeiten.

Dazu ein Beispiel: Es gibt in China einen Mega-Sales-Tag, der 11. November - ähnlich wie der Black Friday, nur in einem viel größeren Rahmen. Letztes Jahr betrug der Gesamtumsatz unseres Kunden Alibaba rund um den so genannten "Singles' Day" 85 Milliarden US-Dollar. Das muss in einem hochleistungsfähigen hochsicheren und hochzuverlässigen KI-Computer-Umfeld stattfinden. Denn der Hyperscaler will keine einzige Sekunde verschwenden, nicht einmal eine einzige Nanosekunde - denn das bedeutet Umsatz für ihn, Kundenzufriedenheit und so weiter …

Frage: Die klassische Kunden-Lieferanten-Beziehung hat ausgedient. OEMs und Anlagenbauer sind zunehmend auf ihre Lieferanten und andere Partner angewiesen. Wie kann die IT den Bedarf an mehr Zusammenarbeit in diesem Bereich unterstützen?

Jay Zhang: Die Kunden-Lieferanten-Beziehung entwickelt sich mehr und mehr zu einer virtuellen Einheit. In der boomenden digitalen Wirtschaft sind die Anforderungen an Unternehmen sehr hoch. Sie müssen sich auf Branchentrends und die Bedürfnisse ihrer Kunden konzentrieren. Das bedeutet für einen IT-Infrastrukturanbieter wie Inspur, dass wir bei der Produktentwicklung eng mit unseren Kunden zusammenarbeiten müssen.

Mit der agilen, maßgeschneiderten und sicheren Lieferkette - Agile Supply Chain, ASC - bietet Inspur ein neues Modell der Kooperation an, um die Zusammenarbeit maßgeblich zu intensivieren. Mit der ASC können wir die Lieferketten unserer Kunden integrieren, zum Beispiel die der Hyperscaler, die über eigene Lieferketten verfügen, und können Cloud-basierte F&E-Prozesse realisieren.

Dafür nutzen wir, was wir die "Plattform + Module" Strategie nennen, das heißt für die Produkte der technologischen Versorgungskette haben wir eine gemeinsame Basis- Plattform. Darüber hinaus gibt es verschiedene Module, die sich wie Legosteine zusammensetzen lassen, wodurch die Zeiten für F&E erheblich kürzer werden. Bei KI-Computern oder im Cloud Computing gibt es bestimmte Komponenten, die sich sehr leicht in Module packen lassen. Man muss nicht jedes Mal alles von Grund auf neu entwickeln.

Frage: Können Sie das anhand eines Beispiels erläutern?

Jay Zhang: Ein Anwendungsbeispiel, das ich nennen kann, ist Baidu, die größte Suchmaschine in China. Die Zusammenarbeit mit Baidu begann mit einem integrierten All-in-One-Server für KI, Big Data und Cloud Computing. Wir nennen sie ABC AiOs. Ziel der Partnerschaft zwischen Inspur und Baidu war die Entwicklung einer KI-Anwendungslösung, die Hard- und Software integriert, die auf die branchenspezifischen Bedürfnisse der Anwender zugeschnitten ist. Dafür haben wir Baidus DL-Framework, das ausgereifte Algorithmus-Modell und Cloud-Management-Technologie mit der AI-Hardware-Plattform von Inspur kombiniert und eine Out-of-the-Box-Lösung entwickelt, mit der Baidu die Implementierung wesentlich beschleunigen konnte.

Wir haben auch zum chinesischen Frühlingsfest 2019 mit Baidu zusammengearbeitet. Dafür haben wir 50.000 Server in einem Monat geliefert. Die tatsächliche Bereitstellung ging sehr schnell: In 8 Stunden konnten wir 10.000 Server bereitstellen - vom Auspacken des Racks bis zum Einschalten und vollständigen Betrieb des Systems.

Das Produktportfolio von Inspur orientiert sich bisher überwiegend am chinesischen Markt, wie zum Beispiel das chinesische Sprachmodell Yuan 1.0 zeigt. Wie sieht Ihre Wachstumsstrategie für den europäischen Markt aus?

Jay Zhang: Unser Motto lautet: in Europa für Europa. Die Technologien und die Produkte, die wir in Europa und anderswo verkaufen, ähneln sich natürlich. Dennoch achten wir sehr darauf, die Bedürfnisse der lokalen Industrien und Gesellschaften zu bedienen. Dafür beobachten wir die europäischen Communities ganz genau und versuchen, uns dort zu engagieren.

Ein Beispiel: Erst jüngst hat die Europäische Kommission den European Chip Act verabschiedet, um den Chip-Bau in Europa zu fördern: Bis 2030 sollen 20 Prozent der Mikrochips in Europa entwickelt und hergestellt werden. Dies kann Inspur in mehrfacher Hinsicht unterstützen: Erstens: Wir können unser Wissen in die Entwicklung einbringen. Und zweitens können wir mit Inspur-KI die Infrastruktur von High Performance Computern verbessern. Inspur gehört gerne zu den Ersten, die europäische Chips einsetzen, sobald diese auf den Markt kommen.

Wir haben eine führende Stellung am IT-Markt und wachsen weltweit sehr schnell, aber in Europa sind wir noch ein Neuling. Wenn wir gemeinsam lernen und mit der europäischen Community zusammenarbeiten, können wir gemeinsam wachsen.