Von unten betrachtet

Inhalt, den die Welt nicht braucht

14.09.2001
von Frank Arnold*

"I'm not doing that anymore!" Mit hochrotem Kopf kam mein Nachbar John zur Tür hereingestürmt. Er war so erbost, dass er noch nicht einmal die Klingel benutzte. Dafür konnte es eigentlich nur zwei Gründe geben: Entweder war etwas wirklich Schlimmes passiert, oder er war mal wieder an seiner DV verzweifelt. Seinen Unmut drückte er in einem Schwall heftiger Flüche aus, wie es die Australier gerne tun. Er war überhaupt nicht zu bremsen und hielt mir wild gestikulierend einen dicken Stapel Ausdrucke vors Gesicht. Nun, damit gab es also nur noch eine Möglichkeit. "Alright, mate," sagte ich, um ihn zu beruhigen, "ich mache uns erst einmal eine Tasse Tee."

Was war passiert? John hat sein eigenes kleines Business - wie übrigens jeder zwanzigste Australier. Das ergibt bei gerade mal 18 Millionen Einwohnern immerhin die stolze Zahl von 900 000 Unternehmen. Im vergangenen Jahr hat John für seinen Betrieb einen bescheidenen Internet-Auftritt aufbauen lassen. Dort beschreibt er ganz knapp und bündig sein Geschäft, seine Technologie, stellt seine Produkte vor und bietet Kunden die Möglichkeit, ihre Aufträge gleich einzugeben.

Das Bündel Papiere, mit dem John mir vor dem Gesicht herumwedelte, war ein vollständiger Ausdruck dessen, was er in den vergangenen zwölf Monaten gesammelt und im Web hinterlegt hatte: "Weißt Du, es ist ja schön, dass ich nun alle Informationen immer gleich abspeichern kann, aber das wächst mir einfach über den Kopf. Mein Betrieb produziert Plastikverpackungen und verdient sein Geld nicht mit Internet-Seiten. Ständig gibt es etwas Neues, und ich komme mit dem Eintragen nicht mehr nach. Und außerdem scheren sich meine Kunden überhaupt nicht darum. Wenn sie etwas wissen wollen, rufen sie mich an. Für wen mache ich das eigentlich?"

Bei der zweiten Tasse Tee war Johns Blutdruck spübar gesunken und ich fragte ihn, ob er schon einmal etwas von - wie IT-Consultants es nennen - Content-Management-Systemen gehört habe: "Wieder so ein Buzz-Word von einem elenden IT-Berater", knurrte er. Wobei ihm die Idee von Content-Management durchaus einleuchtete. Immer mehr Informationen liegen in unterschiedlichsten Formen vor, ob in Papier- oder Bildform, als strukturierter oder unstrukturierter elektronischer Inhalt. Schnell verliert man ohne geeignetes Werkzeug den Überblick. Das Problem kam ihm bekannt vor. Vom einfachen und schnellen Zugriff ganz zu schweigen. Da erscheint es doch nur logisch, die aufwändige Verwaltung der Inhalte spezialisierten Systemen zu überlassen.

Die Kernfrage des Problems war für ihn dadurch jedoch nicht beantwortet: Warum nimmt denn die Menge der Information überhaupt so sprunghaft zu?