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Infineon jammert über Standortnachteile

16.12.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Infineon-Chef Ulrich Schumacher kritisiert den Produktionsstandort Deutschland. Die Besteuerung von Gewinnen sei eine "brutale Benachteiligung" für die Unternehmen. "In einem normalen Geschäftsjahr mit beispielsweise zwei Milliarden Dollar Gewinn zahlen wir 300 bis 400 Millionen Dollar mehr an Steuern als unsere Wettbewerber," klagt er. Dieses Geld fehle für Investitionen oder Akquisitionen. "Wir haben einen Steuernachteil von 18 Prozent gegenüber ST", stellte Schumacher mit Blick auf den europäischen Wettbewerber ST Microelectronics fest. Das französisch-italienische Unternehmen hat seinen Firmensitz in den Niederlanden, während Vorstandschef Pasquale Pistorio die Aktivitäten von Genf aus lenkt.

Schumacher erwägt nun, die Infineon-Zentrale von München ins Ausland zu verlagern, konkrete Pläne gebe es jedoch noch keine. Gegenüber der "Financial Times" betonte er, dass seine Äußerungen nicht als bloße Drohungen gegenüber der rot-grünen Bundesregierung, sondern auch als Anstoß zum Dialog zu verstehen seien.

Dennoch: Um Verwaltungskosten zu senken, hat der Konzern erste Schritte in Richtung Auslagerung einzelner Bereiche unternommen. Die Buchhaltung soll künftig in Portugal erledigt werden, weitere Funktionen wie die Personalabteilung dürften folgen.

Schumacher äußerte sich grundsätzlich optimistisch über die Aussichten der Chipindustrie im kommenden Jahr. "Die Dinge sind auf dem Weg der Besserung", sagte er. Das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres (Beginn: 1. Oktober) sei für Infineon gut gelaufen, Grund zur Entwarnung bestünde jedoch noch nicht. Die Münchner konnten von einer Erholung der Preise für Speicherchips, steigenden Produktionsmengen sowie einer höheren Produktivität profitieren. Von der Chipherstellung auf 300-Millimeter-Wafern im Dresdner Werk (vom Bund und dem Land Sachsen mit 219 Millionen Euro subventioniert !) verspricht sich das Unternehmen Einsparungen von 30 Prozent. (rs)