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Infineon hofft auf Befreiungsschlag

18.11.2005
Im Ende September abgelaufenen Fiskaljahr rutschte der Münchner Chipbauer bei sechs Prozent weniger Umsatz auch wegen Sonderaufwendungen unerwartet tief in die Verlustzone.

Allerdings sparte Infineon laut Konzernchef Wolfgang Ziebart mit 320 Millionen Euro deutlich mehr ein als die zuvor anvisierten 200 Millionen Euro. Die Infineon-Aktie stieg am Vormittag bis 10.15 Uhr um 1,51 Prozent auf 8,07 Euro.

"Im Geschäftsjahr 2005 haben wir beträchtliche Fortschritte bei der Kostenreduktion sowie der Verschlankung des Unternehmens gemacht", sagte Ziebart. "Doch die Auswirkungen dieser Maßnahmen auf die Geschäftsergebnisse des Gesamtjahrs wurden durch den starken Preisdruck sowie den Verlust von Marktanteilen bei einigen unserer Mobilfunkkunden mehr als aufgehoben." Zu seinen Großkunden zählt Infineon die ehemalige Unternehmensmutter Siemens. Siemens hatte sein seit langem verlustreiches Handygeschäft zum ersten Oktober an die taiwanische BenQ abgegeben.

Ziebart fand lobende Worte für die umsatzstärkste Speicherchip-Sparte, die bis Frühjahr 2006 ausgegliedert und danach möglichst an die Börse gebracht werden soll. "Bereits das dritte Jahr in Folge meldete das Segment Speicherprodukte ein positives EBIT (operatives Ergebnis)". Im vierten Geschäftsquartal stiegen die durchschnittlichen Verkaufspreise im Segment Speicherprodukte nach Unternehmensangaben leicht an. Der kleinste der drei Infineon-Bereiche, das Segment Kommunikation, verharrte unterdessen im Schlussquartal 2004/05 das fünfte Quartal in Folge in den roten Zahlen und vervielfachte im gesamten Geschäftsjahr seine Verluste.

Im Gespräch mit Journalisten erläuterte Ziebart die rückläufige Entwicklung der defizitären Infineon im abgelaufenen Geschäftsjahr, die im Gegensatz zu dem Trend auf dem weltweiten Halbleitermarkt steht. Infineon habe ein starker Rückgang der Speicherchippreise um etwa 30 Prozent im Februar und März zu schaffen gemacht. "Seither haben wir eine Stabilisierung der Preise gesehen, teilweise einen Anstieg", sagte der Infineon-Chef. Derzeit laufe die Preisentwicklung sehr stark auseinander in den einzelnen Produktbereichen. Eine Prognose, wie sich die Speicherchippreise 2006 entwickeln, wollte Ziebart nicht wagen: "Das ist wirklich wie Glaskugellesen."

Ziebart führte als weiteren Grund an, dass Infineon-Kunden in der Handy-Branche deutlich Marktanteile verloren hätten. "Das schlägt eins zu eins bei uns durch", sagte er. Siemens wollte Ziebart namentlich nicht nennen. Diese Faktoren hätten bei Infineon im abgelaufenen Geschäftsjahr alle Umstrukturierungs- und Einsparungs-Erfolge zunichte gemacht, betonte der Konzernchef.

Ziebart verteidigte auch die am Vortag bekannt gegebene Ausgliederung der Speicherchip-Sparte, die etwa 40 Prozent zum Konzernumsatz beisteuert. "Die Vorteile einer separaten Aufstellung sind signifikant." Dies gelte für den Zugang zu den Kapitalmärkten. Außerdem könnten das neue Speicherchipunternehmen und die künftig auf Logikchips fokussierte Infineon besser Kooperationen und Gemeinschaftsunternehmen angehen. Infineon will die Speichersparte nach der bis zum Frühjahr angestrebten Ausgliederung an die Börse bringen. "Ganz am Anfang wird Infineon die Mehrheit behalten", sagte Ziebart. Fragen zu Patent- und Lizenzvereinbarungen müssten zunächst geklärt werden. "Mittel- und langfristig kann sich Infineon auch einen Minderheitsanteil vorstellen."

Der Infineon-Chef wehrte sich gegen den Begriff "Zerschlagung" im Zusammenhang mit der geplanten Umstrukturierung. "Wir fokussieren das Geschäft von drei auf zwei Bereiche", sagte er. Die Erlöse aus dem Börsengang sollen in die Stärkung der Segmente Kommunikation und AIM (Automobil-, Industrieelektronik und Multimarket) fließen. "Infineon soll genauso groß wie vorher bleiben, aber eben nur mit zwei Bereichen", betonte Ziebart. Diese Größe sei aber nicht auf den Umsatz zu beziehen. Auf was sich diese Größe beziehen soll, sagte er nicht. Zuversichtlich zeigte sich Ziebart, dass Infineon auch nach der Ausgliederung der Speichersparte im deutschen Leitindex DAX bleibt. "Die Frage, ob wir im DAX bleiben oder nicht, ist aber keine primäre Frage", sagte er. Am wichtigsten sei, dass ein Unternehmen Gewinne mache.

Im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2004/05 sackte Infineon operativ sowie unter dem Strich tief in die roten Zahlen. Der Umsatz sank um sechs Prozent auf 6,759 Milliarden Euro. Operativ verbuchte der Halbleiter-Hersteller auch wegen Umstrukturierungen und Aufwendungen im Zusammenhang mit der Aufgabe der Produktion in München-Perlach einen Verlust von 183 Millionen Euro (Vorjahr: Gewinn 256 Millionen Euro). Infineon wies einen unerwartet hohen Fehlbetrag von 312 Millionen Euro aus (Vorjahr: Überschuss 61 Millionen Euro). Im neuen Geschäftsjahr will Infineon um sechs bis acht Prozent wachsen. Eine Ergebnisprognose wollte der Chipbauer nicht machen. (dpa/tc)