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Industriespionage-Fall in Israel beschäftigt auch deutsche Ermittler

31.05.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Polizei hat ihre Ermittlungen wegen des bisher größten Falls von Industriespionage in Israel (Computerwoche.de berichtete) auch auf Deutschland ausgeweitet. Wie die Behörden in Rottweil am heutigen Dienstag mitteilten, durchsuchten Beamte im Kreis Freudenstadt die Wohnung eines Israelis mit deutscher Staatsangehörigkeit, der als ein Hauptverdächtiger gelte. In Israel und Großbritannien hat die Polizei inzwischen etwa 20 Wirtschafts-Manager und Privatdetektive festgenommen, die sich mit Einsatz eines Computervirus gezielt Informationen über Konkurrenzunternehmen beschafft haben sollen.

Im Auftrag von Privatdetektiven wurden den Ermittlungen zufolge mit Viren infizierte CDs an die Firmen versendet. Die als vermeintliche Geschäftsofferten und Projektvorschläge an die Führungskräfte adressierten CDs installierten so genannte Trojaner auf deren Computern. Diese Computerprogramme übermittelten von den Betroffenen unbemerkt per Internet Firmendaten. Teilweise wurden im Minutentakt Abbildungen des Bildschirminhalts der Rechner, so genannte Screen-Shots, gesendet. Von herkömmlichen Virenscannern waren die eingesetzten Trojaner nicht zu erfassen. Ob Firmen in Deutschland angegriffen wurden, ist noch unklar.

Die israelische Polizei geht nach Medienberichten davon aus, dass mehr als 60 Firmen ausspioniert wurden, darunter auch Unternehmen im Ausland. Beamte nahmen am Dienstag in Israel einen weiteren Privatdetektiv fest, während mehrere Beschuldigte in Hausarrest entlassen wurden. "Es ist unmöglich, die Zahl der betroffenen Unternehmen anzugeben. Jeden Tag finden wir neue Details und gigantischen Mengen an Informationen werden untersucht", wurde ein Ermittler zitiert. (dpa/mb)