Studie von eco und ADL

Industrial-IoT-Umsätze verdoppeln sich in Deutschland bis 2022

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Regelmäßig wird angezweifelt, ob deutsche Unternehmen angesichts der fortschreitenden Digitalisierung im globalen Wettbewerb mithalten können. Eine Studie des eco-Verband und Arthur D. Little gibt nun Entwarnung: Deutschland ist im Bereich IIoT Weltspitze.
Deutschland zählt mit seiner breiten und innovativen Industriestruktur und der hohen Roboterdichte zu den größten Industrie 4.0-Märkten der Welt.
Deutschland zählt mit seiner breiten und innovativen Industriestruktur und der hohen Roboterdichte zu den größten Industrie 4.0-Märkten der Welt.
Foto: chombosan - shutterstock.com

Geht man davon aus, dass IIoT ein wesentlicher Treiber für den Erhalt und Ausbau der Konkurrenzfähigkeit ist, steht es um die deutsche Wirtschaft deutlich besser als allgemein erwartet, beziehungsweise dargestellt wird. So prognostizieren der eco - Verband der Internetwirtschaft e. V. und das Marktforschungsunternehmen Arthur D. Little (ADL) in einer neu vorgestellten Studie, dass sich der deutsche Industrial-IoT-Markt in den nächsten fünf Jahren mehr als verdoppelt und auf zirka 16,8 Milliarden Euro Umsatz anwächst. Im Schnitt entspricht dies einem mittleren jährlichen Wachstum von rund 19 Prozent. Deutschland zählt damit im internationalen Vergleich zu den Vorzeigenationen, wenn es um Industrial-IoT-Lösungen geht.

Automobilindustrie und Maschinenbau machen gemeinsam über 50 Prozent des gesamten Industrial-IoT-Marktes in Deutschland aus.
Automobilindustrie und Maschinenbau machen gemeinsam über 50 Prozent des gesamten Industrial-IoT-Marktes in Deutschland aus.
Foto: eco/ADL

Industrial-IoT erfordert ein "Neudenken" der zentralen Wertschöpfungsprozesse oder gar des gesamten Geschäftsmodells und wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil für Unternehmen unterschiedlichster Geschäftsfelder, so eco und ADL. Dabei sind laut Studie vor allem zwei der insgesamt sieben untersuchten Marktsegmente, die Automobilwirtschaft und der Maschinen- und Anlagenbau, Vorreiter des hiesigen IIoT-Marktes.

Das heute bereits größte Marktsegment, die Automobilwirtschaft, wächst den Prognosen zufolge mit 20,2 Prozent am schnellsten. Für den Maschinen- und Anlagenbau wird mit 18,9 Prozent pro Jahr ebenfalls ein starkes Wachstum erwartet. Beide Segmente machen damit gemeinsam über 50 Prozent des gesamten Industrial-IoT-Marktes in Deutschland aus. Nach Berechnungen von eco und ADL wird diese Dominanz aber auch über 2022 fortbestehen und sogar noch stärker präsent sein. Maßgeblicher Grund dafür ist die voranschreitende Automatisierung in Folge der Digitalisierung von Produktions- und Lieferprozessen.

Den geringsten Umsatzanteil steuern 2017 mit zusammen rund 17 Prozent des IIoT-Marktes indes die Segmente Metallindustrie, anderes verarbeitendes Gewerbe, Baugewerbe sowie Land und Forstwirtschaft bei. Als Grund dafür wird in der Studie vor allem der im Vergleich zu anderen Branchen geringe Einsatz von Anwendungen in den Bereichen Automatisierungslösungen, wandlungsfähige Fabrik, Adaptive Logistik und Smart Engineering genannt.

Die sieben Marktsegmente haben laut eco und ADL beim Thema IIoT enorme Potenziale.
Die sieben Marktsegmente haben laut eco und ADL beim Thema IIoT enorme Potenziale.
Foto: eco/ADL

Wichtige Markttrends

Insgesamt haben die Studienbetreiber rund um das Thema IIoT in Deutschland sechs wichtige Markttrends ausgemacht. Ein wesentlicher Wachstumstreiber ist demnach der sogenannte Brownfield-Ansatz, also die graduelle Nachrüstung bestehender Produktionen (Brownfield) zur Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit. Dadurch können bereits installierte Maschinen oft mit verhältnismäßig geringem Aufwand in Industrie 4.0 integriert werden, um die Vernetzung bestehender Einrichtungen zu ermöglichen.

Außerdem verweisen eco und ADL darauf, dass Industrial-IoT-Lösungen die Wettbewerbsfähigkeit von deutschen Unternehmen der Fertigungs- und Prozessindustrie erheblich stärken, da mit diesen die Herausforderung der zunehmenden Modellvielfalt und Produktindividualisierung gemeistert werden kann. Dank as-a-Service-Lösungen würden zudem die Hürden eines Einstiegs auf der Anwenderseite deutlich gesenkt.

Außerdem nähmen Vielfalt und Nutzen von IoT-Plattformen wie SAP Leonardo oder Siemens Mindsphere als Enabler und Schaltzentrale unterschiedlicher Systeme und Maschinen stetig zu. IoT-Plattformen werden sich auch in den nächsten Jahren stetig weiterentwickeln und durch Datenverarbeitung sowie Auswertung der gesammelten Informationen den Mehrwert von Industrial-IoT-Lösungen erhöhen.

Unterstützung reglementarischer Natur kommt zudem in Form einer EU-Richtlinie, nach der 2020 insgesamt 80 Prozent aller Haushalte mit Smart Metern ausgestattet sein sollen. Die Studienbetreiber gehen davon aus, dass diese Vorgabe zu einem deutlichen Anstieg des Segments Versorger führen wird.

Außerdem wird erwartet, dass die voranschreitende Harmonisierung von branchenführenden Standards auch im Industrial-IoT-Umfeld an Bedeutung gewinnen. Eco und ADL verweisen in diesem Zusammenhang vor allem auf branchenübergreifende Kooperationen wie zwischen dem Industrial Internet Consortium (IIC) und der Plattform Industrie 4.0. Diese werden dazu beitragen, Systemoffenheit sowie ein schnelleres Zusammenwachsen zwischen Informationstechnologie und operativer Technologie zu ermöglichen.

IIoT-Lösungen setzen sich aus rund 30 Kompetenzen zusammen.
IIoT-Lösungen setzen sich aus rund 30 Kompetenzen zusammen.
Foto: eco/ADL

Aufbau von IIoT-Ökosystemen erforderlich

Aber auch die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen ist erfolgsentscheidend. So setzen sich IIoT-Lösungen aus rund 30 Kompetenzen zusammen. "Kein Unternehmen ist in der Lage, die gesamte Wertschöpfungskette alleine abzudecken. Bei Industrial-IoT handelt es sich um ein Ökosystem-Geschäftsmodell", bringt es entsprechend auch eco-Geschäftsführer Harald Summa auf den Punkt. Aus seiner Sicht seien daher industrieübergreifende Kooperationen eine Grundvoraussetzung, um für Kunden relevante Services anbieten zu können. Dies erfordere eine neue Orientierung der Unternehmen, da diese vor allem für Kooperationen entlang der Wertschöpfungskette offen sein müssen.