Von "Sweat-Shops" zu Qualitätsdienstleistern

Indische Software auf dem Vormarsch

Sascha Thattil ist begeisterter Blogger und Indien-Experte. Als Geschäftsführer von YUHIRO baut er für Agenturen, Softwareunternehmen und IT-Abteilungen, Digital Remote Teams in Indien auf.
Immer mehr Unternehmen vom Subkontinent erstellen Softwarewerkzeuge die global verwendet werden und sich vor der Konkurrenz nicht verstecken müssen.

Wie Japan vor einigen Jahrzehnten war auch Indien lange Zeit für Produkte und Dienstleistungen minderer Qualität bekannt. Das ändert sich jetzt.

Der indische IT-Sektor ist in Bewegung.
Der indische IT-Sektor ist in Bewegung.
Foto: Kriangkrai Thitimakorn - shutterstock.com

Schwerer Start

Zum Start der indischen Erfolgsstory gab es einige Hürden.

Internetverbindungen waren fast unbezahlbar. Es mussten eigene große und teure Satellitenantennen besorgt werden und es wurden bereits für wenige Megabyte hohe Gebühren fällig.

Das Englisch der Mitarbeiter war meistens nicht so gut, wie man es heute beherrscht. Zu alle dem kamen noch Strom- und Internetausfälle.

Ihre Meinung ist gefragt!

Am Anfang ging es beim Thema Indien meistens um billiges Code-Outsourcing. Es wurden simple aber aufwendige Aufgaben aus den USA zum Subkontinent hin verlagert. Hunderte und Tausende von Hochschulabsolventen wurden angeheuert und wurden an die Computer gesetzt um diese einfachen Aufgaben herunterzuprogrammieren.

Böse Zungen redeten auch über "Coding-Affen" oder "Sweat-Shops".

Das Jahr Y2K und der große Aufschwung

Das Y2K Bug oder auch Jahr-2000-Problem war eines der größten Herausforderungen in der IT Geschichte und war auch eine Bewährungsprobe für die indische IT Industrie.

Es wurden mehrere Zehntausend Entwickler über Firmen wie Tata Consultancy Services und Infosys eingestellt, um diese zwar einfache aber aufwendige Aufgabe zu lösen. Durch die Arbeit der Programmierer kam es nur zu wenigen wirklich großen Ausfällen.

Weg vom Sweat-Shop zu Qualitätsdienstleistungen

Immer mehr Unternehmen in diesem südasiatischen Land fingen an, sich zunehmend auf Qualität als auf Masse zu konzentrieren. Viele IT Dienstleister merkten, dass es langfristig keinen Mehrwert schaffen würde, einfache Aufgaben zu erledigen. Auch aufgrund der zunehmenden Automatisierung in der Softwareentwicklung.

In den Jahren 2000 bis 2010 professionalisierten sich die Dienstleister daher. Produktunternehmen gab es jedoch auch in diesem Zeitraum noch wenige. Zu sehr verankert war die Dienstleister-Mentalität, welche sich von der von Produktunternehmen stark unterscheidet.

Die Zeit der Startups

Seit zirka 2010 hat sich auf dem Subkontinent eine große Startup-Szene entwickelt.

Unternehmen wie Flipkart machten mit 10 Milliarden US Dollar Bewertungen von sich reden.

Eine starker Boom fand statt und über das ganze Land hinweg entstanden interessante Software-Startups.

Die IT Dienstleister-Mentalität in Indien ist immer noch sehr stark, jedoch lassen sich immer mehr erfolgreiche Unternehmen erkennen, welche großartige, weltweit genutzte IT Systeme anbieten.

Im Folgenden einige interessante Beispiele.

PushCrew

Bei PushCrew handelt es sich zwar nur um ein kleines Webseiten-Plugin, mit welchem man sogenannte Pushnachrichten, über den Browser, den Webbesuchern anzeigen kann.

Dennoch handelt es sich um eine große Erfolgsgeschichte, denn die Software wird heutzutage weltweit von Webseiten aller größen genutzt. Auch in Deutschland hat das Plugin eine sehr weite Verbreitung gefunden.

Zoho

Zoho ist ein IT Produkte Unternehmen mit bereits mehr als 5000 Mitarbeitern und der gleichnamigen SAAS Anwendung Zoho Office Suite. Mit dieser lassen sich unterschiedliche Business Prozesse abbilden.

Odoo

Odoo ist ein Open Source ERP System. Es ist eines der beliebtesten Anwendungen für diesen Zweck bei kleinen und mittleren Unternehmen.

Das dazugehörige Unternehmen Odoo S.A. wurde zwar von einem Belgier namens Fabien Pinckaers gegründet, fast das komplette 300 Mann starke Entwicklungsteam sitzt jedoch in Indien.

Profoundis

Ein kleines Team von jungen indischen Entwicklern hatten im Jahr 2012 eine Anwendung namens Vibe programmiert. Es ist eine Art Business Intelligence Marketing Software. Man gibt dort beispielsweise die Email Adresse einer Person an und bekommt alle Daten über diese Person. Diese Informationen können wiederum für eine bessere Ansprache im Marketing genutzt werden.

Das dazugehörige Unternehmen Profoundis wurde im Jahr 2016 von dem amerikanischen Startup FullContact für mehrere Millionen US Dollar übernommen.

SunTec

Die südindische Firma SunTec entwickelt die Anwendung Xelerate. Mit diesem Werkzeug lassen sich Kundendaten besser analysieren. Große Banken weltweit nutzen die Software um deren Kundenbeziehungen zu verbessern. Beispielsweise wird es in Deutschland von der Commerzbank genutzt.

Flipkart

Flipkart wurde von zwei jungen Entwicklern gegründet, welche vorher bei Amazon.com gearbeitet hatten. Sie entwickelten die erste wirklich erfoglreiche e-Commerce Plattform für Indien. Etwas von dem man dachte das es nicht möglich sei.

Lange Zeit war es eines der höchstbewerteten Startups weltweit.

Fazit

Indien macht immer mehr den Schritt vom Dienstleistungsland in Richtung Software-Produkte. Besonders die jungen Personen möchten innovative Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit entwickeln.

Nicht nur indische Startups haben das Potenzial erkannt, auch immer mehr Unternehmer aus Deutschland lassen ihre IT Projekte in Indien, mit eigenen Teams, umsetzen.

 

Christian Schacht

“Bangalore ist Deutschland 4,5 STD voraus ... Bei Sommerzeit kommt noch eine Stunde drauf.” Tatsächlich sind es bei Sommerzeit 3,5 Stunden also eine Stunde weniger! Auch sonst eher oberflächlich recherchierter Artikel.

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