Newcomer liegen bei Musik und Büchern vorn

Im Web-Vertrieb dominieren die traditionellen Händler

06.08.1999
MÜNCHEN (CW) - Es sind nicht etwa die rein auf den Verkauf über das Internet beschränkten Firmen, die das Gros des Online-Umsatzes unter sich aufteilen, sondern Unternehmen, die das Web als einen von mehreren Vertriebskanälen nutzen.

Von den 14,9 Milliarden Dollar, die 1998 in den USA mit E-Commerce eingenommen wurden, entfielen 62 Prozent auf Firmen, die neben dem Web herkömmliche Vertriebskanäle wie Katalogversand und Ladenketten betreiben.

Dies ist das Ergebnis einer von der Boston Consulting Group und der Vereinigung amerikanischer Internet-Händler, Shop.org, erstellten Studie.

Firmen mit mehreren Vertriebskanälen komme dabei ihr bekannter Markenname zugute (siehe auch Seite 23 in diesem Heft). Internet-Versender haben deshalb massiv Werbung in Online- und Offline-Medien zu schalten begonnen, was sich auf die Kosten niederschlägt, die Firmen aufwenden, um Kunden zu gewinnen. Laut Studie müssen reine Internet-Vertreiber für jeden neuen Klienten 42 Dollar ausgeben, Multichannel-Anbieter dagegen nur 22 Dollar.

Ferner ergab die Untersuchung, daß traditionelle Versandfirmen stärker in die Kundenpflege investieren, während die Online-Konkurrenz ihr Marketing-Budget vorwiegend in die Kundengewinnung steckt. Allerdings setzen Internet-Firmen dabei stärker auf Marketing- und Vertriebskonzepte des neuen Mediums wie Filialnetze (Affiliate Networks) im Web (siehe CW 23, Seite 27) und Online-Auktionen. Der indirekte Vertrieb über virtuelle Filialen bringt den Newcomern sechs Prozent ihres Umsatzes ein. Im Gegensatz dazu erwirtschaften Multichannel-Vertreiber nur ein Prozent ihrer Einnahmen mit Affiliates.

Reine Internet-Anbieter dominieren bei Produkten wie Bücher, Musik und Video sowie beim Vertrieb von Fahrzeugen. Dagegen liegen die Konkurrenten mit mehrschichtigem Vertriebskonzept beim Absatz von Eintrittskarten für Veranstaltungen, bei Sport- und Elektronikartikeln, Computern, Kleidung und Finanzprodukten vorn.

Auch in Deutschland machen die Multichannel-Versender am meisten Umsatz im Web, allen voran die Versandhäuser. Quelle erwirtschaftete 1998 online rund 25 Millionen Mark, Otto gibt seine Internet-Einnahmen mit 15 bis 25 Millionen Mark an, Neckermann kommt auf 19 Millionen Mark.