Der Markt für Server-Systeme

Im Server-Markt gewinnen die Großen

24.09.2004
Von 
Wolfgang Herrmann ist Editorial Manager CIO Magazin bei IDG Business Media. Zuvor war er unter anderem Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO und Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel.
Von der Erholung im deutschen Server-Markt profitieren vor allem die umsatzstärksten Anbieter IBM und Fujitsu-Siemens Computers (FSC). Trotz Einbußen verkaufte Hewlett-Packard (HP) die meisten Rechner.

Seit dem vergangenen Jahr zeichnet sich im deutschen Server-Markt eine Wende ab, berichtet Gartner-Analyst Adrian O'Connell. Die Branche erholt sich von dem dramatischen Einbruch im Jahr 2000: "Viele Unternehmen haben die Austauschzyklen erreicht und ersetzen nun Altgeräte, die beispielsweise 1999 angeschafft wurden." Die Zahl der ausgelieferten Rechner stieg 2003 im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent. Vor allem im Lowend verzeichneten die Anbieter Zuwächse, was unter anderem auf Migrationsprojekte von Windows NT auf Windows 2000 oder Windows Server 2003 zurückzuführen sei.

Wachstum vor allem im Lowend

Einziger Wermutstropfen: Gemessen an den Umsätzen wuchs der Markt lediglich im einstelligen Prozentbereich. Ein Grund dafür sind nach O'Connells Einschätzung Währungseinflüsse, die die Preise drückten. Hohe Gewinnmargen ließen sich im Lowend nicht erzielen, zumal die IT-Budgets der Kunden kaum gewachsen sind. Einmal mehr profitiert IBM von dieser Entwicklung. Der US-amerikanische IT-Konzern verbuchte im Jahr 2003 sowohl weltweit als auch in Deutschland den höchsten Umsatz mit Server-Produkten. O'Connell lobt das "starke Produktportfolio" der einstigen Mainframe-Company. Sie habe in jüngster Zeit vor allem das Unix-Geschäft ausgebaut; die Einführung der 64-Bit-Prozessoren "Power 5" dürfte Big Blue weitere Zuwächse bescheren.

Doch auch das Geschäft mit Großrechnern läuft den Marktforschern zufolge gut für IBM. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern wie Großbritannien sei der Mainframe-Sektor in Deutschland noch immer sehr umsatzträchtig. Hinzu komme, dass neben IBM auch FSC die Werbetrommel für die Big Irons rührt.

Gartner zählt das deutsch-japanische Gemeinschaftsunternehmen zu den Gewinnern im deutschen Server-Markt: Einerseits habe FSC einige sehr große Kunden auf der Liste, andererseits eine gute Marktdurchdringung bei kleinen und mittleren Unternehmen erreicht - ein gewichtiger Vorteil im mittelständisch geprägten Heimatmarkt. Die Zahl der ausgelieferten Rechner ist im Jahr 2003 überdurchschnittlich gestiegen. So gelang es FSC etwa im Lowend, HP Marktanteile abzunehmen. Darüber hinaus baute der Hersteller ein starkes Geschäft mit Servern auf Basis von "Solaris" auf, dem Unix-Derivat von Sun. Im Geschäft mit Hochleistungs-Servern der "Primepower"-Serie wuchs FSC deshalb vor allem auf Kosten des kalifornischen Konkurrenten.

Nicht ganz so gut lief es für HP. Im Jahr 2003 verkaufte das von Carleton Fiorina geleitete Unternehmen nach Gartner-Erhebungen gut drei Prozent weniger Server. Gemessen an Stückzahlen liegt der Konzern zwar im deutschen Markt an der Spitze. Doch die Nachwehen der Compaq-Übernahme im Jahr 2002 hätten dem Hersteller noch immer zu schaffen gemacht, erläutert O'Connell. Einige Integrationsprobleme seien noch nicht gelöst gewesen; vor allem im Segment der Intel-basierenden Server musste sich das Management mit Produktüberlappungen beschäftigen. Allerdings seien diese Schwierigkeiten nun weitgehend überwunden, im laufenden Jahr komme HP allmählich wieder in eine bessere Ausgangslage.

Für Sun Microsystems stellt sich die Situation dagegen unverändert trostlos dar, urteilt O'Connell. Gerade in Deutschland, einem der größten EU-Märkte, befinde sich der Java-Protagonist in einer bedrohlichen Wettbewerbssituation: Einerseits verliert er im lukrativen Highend-Segment gegen FSC, andererseits wächst die Bedrohung im Lowend durch preisgünstige Linux-Server mit Intel- oder AMD-Prozessoren. Seit einiger Zeit versucht das Unternehmen, mit eigenen Servern auf Intel- und Linux-Basis dagegenzuhalten. Die Erfolgssaussichten sind laut Gartner ungewiss. "Sun muss auf diesem Gebiet noch eine Menge Arbeit leisten", sagt O'Connell.

Dell tut sich schwer in Deutschland

Relativ schwer tut sich auch Dell im deutschen Server-Markt. Während der US-amerikanische Direktanbieter weltweit nach Stückzahlen zweitgrößter Hersteller ist, reicht es hierzulande nur für Rang vier. Gemessen am Umsatz liegt Dell mit großem Abstand hinter IBM, FSC, HP und Sun auf Platz fünf. Zwar konnten die Texaner im vergangenen Jahr die Zahl der ausgelieferten Rechner um 20 Prozent steigern, bewegten sich damit aber im Branchendurchschnitt. O'Connell: "Es ist noch ein langer Weg für Dell, um zu den Topanbietern aufzuschließen."

Dass es für den weltweiten PC-Marktführer hierzulande nur langsam vorangeht, führt der Gartner-Experte wiederum auf die Stärke des Rivalen Fujitsu-Siemens zurück. Weil dieser seine Rechner zum Teil ebenfalls direkt an Kunden vertreibe, könne Dell seine viel zitierten strategischen Vorteile in Deutschland nicht voll ausspielen. Eine besondere Rolle im hiesigen Sever-Markt spielt Maxdata. Als einziger rein deutscher Anbieter erkämpfte sich das Unternehmen aus Marl immerhin einen Anteil von knapp fünf Prozent, gemessen an Stückzahlen. Der geringe Umsatzmarktanteil von 0,9 Prozent deutet indes darauf hin, dass der Hersteller vor allem im Geschäft mit Lowend-Servern aktiv ist. Im stark konsolidierten deutschen Server-Markt dürfte es für Maxdata künftig eher schwieriger werden, prognostiziert O'Connell: "Um im

Konzert der Topanbieter mitzuspielen, ist das Unternehmen zu klein, als Nischenplayer aber zu groß."

Andere große IT-Anbieter, die zum Teil international durchaus bedeutende Umsätze erzielen, spielen im deutschen Markt kaum eine Rolle. Zu ihnen gehören etwa Acer, die französische Groupe Bull oder Unisys. "Man muss nicht viel Hardware verkaufen, um als IT-Unternehmen erfolgreich zu sein", kommentiert O'Connell. Die Kombination aus Rechnern, Services und Software habe sich für die kleineren Anbieter als gangbarer Weg erwiesen. Veränderungen im Ranking der Hersteller seien aber kaum zu erwarten.

Linux-Server weiter im Aufwind

In technischer Hinsicht beurteilt Gartner den deutschen Markt als eher konservativ. Langsamer als in anderen Regionen würden die Kunden Neuentwicklungen annehmen. Dies sei auch an den noch immer relativ hohen Mainframe-Umsätzen abzulesen. Eine Ausnahme bilde der Einsatz von Linux und zugehöriger Open-Source-Software. Auf diesem Gebiet liege Deutschland im internationalen Vergleich an der Spitze, so O'Connell. Dazu trügen prominente Anwender wie die Stadt München ebenso bei wie der von Novell übernommene Linux-Distributor Suse. Der Absatz von Linux-basierenden Servern werde vor allem im Lowend weiter stark zunehmen. Dagegen fielen die Zuwachsraten bei leistungsstärkeren Rechnern deutlich geringer aus.

* Der Autor Wolfgang Herrmann ist Redakteur bei der Computerwoche. [wherrmann@computerwoche.de]