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"Im Herzen ist IBM eine Technologie-Company"

06.03.2006
In seinem ersten Interview als Deutschland-Chef der IBM relativiert Johann Weihen das seit mehr als zehn Jahren propagierte Bild vom Dienstleistungskonzern. IBMs Geschäft stehe auf den Säulen Hardware, Software und Services, erklärt er gegenüber den CW-Redakteuren Wolfgang Herrmann und Christoph Witte.

CW: Wie steht es um die IT-Branche in Deutschland?

WEIHEN: Der IT-Markt entwickelt sich in Deutschland insgesamt wieder besser. Im Service-Sektor gibt es hierzulande trotz positivem Markttrend dramatische Überkapazitäten. Das liegt zum Teil an den vielen Spinoffs, in die Unternehmen ihre IT-Abteilungen ausgelagert haben. Während des Internet-Booms hatten die Ausgründungen noch genügend Geschäft. Doch seit dem Jahr 2000 werden diese Kapazitäten nicht mehr gebraucht. Ich bekomme immer wieder Anfragen, ob wir nicht diese oder jene Company übernehmen wollen. Wir prüfen das genau, aber wenn kein nennenswerter Umsatz mit der Muttergesellschaft dahinter steckt, winken wir meistens ab.

CW: Leidet IBM Global Services nicht unter den gleichen Überkapazitäten?

Johann Weihen: "Der IT-Markt entwickelt sich in Deutschland insgesamt wieder besser." (Fotos: Joachim Wendler)
Johann Weihen: "Der IT-Markt entwickelt sich in Deutschland insgesamt wieder besser." (Fotos: Joachim Wendler)

WEIHEN: Nein. Wir haben im vergangenen Jahr restrukturiert und Personal abgebaut. Das waren aber nicht nur quantitative, sondern auch qualitative Maßnahmen. Wenn Sie im Servicebereich wettbewerbsfähig bleiben wollen, müssen Sie Ihre Fähigkeiten ständig anpassen. Das erfordert zumindest in der Beratung eine Fluktuation von 15 Prozent im Jahr.

CW: Sind die Anpassungen für IBM Deutschland denn nun abgeschlossen?

WEIHEN: Sie werden nie abgeschlossen sein. Die Veränderungen werden nicht aufhören. Wir müssen uns ständig an neue Marktbedingungen anpassen.

CW: Gleichzeitig bauen Sie in Asien massiv Kapazitäten auf. Hat das nur mit Kosten zu tun?

WEIHEN: Am Global Sourcing kommt niemand mehr vorbei. Unternehmen suchen sich weltweit Arbeitskräfte und Kompetenzen zu den günstigsten Konditionen.

CW: Können Sie trotzdem die Sorge von Arbeitnehmervertretern verstehen, die Region Westeuropa verliere immer mehr an Bedeutung, weil große Teile der Wertschöpfung nach Asien wandern? Auch eine IBM Deutschland trägt ja längst nicht mehr so viel zum Konzernumsatz bei wie noch vor zehn oder 15 Jahren.

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