Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft

iFixit und Fairphone begrüßen EU-Initiative für langlebige IT-Produkte

14.03.2020
Von 
Stephan Wiesend schreibt für die Computerwoche als Experte zu den Themen Mac-OS, iOS, Software und Praxis. Nach Studium, Volontariat und Redakteursstelle bei dem Magazin Macwelt arbeitet er seit 2003 als freier Autor in München. Er schreibt regelmäßig für die Magazine Macwelt, iPhonewelt und iPadwelt.
Die neue „Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft" fordert längere Produktlebenszyklen von Mobilgeräten, zu den Befürwortern gehören iFixit und Fairphone.

Es gibt viele klare Befürworter der neuen Bestimmungen in der EU (siehe unten), die sich schon länger für langlebige Produkte und einfache Reparaturen einsetzen. Sehr positiv sieht Miquel Ballester von Fairphone diesen Vorschlag. Der Smartphone-Hersteller Fairphone habe sich schon von Beginn an für Modularität, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit eingesetzt. „Dies wird einen wesentlichen Schritt zur Lösung des globalen E-Waste-Problems beitragen und dabei helfen, den Markt nachhaltiger zu gestalten.“

Einfach reparierbare Smartphones wie das Fairphone sind sehr selten.
Einfach reparierbare Smartphones wie das Fairphone sind sehr selten.
Foto: Fairphone

Auch der auf Reparaturen spezialisiert Anbieter iFixit begrüßt die Initiative von Timmermanns, kämpft die Firma doch schon länger im Rahmen der Initiative „Right to Repair“ für einfachere Reparierbarkeit von Produkten und hat einen längeren Beitrag zu der Initiative veröffentlicht. Positiv findet iFixit deshalb die Forderung, dass Hersteller neben Reparaturen auch Ersatzteile und Anleitungen veröffentlichten sollen. Etwas vage klängen aber die Wünsche nach langlebigen Produkten. Hier muss es sich zeigen, ob die EU Standards wie der neue EN4555 oder Ecodesign fordern werde. Ein Kritikpunkt von iFixit: Oft werden alte Produkte allein durch das Fehlen von Software-Updates nicht mehr nutzbar. So wünscht sich iFixit klarere Vorgaben bei der Softwareunterstützung alter Produkte, ein „right to update obsolete software“.

Bei Firmen wie Apple hat eine neue EU Initiative von Frans Timmermann für wenig Freude gesorgt: Eine ganze Reihe an Forderungen wird im neuen Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft aufgestellt. Der noch im Entwurfsstadium stehende Plan steht im Rahmen des europäischen Grünen Deals. Gefordert wird nicht nur ein einheitliches Ladegerät wie in einem anderen Entwurf, der neue Aktionsplan geht über solche Forderungen weit hinaus. Die Kritik von Timmermanns „Viele Produkte gehen zu schnell kaputt, können nicht ohne Weiteres wiederverwendet, repariert oder recycelt werden oder sind nur für den einmaligen Gebrauch bestimmt.“ Abhilfe soll eine Verpflichtung der Hersteller schaffen, dass in der EU angebotene Produkte einige Anforderungen erfüllen. Sie sollen so konzipiert werden, dass sie eine längere Lebensdauer bieten, man sie einfach wiederverwenden, reparieren und recyceln kann. Außerdem soll gegen vorzeitiges Veralten und Vernichtung nicht verkaufter Güter vorgegangen werden.

Unsere Meinung:

Aktuell ist noch unklar, wie die EU ihre Vorgaben umsetzen will, einige Forderungen wirken noch etwas schwammig. Gerade bei Themen wie nachhaltigem Design gibt es sehr viele Auslegungsmöglichkeiten, auch das Thema der Software-Unterstützung sollte aber offensichtlich nicht unterschätzt werden. Werden doch viele Elektrogeräte ebenso durch fehlende Updates obsolet wie durch alte Akkus. Fehlende Reparierbarkeit hat aber auch technische Gründe. So ist es aber wohl fast unmöglich, einen 4-Gramm-Airpod so herzustellen, dass er sich einfach reparieren lässt. Gleichzeitig hat ein Hersteller wie Fairphone unter Umständen Probleme, langfristig ausreichend Ersatzteile bereitzustellen – trotz dafür ausgelegtem Design. (PC-Welt)