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IDF Europe: Intel kontra Sun

29.05.2002
Intel hat geschätzte Leistungsdaten für den kommenden Itanium 2 veröffentlicht, die sowohl dessen Vorgänger als auch Suns Ultrasparc III reichlich alt aussehen lassen.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Auch wenn der Itanium 2 a.k.a. McKinley noch gar nicht am Markt ist, rührt Intel bereits mächtig die Werbetrommel für seine zweite Generation von 64-Bit-Prozessoren. Auf seiner Entwicklerveranstaltung Intel Developer Forum (IDF) Europe in München veröffentlichte der Halbleiterkonzern "Leistungsschätzungen" für den neuen Chip, der "Mitte des Jahres" und damit im Juni oder irgendwann im dritten Quartal debütieren soll.

Die erste Itanium-Generation

Der Itanium 2 adressiere selbst anspruchsvollste Aspekte des Enterprise Computing, verspricht der Hersteller vollmundig. Die zweite IA-64-Generation werde eineinhalb bis zwei Mal mehr Leistung bringen als aktuelle Itanium-Systeme, und gegenüber RISC-basierten Servern und Workstations - sprich der Unix-Konkurrenz - signifikant zulegen.

Basierend auf Tests mit Prototyp-Systemen stellt Intel unter anderem folgendes in Aussicht:

Bei ERP-Anwendungen sollen Systeme auf Basis des Itanium zwei mehr als doppelt so viele Sales- und Distribition-Transaktionen erreichen wie der bisherige Itanium.

Bei großen Datenbanken und Transaction Processing soll ein Vier-Wege-Server mit Itanium-2-CPUs rund 50 Prozent mehr Transaktionen schaffen als ein vergleichbarer Sun-Server mit Ultrasparc-III-Prozessoren.

In Tests von Coradiant Research kam ein Dualprozessor-Itanium-2-Server im RSA-Benchmark SSL-C auf 1440 sichere Transaktionen pro Sekunde (720 pro Prozessor). Im Vergleich dazu erreichte ein Vier-Wege-Itanium-1-Server 1376 Transaktionen pro Minute (344 je CPU); eine Acht-Wege-Maschine von Sun mit Ultrasparc-IIIs kam dagegen nur auf 552 Transaktionen pro Sekunde (69 pro Prozessor).

Im Numbercrunching-Benchmark MP Linpack 10K erwartet Intel für eine Vier-Wege-McKinley-Maschine ein Resultat von über 13 Gflops (Milliarden Fließkommaberechnungen pro Sekunde), fast doppelt so viel wie ein vergleichbarer Ultrasparc-III-Server von Sun.

Im Bereich (M)CAD soll ein Einprozessor-System mit Itanium 2 im MSC.Nastran-Test 90 Prozent mehr Leistung als ein aktueller Itanium und zwei bis vier Mal höhere Werte als ein vergleichbares Ultrasparc-III-System bringen.

Neben dem Anwendungsbereich stellte Intel auch für die schiere Prozessor- und Systemleistung eindrucksvolle Werte in Aussicht. Im Stream-Benchmark komme der Itanium2 in Kombination mit dem Chipsatz "E8870" auf 3,7 GB/s; das sei zweieinhalb mal so viel wie beim Itanium und über vier mal mehr Durchsatz als beim Ultrasparc III (0,891 GB/s). Im Fließkomma-Test SPECfp2000 werde ein Itanium-2-Uniprozessor um die 1350 Punkte erreichen und damit fast doppelt so leistungsfähig wie Itanium 1 und Ultrasparc III mit einem Basiswert von 701. Die Integer-Leistung des Itanium 2 im SPECint2000 dürfte laut Intel bei 700 oder höher und damit rund 30 Prozent über der des Ultrasparc III liegen.

Die Mikroarchitektur des Itanium 2 mit 3 MB L3-Cache. (Q: Intel)

Jason Waxman, Enterprise Platform Marketing Manager bei Intel, räumte gegenüber "Computerwire" ein, dass IBMs RISC-Plattform "Power4" in den genannten Tests möglicherweise bessere Resultate erzielen würde als der Ultrasparc III; allerdings zu höheren Kosten als Itanium 2 und Ultrasparc III. Außerdem seien zum jetzigen Zeitpunkt über die IBM-Plattform weniger Informationen verfügbar. Und Sun sei nun einmal der Volumen-Marktführer in den Bereichen, in die Intel mit seinem neuen Boliden vorstoßen wolle. "Es kommt darauf an, bei wessen Kundenbasis sie Interesse wecken wollen", erklärte der Intel-Manager.

Sue Kunz, Director Marketing der Processor Products Group bei Sun, stellt Intels Vergleich generell in Frage. Der anfänglich 1 Gigahertz schnelle Itanium 2 sei mit einer Reihe unterschiedlicher Sparc-Chips vergleichen worden. "Die Zahlen sind ein ziemliches Wirrwar", warnt die Sun-Frau. Die vom Konkurrenten gewählten Benchmarks seien zudem bewusst so gewählt worden, dass der Itanium 2 mit seinen 3 MB On-die-L3-Cache davon besonders profitiere. "Die Kunden werden sicher abwarten und reale Anwendungen fahren, bevor sie ein Urteil fällen", glaubt Kunz. (tc)