Web

Produkt- und Städtenamen im Gespräch

ICANN will neue Adress-Endungen zulassen

23.04.2010
Ob "hotels.berlin" oder "bewerbung.canon" - bald sollen Adress-Endungen wie diese Surfern die Navigation im Internet erleichtern.

Die Internetverwaltung ICANN plant, mit sogenannten Top Level Domains (TLDs) ganze Wörter wie Produkt- oder Städtenamen hinter dem Punkt zu erlauben. Doch längst nicht alle Unternehmen, die sich im Netz präsentieren, sind von der Idee begeistert. Sie befürchten, dass das Internet unübersichtlicher wird und sie somit mehr Geld für den Schutz ihrer Marke ausgeben müssen.

Gerade unter Metropolen wie Berlin ist das Interesse groß. "Früher haben sich die Menschen im Internet vor allem über Auslandsthemen informiert, heute spielt sich vieles lokal ab", sagt Johannes Lenz- Hawliczek von dotBerlin. Die Firma will sich die Hauptstadt-Endung sichern und dann Internetadressen an Betriebe, Hotels oder auch Privatpersonen verkaufen. Mit diesem Plan ist dotBerlin aber nicht allein: Die US-Firma Minds & Machines hat ebenfalls Interesse an ".berlin" bekundet. Entscheiden muss der Berliner Senat: Ohne die Zustimmung der zuständigen Stelle vergibt ICANN keine geografischen Endungen.

Unternehmen halten sich dagegen noch zurück. Bislang hat nur der Kamerahersteller Canon angekündigt, sich um eine eigene Top Level Domain zu bemühen. Mit der Endung ".canon" könne man die Marke auf unkomplizierte Weise im Web darstellen, erklärt ein Sprecher. "Außerdem glauben wir, dass Kunden die gewünschte Adresse einfach erreichen könnten, indem sie die wichtigsten Informationen eintippen - ohne dass sie sich auf die Suchmaschine verlassen müssen, wie es derzeit der Fall ist." Wie das konkret aussehen könnte, verrät Canon noch nicht. Möglich wäre etwa, unter "bewerbung.canon" freie Stellen auszuschreiben oder unter "neuheiten.marke" für Produkte zu werben.

Experten versprechen sich von den neuen Adresszonen mehr Sicherheit. Wenn ein Kreditinstitut beispielsweise ".bank" bei ICANN registrieren lassen würde, könne kein unautorisierter Anbieter diese Endung mehr benutzen. "Der Kunde kann bei einer Seite mit ".bank" dann sicher sein, dass diese Homepage nicht gefälscht ist", sagt Alexander Dröge vom Markenverband.

Inhalt dieses Artikels