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Icahn verlangt Vierteilung von Time Warner

08.02.2006
Der einflussreiche US-Investor und Milliardär Carl Icahn hat seine Attacke gegen Time Warner verschärft: Eine von ihm geführte Investorengruppe will den weltgrößten Medienkonzern in vier separate Aktiengesellschaften aufspalten.

Die Gruppe hält rund 3,3 Prozent der Time-Warner-Aktien. Time Warner sollte auch eigene Aktien im Wert von 20 Milliarden Dollar zurückkaufen, forderte sie. Icahn will Time-Warner-Konzernchef Richard Parsons ablösen lassen, der gegen eine Aufspaltung ist.

Im Zuge der Aufspaltungspläne solle eine neue Time Warner die Kabel-TV-Netze wie CNN und HBO sowie die Filmsparte mit dem Hollywood-Studio Warner Bros. erhalten. Die Onlinesparte America Online, die Verlagssparte und Time Warner Cable, der zweitgrößte Kabelfernseh-Systembetreiber der USA, sollen ihrerseits in selbstständige Unternehmen überführt werden.

Die umfangreichen Pläne legte die von der Icahn-Gruppe beauftragte Investmentbank Lazard am Dienstag in New York vor. Icahn hat damit seine Kampagne gegen Time Warner intensiviert und präzisiert. Er will den Konzernvorstand zu wertsteigernden Maßnahmen zu Gunsten der Aktionäre zwingen. Die Konzentration auf kurzfristige Ziele habe die Time-Warner-Aktionäre insgesamt 40 Milliarden Dollar gekostet, heißt es in der mehr als 300 Seiten umfassenden Lazard-Studie.

Lazard-Chef Bruce Wasserstein und Icahn drängten in New York auch auf rasche Änderungen in der Time-Warner-Führung. Die Icahn-Gruppe will auf der nächsten Hauptversammlung eigene Mitglieder in den Verwaltungsrat bringen und den bekannten Medienmanager Frank Biondi zum neuen Time-Warner-Chef machen. Damit setzt Icahn seine Attacken auf Time-Warner-Chef Parsons konkreter und noch schärfer fort.

Die Großaktionäre unter Icahn monieren den seit langer Zeit stagnierenden Time-Warner-Aktienkurs. Mit dem Aufspaltungsplan könnte ein Aktienkurs von bis zu 25,67 Dollar erreicht werden, argumentieren sie. Die Time-Warner-Aktien notierten am Dienstag mit 18,36 Dollar. Damit betrug der Gesamtwert der Time-Warner-Aktien 86,5 Milliarden Dollar. Die Icahn-Gruppe schätzt, dass der Gesamtwert um rund 40 Milliarden Dollar erhöht werden könnte.

Der Verwaltungsrat und das Management untersuchten regelmäßig alle strategischen Optionen zur Führung der Gesellschaft, um den höchsten Wert für die Aktionäre zu erzielen, erklärte Time Warner in einer Stellungnahme zu den Icahn/Lazard-Vorschlägen. "Wir befinden uns auf dem richtigen Weg", versicherte die Gesellschaft. Sie werde die Vorschläge sorgfältig prüfen. Der Medienriese verwies auch auf wertsteigernde Maßnahmen, die das Unternehmen getroffen habe. So habe Time Warner im vergangenen November sein Aktienrückkaufprogramm auf 12,5 Milliarden Dollar erhöht.

Der Lazard-Bericht kritisierte das Time-Warner-Management nicht zuletzt für die Geschäftsentwicklung und fehlende Investitionen in neue Online-Technologien bei AOL. Der Bericht warf Time Warner auch eine aufgeblähte Kostenstruktur und zahlreiche andere geschäftliche Fehler während der vergangenen Jahre vor. (dpa/tc)