Blue Mix und Softlayer

IBMs Cloud-Pläne werden ernst

24.02.2014
Von 


Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei PAC – a teknowlogy Group company in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
IBM hat angekündigt, das gesamte Middleware-Portfolio in die Cloud zu bringen. Zudem startet die neue Entwicklungsplattform "Blue Mix".
Foto: IBM

Die IBM konkretisiert ihre Investitionspläne in die Cloud. Mitte Januar hatte der Konzern angekündigt, rund 1,2 Milliarden Dollar Anschubhilfe bereitzustellen. Auf einer hauseigenen Cloud-Anwenderkonferenz "Pulse 2014" in Las Vegas gewährte das Unternehmen nun rund 9000 Teilnehmern etwas genauere Einblicke.

Den Start macht eine neue PaaS-Plattform mit dem Codenamen "BlueMix", die Interessenten ab sofort als Beta-Version zur Verfügung steht. IBM vermarktet sie als offene Umgebung, die IBM- und Open-Source-Technik verbindet. IBM möchte mit der Entwicklungsumgebung eine Brücke zwischen herkömmlichen transaktionsorientierten Geschäftsapplikationen im Backend (Systems of Records) und den Web-basierten am Endnutzer ausgerichteten Front-End-Lösungen (Systems of Engagement) schlagen. "Der Mehrwert liegt darin, dass Anwender mit Hilfe einer mobilen Applikation auf die transaktionalen Datensysteme oder Inventardaten zugreifen können, um geschäftliche Probleme zu lösen - ohne Abstriche an Security, Quality of Services und Verfügbarkeit", schilderte Erich Clementi, Senior Vice-President bei IBM Global Technology Services, in einem Gespräch mit dem Online-Dienst "The Street" die Hintergründe. "Blue Mix und Tatsache, dass wir unsere Middleware der Cloud geöffnet haben, erlaubt diese Art der Integration."

IBM-Middleware in der Cloud

Damit sprach Clementi die zweite bemerkenswerte Neuerung an, die IBM auf der Hausmesse ankündigte: IBMs Cloud-Initiative sieht des weiteren vor, Nutzern das gesamte Middleware-Portfolio (unter anderem "WebSphere") über die Cloud-Infrastruktur von Softlayer zur Verfügung zu stellen. Softlayer betreibt eine IT-Infrastruktur mit 13 Data Center in den USA, Asien und Europa. Das Unternehmen wurde Mitte 2013 von IBM übernommen.

Mit dem Schritt räumt IBM seinen Kunden und Entwicklern einen Cloud-basierenden Zugang zu mehr als 200 vorgefertigten "Software-Patterns" ein, die entweder von eigenen Ingenieuren oder von Partnerunternehmen entwickelt wurden. "Die Software-Muster sind so etwas wie virtualisierte Konfigurationen für Applikationsdienste und Datenbank-Server - die man ansonsten selbst entwerfen müsste", erläutert Clementi. Damit schafft IBM die Voraussetzung für den schnellen Rollout von hybriden Cloud-Services.

Die Ankündigungen wurden von US-Marktbeobachter begrüßt. Die Entscheidung, das Middleware-Portfolio als Cloud-Dienst zur Verfügung zu stellen, bezeichnete The-Street-Journalistin Andrea Tse als "beispiellos". Im Blog der "New York Times" ergänzte Kolumnist Quentin Hardy: "Das ist der bislang bedeutendste Schwenk von IBM in Richtung Cloud. Es zeigt, dass CEO Virginia Rometty das Unternehmen für das Geschäft mit Cloud Computing, Sensoren und mobilen Technologien vorbereitet."