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IBM will PwC Consulting übernehmen

31.07.2002
Für 3,5 Milliarden Dollar will IBM den Beratungszweig von PwC übernehmen. Der Deal würde Global Services 30.000 neue Mitarbeiter und knapp fünf Milliarden Dollar Mehrumsatz bescheren.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - IBM hat gestern angekündigt, es wolle PwC Consulting (PricewaterhouseCoopers) für 3,5 Milliarden Dollar übernehmen. Nicht dass die eigene Global-Services-Sparte Wachstumsprobleme hätte, aber durch den Zukauf verschafft sich Big Blue auf einen Schlag jährliche Mehreinnahmen von rund 4,9 Milliarden Dollar sowie 30.000 neue Mitarbeiter, davon 1.300 Partner. Global Services selbst beschäftigt rund 150.000 Mitarbeiter und trug im vergangenen Geschäftsjahr mit 34,96 Milliarden Dollar 41 Prozent zum IBM-Gesamtumsatz bei.

Die CEOs Samuel DiPiazza (PwC) und Samuel Palmisano (IBM) beim Shakehands. Foto: IBM
Die CEOs Samuel DiPiazza (PwC) und Samuel Palmisano (IBM) beim Shakehands. Foto: IBM

Durch den Zukauf vergrößern die Armonker gleichzeitig ihren Abstand zu HP, das sein Servicegeschäft durch die Übernahme von Compaq ausgebaut hatte. Auswirkungen dürfte der Deal zudem auf eine Reihe weiterer Hersteller haben, denn PwC unterhielt bis dato strategische Beziehungen zu einer Reihe von IBM-Konkurrenten, neben HP unter anderem auch Sun Microsystems. IBM zeigt HP letztlich mit dem Geschäft auch eine lange Nase - der Fiorina-Konzern hatte bekanntlich in der Hochphase des Hightech-Booms 18 Milliarden Dollar für PwC Consulting geboten, dann aber mit Beginn der Rezession seine Offerte zurückschrauben und die Übernahme abblasen müssen; IBM schlägt nun zum Schnäppchenpreis zu.

PwC Consulting hatte offiziell für dieses Jahr einen Börsengang ins Auge gefasst und mit "Monday" auch schon seinen künftigen Firmennamen angekündigt (Computerwoche online berichtete). Greg Brenneman, President und CEO (Chief Executive Officer) erklärte jedoch gestern, eine Übernahme durch IBM sei stets die bevorzugte Option gewesen.

IBMs Finanzchef John Joyce erklärte, ein erstes Gebot für PwC Consulting habe man bereits im Jahr 2000 erwogen, seinerzeit aber "die Bewertung nicht rechtfertigen können". Inzwischen aber "habe die aktuelle Marktsituation für beide Seiten eine einmalige Gelegenheit geschaffen, zu einhellig akzeptablen Bedingungen zu gelangen".

PwC Consulting soll nach der Übernahmen schlicht in IBM Global Services aufgehen. Nach Angaben von Doug Elix, Senior Vice President und Group Executive der IBM-Sparte, soll der Zukauf mit der Global-Services-Einheit Business Innovation kombiniert und Ginni Rometty, zurzeit noch General Manager Global Services Americas, anvertraut werden.

Den Gewinn von IBM im vierten Quartal dürfte der Kauf um rund 30 Cent pro Aktie schmälern. Der Serviceumsatz soll aber sofort zulegen, und unterm Strich wird sich die Akquisition nach Einschätzung von IBM Ende nächsten Jahres positiv bemerkbar machen. Ende 2004 soll Business Innovation bereits zweistelliges Wachstum sowie "eine Gewinnmarge vergleichbar dem Rest von Global Services" erreichen.

CFO (Chief Financial Officer) Joyce erklärte, das Wachstum von PwC Consulting habe zuletzt unter den wachsenden Bedenken über Wirtschaftsprüfer-Berater-Konflikte gelitten. Rund die Hälfte der Consulting-Kunden - darunter auch Big Blue selbst - werden gleichzeitig von PwC geprüft; die Übernahme durch IBM beseitige dieses Problem. Der Finanzchef räumte aber ein, dass einige Einnahmen aus bisherigen PwC-Partnerschaften (unter anderem mit Bea, HP und Sun) wohl künftig nicht länger fließen werden. "Wir würden ja gern Beratung und Systemintegration für unsere Wettbewerber fortführen, allerdings ist die Wahrscheinlichkeit dafür äußerst gering", so Joyce.

HP erklärte gestern Abend, es sei in den letzten Monaten gleichfalls mit dem Angebot kontaktiert worden, PwC Consulting zu übernehmen, habe sich aber dagegen entschieden. Die Integration des Geschäfts sei aufgrund des Partnermodells eine schwierige Sache, und aus Sicht der Kunden verliere PwC Consulting mit einer Übernahme seine Unabhängigkeit. Man erhoffe sich nun einen strategischen Vorteil aus der Option, mit unterschiedlichen Beratern und Systemintegratoren zu kooperieren.

Der geplante Deal bedarf noch der Zustimmung der PwC-Partner und der Aufsichtsbehörden. Den Kaufpreis würde IBM gebenenfalls mit 2,7 Milliarden Dollar in bar sowie je 400 Millionen Dollar in Wandelschuldverschreibungen und Aktien entrichten. (tc)