Entwickler-Wettbewerb

IBM will Katastrophenschutz digitalisieren

17.06.2019
Von 
Jens Dose ist Redakteur der COMPUTERWOCHE und betreut in erster Linie Themen rund um IT-Sicherheit, Datenschutz und Compliance.
Big Blue unterstützt mit dem Call-for-Code-Wettbewerb seit 2018 die Entwicklung digitaler Lösungen für humanitäre Hilfe im Katastrophenfall. Den Teilnehmern stehen nun vier Solution Starter Kits zur Verfügung.

Mit der Call-for-Code-Challenge lobt IBM seit 2018 einen Preis für Entwickler aus, die digitale Lösungen für Hilfe in Katastrophenfällen entwickeln. Ziel ist es, durch Cloud-, Daten- und KI-Anwendungen besser auf derartige Notsituationen vorbereitet zu sein und schneller helfen zu können, wenn sie passieren.

Big Blue will mit dem Wettbewerb Entwicker anregen, digitale Open-Source-Werkzeuge für Hilfe in Katatstrophenfällen zu schaffen.
Big Blue will mit dem Wettbewerb Entwicker anregen, digitale Open-Source-Werkzeuge für Hilfe in Katatstrophenfällen zu schaffen.
Foto: Laborant - shutterstock.com

2019 liegt der Schwerpunkt des Wettbewerbs auf individueller Gesundheit und dem Gemeinschaftswohl. Darunter fallen etwa Lösungen, die das Risiko von Krankheiten eindämmen und den Zugang zu Informationen oder Ressourcen vereinfachen sollen. Auch die psychische Gesundheit Betroffener während und nach einer Katastrophe steht im Fokus.

Hackathon gegen vier Probleme

Im Rahmen des vom Menschenrechtsbüro der Vereinten Nationen organisierten "Call for Code Genf"-Events, veranstaltete IBM einen interdisziplinären Hackathon. In zweitägigen Sessions arbeiteten vier Teams daran, jeweils eine Herausforderung im Katastrophenfall zu identifizieren und Lösungsvorschläge zu erarbeiten:

  1. Wie kann die Widerstandsfähigkeit und Integration der Katastrophenvorsorge während der Wiederherstellungs-, Rehabilitations- und Wiederaufbauphase verbessert werden? Dazu gilt es, Gebäude und wichtige Infrastrukturen vor Katastrophenereignissen widerstandsfähiger zu machen. Zudem müssen Systeme bereitgestellt werden, die die Sanierung und den Wiederaufbau in der Zeit danach unterstützen. Eine plattformbasierte Lösung soll historische und aktuelle Daten zu Infrastruktur, Landwirtschaft, Wetter, Versorgung und weiteren Quellen sammeln und analysieren, um daraus wichtige Erkenntnisse für zukünftige Verbesserungspläne abzuleiten.

  2. Wie kann Technologie den Gemeinden helfen, sich auf Hochwasser vorzubereiten und darauf zu reagieren? Eine mobile App soll potenziellen Betroffenen über einen Gamification-Ansatz einen Anreiz bieten, persönliche Informationen zu teilen und einen Evakuierungsplan zu erstellen, bevor es zu einer Überschwemmung kommt. Die Daten aus der App fließen in ein Dashboard, das den Einsatzkräften hilft, ihre Maßnahmen zu priorisieren und die Betroffenen in Echtzeit zu informieren.

  3. Wie kann sichergestellt werden, dass alle Betroffene den gleichen Zugang zu humanitärer Hilfe haben? Dazu müssen auch die am stärksten ausgegrenzten Bevölkerungsgruppen identifiziert werden, so dass sie frühzeitig über drohende Risiken und die verfügbare Hilfe informiert werden können. Auch hier soll eine mobile App dabei unterstützen, Personen mit eingeschränkter Mobilität zu identifizieren und ihnen Echtzeitinformationen über eine Katastrophe zu liefern. Das soll sie in die Lage versetzen, fundierte Entscheidungen über die Evakuierung zu treffen und Angehörige in einer Notunterkunft zu finden.

  4. Wie können betroffene Menschen Entscheidungen mittreffen, Feedback geben und sich über falsche oder schlechte Maßnahmen beschweren? Ersthelfer müssen geschult sein, um Menschenrechtsverletzungen zu erkennen, um als glaubwürdige Botschafter auftreten und angemessen auf Verstöße reagieren zu können. Eine spezielle Kommunikations-App hat hier Lösungspotenzial. Personen, die von Menschenrechtsverletzungen betroffen sind, sollen eine Nachricht anonym in jeder Sprache aufzeichnen, sie in Text umwandeln und sicher an Beobachter der Vereinten Nationen senden können.

Für diese vier Konzepte wurden Solution Starter Kits entwickelt, die mit IBM-Technologien erstellt werden können. Neben Fachexperten und Vertretern der Vereinten Nationen nahmen auch Entwickler einiger anderer Unternehmen an dem Event teil. Dazu zählten Capgemini, die Deutsche Telekom Group, Lloyds Banking Group, NearForm, Persistent Systems, RBS und WPP, sowie Red Hat und die Linux Foundation.

Die Eckdaten des Wettbewerbs

Die Call-for-Code-Challenge läuft noch bis zum 29. Juli 2019. Die fünf Finalisten erhalten Geldpreise, Projekt-Support von der Linux-Foundation und weitere Hilfestellungen je nach Platzierung.

Die Rechte an den Einreichungen behalten die Personen oder Organisationen, die sie erstellt haben. Die fünf Finalisten müssen allerdings, wenn sie den Preis annehmen, ihre Lösung quelloffen (Open Source) zur Verfügung stellen und unter der Apache-2-Lizenz lizensieren. Weitere Teilnahmebedingungen sind hier (PDF) gelistet. Den Urhebern steht frei, die Lösung kommerziell zu nutzen.

Der Wettbewerb wird weltweit abgehalten. Ausgenommen von der Teilnahme sind Kuba, der Iran, Nordkorea, Syrien und die Krim-Region der Ukraine. Diese Ausnahmen sind von der US-Gesetzgebung abhängig und können sich entsprechend ändern.