Rennen um DoD-Projekt für DB2 verloren:

IBM will fremdes Produkt einsetzen

22.11.1985

WASHINGTON (CWN) - Einen gravierenden Rückschlag muß gegenwärtig das oft bekrittelte relationale Datenbank-Management-System "DB2" der IBM hinnehmen. Innerhalb des weltweiten Informationssystems des US-Verteidigungsministeriums (DoD) wird nicht das DBMS-Produkt des Marktführers, sondern "Modell 204" der Computer Corporation of America (CCA) zum Einsatz kommen.

Das Prekäre an der Situation: Die Federal Systems Division des Branchenprimus traf selbst die Entscheidung für das Konkurrenzprodukt.

Ausschlaggebend für diesen Entscheid war nach Aussage eines CCA-Sprechers, daß der in Cambridge/ Massachusetts beheimatete Hersteller bereits den Prototyp eines in Ada geschriebenen DBMS namens "Adaplex" entwickelt habe. Dieses Produkt soll demnächst in den kommerziellen Einsatz gehen.

Wie aus IBM-nahen Kreisen verlautet, habe Big Blue bereits sieben Kopien des Konkurrenz-DBMS gekauft und intensive Benchmark-Tests durchgeführt. Hier sei das CCA-Produkt dem hauseigenen DB2 deutlich überlegen gewesen.

Grundsätzlich wurden diese Angaben von beiden Anbietern als richtig erklärt. Bezüglich der Details übten sie jedoch Zurückhaltung. Zwar bestätigte ein IBM-Sprecher den Kauf mehrerer Kopien des Konkurrenzprodukts, stellte jedoch in Abrede, daß das "Modell 204" das IBM-eigene Produkt als maßgebliches DBMS innerhalb des Informationssystems ersetzt habe. Laut CCA hat Big Blue mindestens drei Kopien von "Modell 204" gekauft. Bezüglich der Benchmark-Tests hüllten sich die Verantwortlichen jedoch in Schweigen.