Cloud-Giganten

IBM Softlayer und Bluemix auf dem Prüfstand

29.02.2016
Von   


René Büst ist Research Director in Gartners Managed Business and Technology Services Team mit Hauptfokus auf Infrastructure Services & Digital Operations. Er analysiert Entwicklungen im Bereich Cloud Computing (Anbieter von Managed Cloud-Services und Public Cloud sowie Cloud-Strategien wie IaaS, PaaS und Multicloud), digitale Infrastrukturen und Managed Services sowie den Einfluss der digitalen Transformation auf die IT. Seit Mitte der 90er Jahre konzentriert sich Herr Büst auf den strategischen Einsatz der IT in Unternehmen und setzt sich mit deren Einfluss auf unsere Gesellschaft sowie disruptiven Technologien auseinander.

IBM Bluemix - PaaS-Angebote auf Basis von Cloud Foundry

Bluemix ist seit 2014 IBMs polyglotte Platform-as-a-Service (PaaS). Das bedeutet, dass mehrere Programmiersprachen unterstützt werden, darunter Java, Node.js und Ruby. Als technische Basis kommt das führende PaaS-Open-Source-Projekt Cloud Foundry zum Einsatz, an dessen Weiterentwicklung IBM ebenfalls aktiv beteiligt ist. Als Infrastruktur-Basis von Bluemix dient OpenStack. Für eine bessere Portabilität von Anwendungen lassen sich über Bluemix seit Februar 2015 auch Docker-Container bereitstellen. Ein weiteres wesentliches Detail ist die Möglichkeit, über Bluemix virtuelle Maschinen (auf Basis von OpenStack) bereitzustellen und bis auf Betriebssystemebene zu verwalten. Damit erhalten Entwickler mehr Kontrolle über Infrastrukturressourcen. Dies ist bei einem PaaS normalerweise nicht möglich beziehungsweise nicht vorgesehen.

Über den Bluemix Catalog stehen fertige Microservices zur Verfügung, die sich von Entwicklern nutzen lassen, um eigene Applikationen mit Funktionen zu erweitern, ohne diese extra selbst entwickeln zu müssen. Diese Services werden direkt von IBM oder von Drittanbietern bereitgestellt und bringen spezielle Funktionen mit, zum Beispiel für den Mobile-, IoT- und Security-Bereich oder für Webanwendungen. Einen großen Anteil machen Watson-nahe Services aus, mit denen sich kognitive Applikationen entwickeln lassen.

IBM Bluemix kann in drei unterschiedlichen Varianten genutzt werden:

  • Bluemix Public: Vollständige Multi-Tenancy Public Cloud-Umgebung, die über die Softlayer-Rechenzentren bereitgestellt wird.

  • Bluemix Dedicated: Single-Tenancy Cloud-Umgebung, die in einem Softlayer-Rechenzentrum exklusiv für einen Kunden von IBM betrieben wird.

  • Bluemix Local: Lokale Bluemix Variante, die innerhalb einer kundeneigenen Umgebung läuft. Hierfür ist entweder eine VMware- oder OpenStack-Infrastruktur notwendig, für deren Aufbau und Betrieb der Kunde selbst zuständig ist. Anschließend installiert und betreibt IBM die Bluemix Local-Umgebung in einem Remote-Modell.

Mit diesen unterschiedlichen Betriebsmodellen bietet IBM zum einen die Möglichkeit, Bluemix nach individuellen Anforderungen einzusetzen. Zum anderen ermöglicht sie gleichzeitig den Aufbau hybrider Szenarien. Denn die wenigsten Unternehmen starten auf der grünen Wiese, sondern haben einen Stall von alten Applikationen zu berücksichtigen oder sie haben Daten zu verwalten, die sich nicht zum Speichern in einer Public Cloud-Umgebung eignen. So lassen sich etwa innerhalb einer Bluemix Local-Umgebung Backend-Anwendungen betreiben und sensible Daten verarbeiten. Über eine hybride Integration können die kundenzentrischen Applikationen, Oberflächen und Daten dann über Bluemix Public weltweit und hochskalierbar bereitgestellt werden. Sie greifen dann in Echtzeit auf die Daten beziehunsgweise Applikationen in Bluemix Local zu.

Die Perspektive: Survival of the fittest - Bluemix wird überleben

IBM Softlayer vor diesem Hintergrund nun schon für tot zu erklären, wäre zwar etwas verfrüht. Nach Aussage von IBM fragen MSPs und ISVs weiterhin nach reinen IaaS-Ressourcen. Dennoch aber geben bereits kleine Details einen tiefen Einblick in IBMs Softlayer-Strategie. Der Konzern legt den Fokus eindeutig auf Bluemix. Dies spiegelt sich einerseits in der Marketing-Kommunikation wider. Andererseits zeigen auch die Funktionen, um die Bluemix erweitert wurde, wohin die Reise geht. Hierzu gehören:

  • Einsatz und Management von virtuellen Maschinen inklusive dem Betriebssystem

  • Kontrollmöglichkeiten auf Infrastrukturebene

  • Speichern von Daten in "IBM Object Storage"

  • Aufbau von "VPN-Verbindungen"

  • Einsatz von Docker-Containern

Dabei handelt sich um exakt die Bereiche, die normalerweise nur über IaaS möglich sind. Hinzu kommt, dass Bluemix genau die Microservices und Mehrwerte liefert, die Softlayer fehlen, um die Lücke zum Mitbewerb zu schließen. Aus Sicht von IBM ist es daher nur ein logischer Schritt, Bluemix als zentraler Cloud-Lösung den Vortritt zu lassen und Softlayer als stabile und performante Infrastrukturbasis für seine Cloud-Angebote einzusetzen. Andernfalls würde es für IBM im Public-Cloud-Markt immer schwieriger, ein ernsthaftes Wort mitzureden. Denn Softlayer alleine wird mit seinem Angebotsfokus nicht gegen die Public-Cloud-Marktführer Amazon Web Services (AWS) und Microsoft Azure bestehen können. (wh)

IBM Cloud Pro & Contra

Pro

  • Softlayer: Hohe Performance mithilfe von Bare Metal Servern möglich

  • Softlayer: Schnellste Bereitstellung von fertig provisionierten Bare Metal Servern weltweit

  • Bluemix: Offene PaaS auf Basis von Open-Source-Technologien (Cloud Foundry, Docker)

  • Bluemix: Konstant wachsendes Portfolio von höherwertigen Services von IBM und Drittanbietern

  • Bluemix: Drei unterschiedliche Nutzungsvarianten (Public, Dedicated, Local)

Contra

  • Softlayer: Reines Infrastrukturangebot, keine höherwertigen Services

  • Softlayer: Konkurrenzsituation auf Grund von Bluemix im eigenen Haus

  • Bluemix: Lock-in mit dem Einsatz von Microservices während der Entwicklung möglich