Analyse

IBM kauft sich die Macht im Server-Geschäft

27.03.2009
Von 
Wolfgang Herrmann ist Editorial Manager CIO Magazin bei IDG Business Media. Zuvor war er unter anderem Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO und Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel.

Die Folgen für Sun

Die Auswirkungen einer Übernahme wären für Sun gravierend. IBM müsste schnell und massiv die Kosten senken, um den Zukauf vor den Aktionären zu rechtfertigen. Erst im abgelaufenen Jahr kündigte Sun-CEO Jonathan Schwartz an, rund 6000 von 33.000 Stellen zu streichen. Dabei dürfte es nach einem Zusammengehen mit IBM kaum bleiben. Zu groß sind die Überschneidungen der beiden Unternehmen in verschiedenen Produkt- und Organisationsbereichen.

Gelingt IBM die Übernahme von Sun, dürften die Tage der Sparc-Plattform gezählt sein.
Gelingt IBM die Übernahme von Sun, dürften die Tage der Sparc-Plattform gezählt sein.

Am deutlichsten wird das Problem am umfangreichen Server-Portfolio der Anbieter. Vor allem Suns mit Sparc-Prozessoren ausgerüstete Maschinen unter dem hauseigenen Unix-Derivat Solaris ständen nach einer Übernahme vor einer ungewissen Zukunft. IBM unterhält in fast allen Leistungsklassen vergleichbare Server mit Power-CPUs und dem Betriebssystem AIX. Auf lange Sicht würde die Entwicklung von Sparc und Solaris sehr wahrscheinlich auslaufen, glauben nicht wenige Analysten. "Zwei Unixe voranzutreiben ergäbe für IBM keinen Sinn", kommentiert Experton-Mann Zilch. Auch IDC-Analyst Vernon Turner ist sich sicher: "IBM muss sich zwischen Solaris und AIX entscheiden."

Vorteile im Storage-Markt

Mit der Übernahme von Sun würde IBM ganz nebenbei den größten Konkurrenten im Markt für leistungsstarke Bandspeichersysteme aus dem Weg räumen. Im Jahr 2005 hatte Sun den Speicherhersteller Storagetek gekauft, der lange Zeit einer der führenden Anbietern von Highend-Bandspeichern war. Zwar gibt es ansonsten auch im Storage-Bereich beträchtliche Überschneidungen in den Produktportfolios. Doch IBM könnte zumindest seine Kundenbasis deutlich verbreitern. Geht es dagegen um Midrange-Speicherpodukte, haben beide Anbieter keine besonders starke Position.

In jedem Fall müsste IBM nach dem Zukauf zwei höchst unterschiedliche Unternehmenskulturen unter einen Hut bringen. Sun gilt als Prototyp eines Startup-Unternehmens aus dem Silicon Valley, das es mit brillanten Entwicklungen eigenwilliger Technik-Freaks an die Spitze schaffte. IBM dagegen ist der Inbegriff des konservativen Ostküstenkonzerns mit straffen Strukturen und stets korrekt auftretenden Managern. "Sun ist ein Unternehmen, das mit der Arbeit von Eigenbrötlern groß geworden ist", kommentiert Charles King, Analyst bei der kalifornischen Pund-IT. "Für IBM ist es entscheidend, diese Kultur zumindest teilweise zu erhalten. Sie ist einer der größten Werte von Sun."