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IBM kauft Informix´ Datenbanksparte

24.04.2001
Für eine Milliarde Dollar in bar übernimmt IBM das Datenbankgeschäft von Informix und damit eine installierte Basis von über 100.000 Kunden. Big Blue will mit dem Zukauf sein Geschäft mit verteilten Datenbanken stärken.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Ein Softwareurgestein löst sich auf; voraussichtlich im Herbst dieses Jahres wird der Name Informix Geschichte sein: Das Datenbankgeschäft des Softwareanbieters geht an die IBM - für rund eine Milliarde Dollar in bar, die teilweise in den Aufbau der verbliebenen Ascential-Division fließen soll.

Der Verkauf des Datenbank-Business ist offenbar von langer Hand vorbereitet. Schon im Herbst vergangenen Jahres kündigte Informix an, das Geschäft mit E-Business-Lösungen - dazu zählen vor allem die Analyse- und Extraktionswerkzeuge der "Datastage"-Familie und das Content-Management-System "Media 360" - um den Jahreswechsel 00/01 herum in eine eigene Unternehmenseinheit ausgliedern zu wollen. Diese Ascential genannte Division, die rund 15 Prozent des Umsatzes repräsentiert, verblieb im kalifornischen Menlo Park; der größere Teil des Unternehmens wird neuerdings von Westboro, Massachusetts, aus geleitet.

Die Marktbeobachter mutmaßten denn auch geraume Zeit, wer wohl den schwächelnden Datenbankanbieter übernehmen werde - obschon dessen Ergebnisse im letzten Quartal 2000 überraschend positiv ausfielen. Auch das erste Viertel des neuen Fiskaljahres wurde mit einem Profit abgeschlossen. Allerdings lag der Nettogewinn mit 18,3 Millionen Dollar vor Abzug der Restrukturierungskosten deutlich unter dem des Vergleichsquartals 2000 (27,1 Millionen Dollar). Hinter dem Vorjahreswert zurück blieb auch der Umsatz. Er betrug nur noch 217,1 Millionen Dollar (im Vergleichsquartal: 250,9 Millionen).

Dass Informix verkauft wird, ist also nicht wirklich eine Überraschung - dass IBM den Käufer gibt, schon eher. Die Akquisitionsstrategie des blauen Riesen bestand bislang darin, Technik zu erwerben, die im eigenen Hause nicht vorhanden war. Als Beispiele dafür mögen die Groupware-Company Notes und der System-Management-Spezialist Tivoli dienen.

Die Informix-Übernahme gehört offenbar in eine andere Kategorie. Das will auch Thomas Honoré, europäischer Marketing-Leiter für die Datenbank-Management-Division der IBM, nicht leugnen. Nach den Gründen für die Akquisition befragt, nannte er zwei: Mit den 100.000 Informix-Kunden könne IBM seinen Anteil am Markt für verteilte Datenbanksysteme auf einen Schlag erheblich vergrößern; rund 300.000 Anwender nutzen derzeit die IBM-Datenbanksysteme. Zudem gewinne der Branchenprimus eine Reihe ausgebildeter Softwareentwickler hinzu; Informix Software beschäftigt 2500 Menschen. Für die IBM sei das Datenbankgeschäft "sehr wichtig", ergänzte der Marketier, und mit Informix-Hilfe werde es noch stärker.

An den existierenden Produkten des Übernahmekandidaten zeigt der künftige Eigner aber nur bedingt Interesse. Teile davon - laut Honoré vor allem die "Datablade"-Technik - sollen in die "Universal Database" der IBM integriert werden. An eine Weiterentwicklung der Informix-Tools ist wohl weniger gedacht. Wie der Marketing-Experte einräumt, werden sie so lange weitergepflegt, bis IBM den Anwendern einen "sicheren Migrationspfad" zur eigenen "DB2"-Familie aufzeigen könne.

Sobald die Informix-Aktionäre und Regulierungsbehörden der Übernahme zugestimmt haben, will IBM die ehemalige Informix Software in die Data-Management-Division unter der Leitung von Janet Perna eingliedern. Die Zukunft des derzeitegen Informix-Managements ist noch ungewiss. Die eine Milliarde Dollar, die als Kaufpreis ausgemacht ist, soll zum Teil an die Informix-Aktionäre zurückfließen. Allerdings wird vorher ein nicht genannter Teil davon abgezweigt, um ihn in den Ausbau von Ascential zu investieren.