Europa-Chef Riverso sieht düstere Zukunft voraus

IBM Europa korrigiert für 1992 die Umsatzprognose nach unten

18.01.1991

PARIS (IDG) - Renato Riverso, Senior Vice-President der IBM und Chef der europäischen Aktivitäten, sieht keine Anzeichen für eine Erholung des europäischen DV-Marktes. Wegen der flauen Nachfrage hat die für Europa, den Mittleren Osten und Afrika (Emea) verantwortliche IBM-Division ihre Umsatzprognose für dieses Jahr um fünf Prozent reduziert.

"Wir kehren langsam zur Normalität eines schwachen Marktes und einer depressiven Wirtschaft zurück", sagte Riverso in einem Interview mit dem "Wall Street Journal Europe". Die Verwirrung durch das Debakel der europäischen Wechselkurse sei zwar überstanden, aber die Kunden verhielten sich nach wie vor sehr kostenbewußt und zögerlich. Weil die Klientel weniger Kaufentscheidungen trifft und eher Sparmaßnahmen ergreift, als in Entwicklungsprojekte zu investieren, hat die IBM ihre Umsatzprognose für das laufende Jahr nach unten korrigiert. Im günstigsten Fall rechnet sie mit einem Plus von zwei Prozent, im schlechtesten mit Stagnation. Die ursprüngliche Voraussage hatte laut "Wall Street Journal Europe" noch um fünf Prozent höher gelegen.

Im vergangenen Jahr hatte die Emea-Division insgesamt 26,14 Milliarden Dollar - 95 Prozent davon in Europa - umgesetzt.

Das nächste Jahr birgt laut Riverso "enorme Unsicherheit" für die europäische Wirtschaft und die Computerindustrie. Er sieht keine Anzeichen für eine baldige Besserung: "Ich kann in dem Szenario für Europa keine Elemente identifizieren, die auf eine Erholung hinweisen."