Strategische Geschäftsfelder wachsen

IBM bleibt im Schrumpfmodus

Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.
IBM hat im zweiten Finanzquartal 2017 erneut Federn gelassen. Umsatz und Nettogewinn blieben unter dem Vorjahresresultat, immerhin wuchsen die „strategischen Geschäftsfelder“ Cloud, Mobile, Analytics und Security.

Bereits das 21. Quartal in Folge kann IBM kein Wachstum vermelden. Im zweiten Quartal 2017 setzte der Konzern 19,3 Milliarden Dollar um, in der Vergleichsperiode des Vorjahres waren es noch 20,2 Milliarden. Der Nettogewinn belief sich auf 2,3 Milliarden Dollar (2,5 Milliarden im Vorjahr). Das entspricht 2,97 Dollar je Aktie - deutlich mehr, als die von Wallstreet-Analysten prophezeiten 2,74 Dollar je Anteil. Dennoch führte der über vierprozentige Umsatzeinbruch dazu, dass die IBM-Aktie nachbörslich rund drei Prozent einbüßte.

IBM legt den Fokus auf Profitabilität, sagt Chief Financial Officer Martin Schroeter.
IBM legt den Fokus auf Profitabilität, sagt Chief Financial Officer Martin Schroeter.

"Es ist einfach, im Enterprise-Markt Umsatz zu machen. Wir konzentrieren uns darauf profitabel zu arbeiten", sagte IBMs Finanzchef Martin Schroeter in einem Interview mit "CNBC". IBM bestätigte denn auch die Vorgabe, im laufenden Geschäftsjahr einen Ertrag von 13,80 Dollar je Aktie erzielen zu wollen, 12 Cent mehr als die Analysten im Schnitt erwarten.

Starkes Cloud-Business

Erfreulich verlief aus Sicht des IT-Riesen einmal mehr die Geschäftsentwicklung in den sogenannten strategischen Geschäftsfeldern, die nun 45 Prozent zu den Gesamteinnahmen beitragen. Im ersten Quartal 2017 waren es noch 42,8 Prozent. Das Cloud-Business sei im abgelaufenen Quartal um 15 Prozent auf 3,9 Milliarden Dollar gewachsen, die Bereiche Analytics, Mobile und Security wuchsen um vier, 27 und vier Prozent.

Ein Blick auf die von IBM betriebenen Geschäftsbereiche zeigt, wo die Probleme liegen. Im Segment der Cognitive Solutions (Softwarelösungen und Transaktionsverarbeitung) ging es um 2,5 Prozent auf Einnahmen von 4,6 Milliarden Dollar bergab. Global Business Services (Consulting, Global Process Services, Anwendungs-Management) büßte 3,7 Prozent ein und kam auf einen Umsatz von 4,1 Milliarden Dollar. Technology Services & Cloud Platforms (Infrastruktur-Services, Technischer Support, Integrationssoftware) erlöste mit 8,4 Milliarden Dollar 5,1 Prozent weniger als im Vorjahr - auch wenn hier das Hybrid-Cloud-Segment um 20 Prozent zulegte (siehe auch: IBM will Enabler für die Hybrid Cloud sein). Hardware und Betriebssysteme, zusammengefasst in der Einheit "Systems", brachen um 10,4 Prozent auf 1,7 Milliarden Dollar ein.

CEO Virginia Rometty sieht Fortschritte um Umbau der IBM.
CEO Virginia Rometty sieht Fortschritte um Umbau der IBM.
Foto: IBM via flickr

Da die Zahlen unterm Strich stimmen und die strategischen Geschäftsfelder offenbar stabil wachsen, gab sich CEO Ginni Rometty nicht sonderlich besorgt. IBM sei führend im Cloud-Business, baue die Watson-Technologie mit "Regtech"-Features aus, damit Unternehmenskunden regulatorische Anforderungen einfacher bewältigen könen, und entwickle viele neue Lösungen auf der Basis von Zukunftstechnologien wie beispielsweise Blockchain. Außerdem habe IBM soeben den Mainframe neu erfunden, Kunden könnten damit künftig all ihre Daten sicher verschlüsseln. (hv)