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i2 schluckt Aspect Development für 9,3 Milliarden Dollar

13.03.2000
Größter Software-Deal aller Zeiten

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - i2 Technologies

wird den auf Business-to-Business-Transaktionen spezialisierten Softwarehersteller Aspect Development im Rahmen eines Aktientauschs für 9,3 Milliarden Dollar übernehmen. Der Deal wurde heute offiziell verkündet. Mit dieser Akquisition, die im dritten Quartal 2000 abgeschlossen werden soll, kommen zwei große Player im Bereich Online-Marktplätze zusammen. Stimmen die Kartellbehörden zu, handelt es sich um die bisher größte Übernahme in der Softwarebranche.

Mit dieser Akquisition baut i2 seine Position im elektronischen Handel deutlich aus. So kommentierte i2-Chef Sanjiv Sidhu den Deal entsprechend: "Die Fusion macht uns zu einem B2B-Schwerlaster in Sachen E-Commerce." Mit Aspect erwirbt der texanische Anbieter von Supply-Chain-Management-Software (SCM) eine Firma mit ergänzenden Produkten und ähnlicher Strategie. Aspect aus Mountain View, Kalifornien, stellt elektronische Produktkataloge auf Datenbankbasis her, die zusammen mit Business-Intelligence-Lösungen eingesetzt werden können. Das Datenmaterial liegt in katalogisierter Form mit Informationen zu den einzelnen Produkten vor. Romesh Wadhwani, bisher Chairman und CEO (Chief Executive Officer) von Aspect, wird künftig die Position des Vice Chairman bei i2 inne haben und einen Sitz im Board of Directors erhalten.

Die Aspect-Anleger erhalten nach einem für heute angekündigten Aktiensplit für jeden ihrer Anteilscheine 0,55 i2-Aktien. Das bedeutet für die Aktionäre ein Premium von 35 Prozent. Zirka 18 Prozent aller i2-Anteile befinden sich nach der Übernahme in Besitz der heutigen Aspect-Anteilseigner.

i2 und Aspect verbindet seit Oktober vergangenen Jahres eine strategische Partnerschaft, in deren Rahmen beide Firmen gemeinsam sie eine Product-Life-Cycle-Software entwickeln. Die Lösung, die i2s "Product Lifecycle Management" mit Aspects "E-Design" integriert, soll die gesamte Produktplanung, -entwicklung, -produktion und -vermarktung verwalten. Im Februar 2000 schlossen beide Unternehmen eine weitere Kooperation, die vorsieht, dass Aspects Datenbank mit 17 Millionen Produkten von 7000 Herstellern in i2s E-Commerce-Lösung "Trade Matrix" eingebaut wird.

Trade Matrix ist eine Software für den Aufbau von Online-Marktplätzen. Der ursprünglich auf Supply-Chain-Management spezialisierte Anbieter aus Dallas hatte sie im vergangenen Herbst vorgestellt. Sie beinhaltet mehrere Programme und Kommunikationsstandards, mit Industrieunternehmen virtuelle Handelsplattformen einrichten können. Inzwischen hat i2 Konzerne wie Sun Microsystems und Honeywell als Kunden für Trade Matrix gewonnen.

Die Akquisition von Aspect ist nur einer der vielen Schritte von i2 auf dem Weg zu einem E-Commerce-Schwergewicht. Erst in der vergangenen Woche verkündete IBM eine Allianz mit i2, vonach Big Blue die Produkte des SCM-Herstellers und des E-Procurement-Anbieters für seine Produktionsprozesse verwenden und seine Lösungen weltweit weiterverkaufen wird. Zu diesem Zweck will IBM 375 Millionen Dollar in i2 investieren (CW Infonet berichtete). Ein Analyst von Kash Rangan kommentierte diesen Deal mit den Worten, i2 sei damit in einer hervorragenden Position, zum "Intel Inside" für B2B zu werden.

Der Kurs in Richtung E-Commerce auf Business-to-Business-Ebene (B2B) hat sich für i2 bezahlt gemacht. In den letzten sechs Monaten legte die Aktie um knapp 900 Prozent zu. Im vergangenen Geschäftsjahr verzeichnete der texanische Hersteller mit 571 Millionen Dollar einen 55-prozentigen Umsatzanstieg gegenüber dem Vorjahr. Der Nettoprofit stieg von 12,8 Millionen Dollar im Jahr 1998 auf über 30 Millionen im vergangenen Jahr.

Mit der jüngsten Übernahme dürfte i2 seinen Mitbewerber Manugistics nun endgültig hinter sich gelassen haben. Noch vor kurzem lieferten sich beide Anbieter ein Kopf-an-Kopf-Rennen im SCM-Bereich. Anfang letzten Jahres begann i2, mit der Entwicklung von neuen Produkten für das Online-Business Manugistics davon zu eilen. Mit der Veröffentlichung von Trade Matrix und nun mit dem Kauf von Aspect dürfte der Wettkampf vorerst entschieden sein.