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Hutchison Whampoa schielt auf KPNs Anteile an H3G

16.06.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nach dem Streit der Gesellschafter von Hutchison 3G UK ( H3G ) wird nun laut "Computerwire" spekuliert, dass der Mehrheitseigner Hutchison Whampoa die 15-prozentige Beteiligung von KPN an dem angeschlagenen UMTS-Betreiber übernimmt. Hintergrund der Disharmonie unter den beiden Joint-Venture-Partnern ist die weitere Finanzierung des UMTS-Aufbaus. Das Gemeinschaftsunternehmen hatte Anfang März bei den Anteilseignern einen Kredit in Höhe von einer Milliarde britische Pfund angefordert, um die Konditionen eines Schlüsselkredits zu lockern. Während der Hongkonger Mischkonzern Hutchison Whampoa (65 Prozent) und der japanische Mobilfunkkonzern NTT DoCoMo (20 Prozent) gemäß ihren Anteilen 650 beziehungsweise 200 Millionen Pfund

überwiesen, weigerte sich das niederländische TK-Unternehmen (15 Prozent), seine 150 Millionen Pfund beizusteuern. Als Konsequenz reichte Hutchison Whampoa in der vergangenen Woche in London eine Klage gegen KPN ein. Die Niederländer sollen damit gezwungen werden, ihren Beitrag zu leisten und für entstandene Ausfälle aufzukommen.

Aufgrund der frostigen Beziehung der beiden Anteilshalter rechnen Branchenbeobachter sogar damit, dass der Hongkonger Konzern KPNs Beteiligung nun aufkauft - trotz Markt- und Analystenbedenken. Der europäische UMTS-Pionier H3G kämpft nämlich mit enormen Anlaufschwierigkeiten: Im Gegensatz zu anderen Mobilfunkbetreibern, die erst bei Beseitigung der gröbsten Probleme den UMTS-Betrieb aufnehmen wollen, hatte H3G auf den Startvorteil gesetzt und war bereits vor einigen Monaten in den beiden europäischen Testmärkten Italien und Großbritannien mit UMTS gestartet. Anfang Mai folgten Schweden und Österreich.

Die Resonanz ist bislang jedoch relativ verhalten: In Großbritannien gebe es bislang 25.000, in Italien 90.000 UMTS-Kunden, hatte Chairman Li Ka Shing Ende Mai gemeldet. Bis Jahresende sollen es eine Million UMTS-Nutzer werden. Möglicher Grund für die schwache Nachfrage sind anhaltende Kinderkrankheiten des Systems. So gebe es Probleme bei der Übergabe von Gesprächen vom 2G- ins 3G-Netz und zurück, Presseberichten zufolge soll etwa im italienischen UMTS-Netz jedes zehnte Gespräch abbrechen. Außerdem bestehe nach wie vor ein Versorgungsengpass bei UMTS-Handys. (mb)