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Hutchison Whampoa prüft Einstieg bei Mobilcom

30.09.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Hutchison Whampoa ist angeblich an einer Beteiligung bei dem finanziell angeschlagenen Mobilfunkanbieter Mobilcom interessiert. Die Hongkonger Investment-Firma hätte bereits Kontakt mit dem Büdelsdorfer Unternehmen aufgenommen, berichtet die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise. Allerdings müsse vor Gesprächen über einen Einstieg die Sanierung erfolgt sowie die Schuldenfrage geklärt sein, erklärte Mobilcom-Chef Thorsten Grenz dem Blatt.

Hutchison Whampoa ist in Sachen UMTS in Europa stark aktiv: Der Mischkonzern errichtet derzeit in Schweden und Dänemarkt 3G-Netze und hält außerdem UMTS-Lizenzen in Italien, Großbritannien und Österreich. Erst vor kurzem soll das Unternehmen außerdem angekündigt haben, auch hierzulande in das UMTS-Geschäft einsteigen zu wollen. Hutchison hatte in einem Konsortium bei der Versteigerung der deutschen UMTS-Lizenzen mitgeboten, hatte dann jedoch überraschend einen Rückzieher gemacht. Eine entschuldete Mobilcom würde nun eine vergleichbar günstige Möglichkeit für ein neues Engagement darstellen: Das Unternehmen ist beim Aufbau seines 3G-Netzes bereits weit fortgeschritten, derzeit sollen rund 17 Prozent der deutschen Bevölkerung von den Diensten erreicht werden. Laut Lizenzregeln müssen die Anbieter bis Ende kommenden Jahres eine Netzabdeckung von mindestens 25 Prozent erreicht haben.

Nach dem Rückzug des Kooperationspartners France Télécom plagen Mobilcom allerdings 6,9 Milliarden Euro Schulden. Die Norddeutschen hoffen daher, dem mit 28 Prozent beteiligten TK-Konzern einen Schuldenerlass und eventuell sogar einen Schadensersatz für die einseitige Kündigung des Rahmenvertrags abringen zu können. Nach Schätzungen von CEO Grenz könnte eine sanierte und entschuldete Mobilcom den eingefrorenen UMTS-Aufbau zusammen mit einem Partner Mitte kommenden Jahres wieder aufnehmen.

Die von der Bundesregierung zur Verfügung gestellten 50 Millionen Euro an Soforthilfe reichen hingegen noch nicht einmal zur Umsetzung des geplanten Sanierungspakets. Nachdem die Franzosen vor zwei Wochen ihre Zahlungen eingestellt hatten, will Mobilcom seine UMTS-Aktivitäten auf Eis legen und 1850 von insgesamt 4200 Vollzeitstellen streichen (Computerwoche online berichtete).

Interesse an Mobilcom sollen außerdem Debitel und Talkline zeigen, allerdings nur am Kerngeschäft als Service Provider. Die beiden Firmen hoffen, mit der Übernahme der rund 4,7 Millionen Mobilfunkkunden ihren Marktanteil zu steigern. (mb)