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Video, Audio, Vektorgrafik

HTML5 - was es kann (Teil 1)

12.02.2011
Von 


Simon Hülsbömer betreut als Senior Project Manager Research Studienprojekte in der IDG-Marktforschung. Zuvor verantwortete er als Program Manager die Geschäftsentwicklung und die Inhalte des IDG-Weiterbildungsangebots an der Schnittstelle von Business und IT - inhaltlich ist er nach wie vor für das "Leadership Excellence Program" aktiv. Davor war er rund zehn Jahre lang als (leitender) Redakteur für die Computerwoche tätig und betreute alle Themen rund um IT-Sicherheit, Risiko-Management, Compliance und Datenschutz.

Video und Audio

Das Tag <video> erscheint auf den ersten Blick harmlos. Ähnlich wie beim <img>-Element, das für die Einbettung von Bildern sorgt, ist der <video>-Befehl für jedermann einfach nutzbar: Videodatei hochladen, Adresse des Videos im Tag angeben und fertig.

Wenn es doch nur so einfach wäre… Die Vorgehensweise ist in der Tat leicht, wie oben beschrieben, die unterstützten Videoformate sind jedoch sehr unterschiedlich. Wenn alle Browser die wichtigsten Standardformate unterstützten - wie bei den Bildern, wo jeder zumindest JPG, PNG und GIF kann - wäre das egal. Jeder Browser aber hat eigene Stärken und Schwächen und standardisierte Videoformate für alle Plattformen gibt es schon einmal gar nicht. Aktuell sind das von der Open-Source-Community entwickelte Ogg-Format, MPEG H.264 und VP8 von On2, das seit kurzem zu Google gehört, die am weitesten verbreiten Videoformate im Web. Es gibt aber noch mehr - Apple-Anwender arbeiten mit QuickTime, und so kann der Safari-Browser auch nur alles auflösen, was auch von QuickTime verarbeitet wird.

Patente und Lizenzen

OGG, H.264 und VP8 liefern vergleichbare Ergebnisse bei der Darstellung von Videos. Das einzige, worüber sich Webentwickler Gedanken machen müssen, ist die Frage nach den Patenten. H.264 ist ein weit verbreitetes Format, kostet aber Lizenzgebühren seitens der MPEG LA Group. Im Gegenzug spart H.264 auch Geld, weil es viele Hardware-Encoder gibt, die die komprimierten MPEG-Dateien mit geringem Aufwand verarbeiten können. So lässt sich besonders bei mobilen Geräten Strom sparen.

Die On2-Patente für das VP8-Format wurden mittlerweile auf Royalty-free-Lizenzen umgestellt (einmalige Nutzung ohne jede Einschränkung), was die Beliebtheit von derart komprimierten Videos keinesfalls schmälert. Die OGG-Dateien unterstehen im Gegensatz zu VP8 und H.264 keinen eingeklagten Patentrechten und werden derzeit noch ziemlich ungeniert eingesetzt. Das kann sich schlagartig ändern, sobald die Patentinhaber hier Ernst machen.

Die Patentfrage ist für viele kleine Unternehmen und ihre Webdesigner und Videoproduzenten jedoch nicht von Belang, da die Lizenzgebühren meist bereits von den Herstellern der zur Weiterverarbeitung des Filmmaterials eingesetzten Werkzeuge bezahlt worden sind. Für große Unternehmen reicht das aber nicht aus, da beispielsweise die MPEG LA Group zusätzlich abkassiert, wenn mit H.264 kodierte Videos einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Sobald eine bestimmte Zuschauerzahl erreicht wird, werden besondere Lizenzen notwendig, die dann aber zumindest bis ins Jahr 2015 hinein unverändert gültig bleiben sollen - so verspricht es eine offizielle Erklärung der Rechteinhaber.

Wer es unterstützt

Wenn Sie jetzt denken: Das ist aber alles kompliziert, dann haben Sie Recht. Am besten spielen Sie einfach ein wenig mit den neuen Möglichkeiten, die HTML5 bezüglich Videoeinbettung bietet, herum und bieten ihre Filme in multiplen Formaten an - mittels eines Skriptes wird dann browserabhängig entschieden, welches Format ausgegeben wird. Auch für das neue Video-Element gilt: Die aktuellen Versionen der gängigen Browser unterstützen es:

  • Apple Safari 5

  • Google Chrome 8

  • Microsoft Internet Explorer 9

  • Mozilla Firefox 3.6

  • Opera 10.60

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Audio

Für das Audio-Tag gilt das Gleiche wie beim Video. <video> produziert sowohl Sound als auch Bilder, <audio> verarbeitet nur den Sound. Die meisten Audiotracks sind lediglich ein Subset des Videoformats. So ist das beliebte MP3-Format nichts anderes als eine Unterklasse des MPEG-Videoformats. Es ist davon auszugehen, dass deshalb für das finale Audio-Element die gleichen Regeln gelten werden wie für das Video-Element. Wenn der Firefox-Browser beispielsweise das Ogg-Videoformat unterstützt, macht er das dementsprechend auch mit dem Ogg-Vorbis-Audioformat. Die einzig bekannte Ausnahme von dieser Regel ist die MPEG4-MP3-Familie. Viele Browser unterstützen MP3-Audios unabhängig vom MPEG4-Video. So bringt Google Chrome 7 zwar MP3 auf die Straße, MPEG4 aber nicht.

Browser im Check

Lesen Sie in folgender Tabelle, welche aktuellen Browser welche der beschriebenen Video/Audio-Formate in HTML5 unterstützen:

HTML5 Video/Audio

Browser

H.264/MPEG-4

Ogg Theora / Ogg Vorbis

VP8

Apple Safari 5

Ja

Nein

Nein

Google Chrome 8

Ja

Ja

Ja

Microsoft IE 9

Ja

Nein

Nein

Mozilla Firefox 3.6 / 4.0

Nein / Nein

Ja / Nein

Nein / Ja

Opera 10.60

Nein

Ja

Ja