Google Pixel

HTC arbeitet wieder als Auftragsfertiger

06.10.2016
Zurück zu den Wurzeln: Der taiwanische Hersteller HTC baut als Auftragsfertiger die Pixel-Smartphones für Google. Ablesen lässt sich das an den Geräten nicht, denn der Android-Betreiber vermarktet Pixel und Pixel XL ganz als "Made by Google". HTC hilft die Partnerschaft mit dem Internet-Konzern wahrscheinlich dennoch.
HTC ist Hardware-Partner von Google bei Pixel und Pixel XL.
HTC ist Hardware-Partner von Google bei Pixel und Pixel XL.
Foto: 9to5google.com

Google hat es gestern Abend bei der Präsentation der neuen Smartphones nicht erwähnt, aber der taiwanische Smartphone-Hersteller bestätigte es uns heute auf Nachfrage: HTC ist der Hardware-Partner von Google für das Pixel und das Pixel XL. Ganz "Made by Google" sind die neuen Geräte also nicht. Der Android-Betreiber zeichnete vor allem für die Entwicklung und das Design der Pixel-Smartphones verantwortlich, HTC baut sie zusammen. "HTC ist stolz darauf, dass sich Google bei der Suche nach einem führenden Partner für die Entwicklung der Pixel-Smartphones klar für HTC entschieden hat", heißt es in einem uns zugesandten schriftlichen Kommentar des Unternehmens.

Es ist nicht das erste Mal, dass Google und HTC bei Android-Geräten zusammenarbeiten. Das erste kommerziell verfügbare Android-Gerät war das HTC Dream alias T-Mobile G1, das im September 2008 vorgestellt wurde und ab Februar 2009 in Deutschland verfügbar war. Eine Aufschieb-Tastatur, ein kapazitiver Touchscreen, das Steuer-Konzept mit dem Trackball und die guten Internet-Fähigkeiten des Android-Smartphones begeisterten die Smartphone-Fans. Im April 2009 ließ HTC unter eigener Marke ein Touch-only-Smartphone mit dem Google-Betriebssystem folgen: das HTC Magic. Und noch im Dezember desselben Jahres beschenkte Google die eigenen Mitarbeiter mit dem ersten Android-Referenz-Smartphone, dem Nexus One, das ebenfalls von HTC gebaut wurde. Und im März 2010 kam das HTC Desire als "Nexus One für alle" heraus.

HTC offenbar nicht erste Wahl für Google

Dass Google diesmal erneut für HTC als Hardware-Partner wählen würde, kursierte zwar schon frühzeitig als Gerücht, doch so eindeutig wie von HTC beschworen fiel die Entscheidung offenbar nicht aus. Schließlich hatte der Google in den vergangenen Jahren lieber auf andere Partner wie beispielsweise Samsung, LG Electronics und Huawei gesetzt. HTC kam dagegen nur noch einmal bei einem Nexus-Gerät zum Zuge: dem Tablet-Modell Nexus 9. Als das Gerät im November 2014 in den deutschen Handel kam, hatte HTC wegen der damaligen Dominanz des iPad das Tablet-Geschäft in den USA bereits aufgegeben. Einem Bericht zufolge soll Google zunächst Huawei als Auftragsfertiger der ersten Pixel-Smartphones auserkoren haben, doch die wollten angeblich nicht, weil ihr Firmenlogo auf den Geräten "Made by Google" nicht auftauchen durfte.

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Es kann gut sein, dass HTC leichter zu haben war als Huawei. Schließlich schwächelt auch das Smartphone-Geschäft von HTC seit Jahren. Vor den ersten Android-Smartphones machte sich das 1997 gegründete Unternehmen als Auftragsfertiger für HP, Palm und Sony Ericsson einen Namen, mit den ersten Android-Smartphones baute es die eigene Marke auf. 2011 wurde es von der GSMA als Smartphone-Hersteller des Jahres ausgezeichnet und war die wertvollste Marke der Branche hinter Samsung und Apple. Der harte Konkurrenzkampf mit Samsung, die zunehmende Sättigung der Smartphone-Märkte in Europa und USA, falsche Entscheidungen des Managements und mangelndes Marketing führten jedoch schon zwei Jahre später zum Absturz des Überfliegers, obwohl seine Spitzenmodelle weiter gute Kritiken erhielten.

Zurück zu den Wurzeln?

Ist die Zusammenarbeit mit Google also für HTC ein Zurück zu den Wurzeln? Nur teilweise. HTC wird weiterhin Smartphones unter eigener Marke herausbringen, teilte uns das Unternehmen heute mit. Die Auftragsarbeit für Google könnte den Taiwanern zumindest finanziell helfen. Über den Weibo-Account "Daren mobile phone chip" verbreitet ein Nutzer die Nachricht, habe Google jeweils 500.000 Einheiten von Pixel und Pixel XL bei HTC bestellt, was 10 Prozent des Smartphone-Absatzes des Unternehmens in diesem Jahr entspreche – so viele Smartphones hat Apple schon mal allein an einem Wochenende nach dem Release einer neuen iPhone-Generation verkauft. Möglicherweise profitiert HTC auch durch leichteren oder schnelleren Zugang zu bestimmten Google-Diensten von der Kooperation mit dem Android-Betreiber, der gleichzeitig Android zu einem Zwei-Klassen-System ausbaut. Das ist aber pure Spekulation: Finanzielle oder vertragliche Details der Partnerschaft gibt HTC nicht preis.

Der Prestige-Gewinn durch eine solche Partnerschaft mit Google dürfte dagegen im Vergleich zu den Vorjahren geschrumpft sein: Nicht nur vermarktet Google die Pixel-Smartphones als ganz eigene Geräte, sie sind auch noch sehr teuer und heben sich eher durch (Google-) Software und Dienste von den Geräten der Konkurrenz ab.

Google bestätigt: Keine weiteren Nexus-Geräte

Für Google stellen die neuen Pixel-Smartphones ohne Logo des Hardware-Partners eine neue strategische Ausrichtung dar. US-Medien wie The Verge gegenüber bestätigte der Konzern, dass Pixel ein langfristiges Projekt für Mobilgeräte wie Smartphones, Tablets und Notebooks sei und er keine weiteren Nexus-Geräte herausbringen wird.

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