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HP trennt PCs wieder von den Druckern

14.06.2005
Nach nur fünf Monaten führt Hewlett-Packard (HP) das lukrative Druckergeschäft und die vor sich hindümpelnde PC-Sparte wieder in eigenständigen Divisionen. Todd Bradley ist neuer PSG-Chef.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nach nur fünf Monaten führt Hewlett-Packard (HP) das lukrative Druckergeschäft und die vor sich hindümpelnde PC-Sparte wieder in eigenständigen Divisionen.

Erst seit zweieinhalb Monaten ist Mark Hurd als neuer HP-Chef im Amt, doch er macht schon Nägel mit Köpfen: Der ehemalige NCR-Manager trennt die von seiner Vorgängerin Carleton Fiorina verschmolzenen Unternehmenssparten Personal System Group (PSG) und Imaging and Printing Group (IPG) wieder. Mit Todd Bradley stellt er einen erfahrenen PC-Manager ein, der die PC-Sparte wieder flott machen soll.

Fiorina hatte erst im Januar 2005 gemeinsam mit dem Aufsichtsrat entschieden, die Geschäftsbereiche PSG und IPG zusammenzulegen. Seinerzeit ließ das Unternehmen verlauten, man erhoffe sich von diesem Schritt Synergieeffekte. So ließen sich höhere Gewinnmargen im PC-Geschäft erzielen.

Hurd hat dieser Strategie nun kurzerhand ein Ende gesetzt. "Jetzt, da PSG und IPG separat und hoch fokussiert geführt werden, können wir unsere Wettbewerbsfähigkeit weiter stärken und unsere Kostenstruktur verbessern", sagte Hurd in einer Stellungnahme.

Bradley hatte zuvor als President und Chief Executive Officer (CEO) die Geschäfte des Handheld-Herstellers Palmone verantwortet. Davor war er als Executive Vice President drei Jahre bei der Gateway Inc. und in führenden Positionen bei GE Capital, Dun & Bradstreet und Fedex tätig.

Analysten hatten sich schon im Januar skeptisch über Fiorinas Rochade geäußert. Sie bezweifelten, dass die Neuorganisation tatsächlich Synergieeffekte schaffen würde. Sogar Mitglieder aus HPs Führungsmannschaft hatten sich gegenüber der COMPUTERWOCHE über die Zusammenlegung alles andere als erfreut geäußert. Das Argument, mit der Verschmelzung von IPG und PSG ließen sich die Produktstrategien und insbesondere die Vertriebsstrukturen und -aktivitäten eng aufeinander abstimmen, trage nicht. HP habe ohnehin nie etwas anderes getan.

Industriebeobachter hatten zudem darauf verwiesen, dass die traditionell hochprofitable Druckersparte mit dem Klotz der PC-Division nur belastet würde. Drucker- und PC-Markt seien zudem zu unterschiedlich, um sie in einem Unternehmen unter eine Haube zu bringen. "Das PC-Geschäft ist ein Straßenkampf, während sich HP bei Druckern in einem Umfeld bewegt, das es dominiert", kommentierte Roger Kay, Vice President des Marktforschungsinstituts IDC, Fiorinas seinerzeitige Entscheidung.

Zudem, so die weitere Kritik, werde durch die Zusammenlegung eine möglicherweise sinnvolle Abtrennung des PC-Geschäfts analog IBMs Lenovo-Deal erheblich erschwert. Überlegungen hierzu hatte es in der Topetage um Fiorina immer wieder, zuletzt im Dezember 2004, gegeben, wie die mittlerweile gefeuerte Managerin selbst bestätigte.

Die Entscheidung Hurds, das PC-Geschäft von der Imaging and Printing Division wieder loszueisen, dürfte auch dem zunehmenden Wettbewerb insbesondere im Printer-Markt geschuldet sein. Der wachsende Druck machte sich prompt in den Quartals- und Halbjahreszahlen bemerkbar: HP erwirtschaftete in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres in der IPG-Division zwar einen Umsatz von knapp 12,5 Milliarden Dollar. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (12,5 Milliarden Dollar) ist dies immerhin eine Steigerung von gut vier Prozent. Gleichzeitig aber sank im selben Zeitraum der operationale Gewinn von 1,92 Milliarden auf 1,75 Milliarden Dollar - ein Rückgang um fast neun Prozent.

Noch deutlicher zeigen sich die galoppierenden Einbrüche in der IPG, wenn man den Verlauf der Vierteljahreszahlen Revue passieren lässt: Während die Umsätze stiegen - im zweiten Quartal 2004 erwirtschaftete IPG knapp 6,1 Milliarden, im zweiten Vierteljahr 2005 schon 6,4 Milliarden Dollar Umsatz -, rauschten die Gewinne im gleichen Zeitraum von 952 auf 814 Millionen Dollar um 14,5 Prozent nach unten. Nachdem die IPG den Löwenanteil des Gesamtprofits von HP erwirtschaftet - im ersten Halbjahr 2005 immerhin 60,7 Prozent -, sah Hurd offenbar dringenden Handlungsbedarf. Mit der Trennung der beiden Sparten hat HPs Chef kurz entschlossen die Notbremse gezogen.

Das Geschäft der Imaging- und Printing-Sparte wird wie bisher Vyomesh Joshi leiten. Joshi hatte in den vergangenen Monaten in Personalunion beide Divisionen geführt. Er soll sich jetzt ausschließlich auf das Geschäft der IPG-Einheit konzentrieren. (jm)