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HP schneidet überraschend gut ab

20.11.2003
Hewlett-Packard hat im vierten Quartal zehn Prozent mehr umgesetzt als ein Jahr zuvor. Außerdem konnte Carly Fiorina ihr Versprechen einlösen, über alle Sparten hinweg schwarze Zahlen zu schreiben.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Hewlett-Packard hat im vierten Fiskalquartal seinen Umsatz um zehn Prozent gesteigert und in allen vier Geschäftsbereichen profitabel gewirtschaftet. Der Konzern löst damit das Versprechen von CEO Carleton "Carly" Fiorina ein, die Übernahme von Compaq im vergangenen Jahr in Wachstum umzumünzen.

Für das laufende erste Quartal, das im Januar kommenden Jahres endet, setzte HP seine Umsatzprognose von zuvor 19 Milliarden Dollar auf 19,1 bis 19,5 Milliarden Dollar hoch. Die Erwartung für den Pro-forma-Gewinn beließ das Unternehmen unverändert bei 35 Cent pro Aktie. Für das gesamte neue Fiskaljahr prognostiziert der Hersteller einen Pro-forma-Profit von 1,42 Dollar je Anteilschein. Die Prognose spiegelt laut Fiorina die anhaltende Vorsicht bei IT-Beschaffern in Unternehmen wider. "Der Consumer-Markt erholt sich rascher als der Enterprise-Markt", so die HP-Chefin.

HP konnte seinen Nettogewinn für das Ende Oktober abgeschlossene vierte Quartal auf 862 Millionen Dollar oder 28 Cent pro Aktie mehr als verdoppeln im Vergleich zu 390 Millionen Dollar oder 13 Cent je Anteilschein im Vorjahreszeitraum. Der aktuelle Pro-forma-Gewinn beträgt 36 Cent pro Aktie und lag damit um einen Cent über der Konsenserwartung der von Thomson First Call befragten Finanzanalysten. Die Differenz zwischen Pro-forma- und Nettogewinn nach GAAP resultiert aus negativen Einmaleffekten durch Entlassungen (190 Millionen Dollar), Wertberichtigungen (143 Millionen Dollar) und Akquisitionsaufwand (29 Millionen Dollar).

Getrieben vor allem von gestiegenen PC-Verkäufen stieg der Quartalsumsatz im Jahresvergleich von 18,05 auf 19,85 Milliarden Dollar und lag damit gleichfalls über der Wall-Street-Prognose von 19 Milliarden Dollar. Allerdings ging das Wachstum beim Marktanteil zu Lasten der der Gewinnmarge, wie Finanzchef Bob Wayman in einer Telefonkonferenz einräumte: "Unser Gewinn wurde in diesem Quartal durch einen größeren Mix niedrigmargiger Produkte beeinträchtigt."

Speziell im PC-Markt liefert sich HP einen harten Preiskampf mit dem direkt vertreibenden Erzrivalen Dell, was das ungleiche Wachstum bei Gewinn und Umsatz weitgehend erklärt. HPs Personal Systems Group steigerte ihren Umsatz von fünf Milliarden Dollar im Vorjahresquartal um fast 20 Prozent auf sechs Milliarden Dollar. Unterm Strich stand ein kleiner Profit von 21 Millionen Dollar nach einem Fehlbetrag von 68 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum.

Größter Gewinnbringer war einmal mehr die Druckersparte, die erstmals mehr als eine Milliarden Dollar Profit einfuhr und ihren Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal um elf Prozent auf 6,2 Milliarden Dollar schraubte. Beim Verkauf von Tintenstrahl- und Laserdruckern, Digitalkameras und Drucker-Verbrauchsmateralien erzielte Printing and Imaging jeweils neue Rekorde.

Die für größere Rechner und Storage zuständige Enterprise-Sparte machte dank strikter Kostenkontrolle erstmals seit dem Merger mit Compaq wieder Gewinn und nahm mit 4,1 Milliarden Dollar zwei Prozent mehr ein als vor Jahresfrist. In den USA verkaufte HP 28 Prozent mehr Server als im Vorjahresquartal, was aus Sicht von Analysten darauf hindeutet, dass das Unternehmen Wettbewerbern wie Sun Microsystems Marktanteile abnimmt.

Last, but not least steigerte HPs Services Division, die unter anderem mit IBM (Global Services) und EDS konkurriert, ihren Umsatz um fünf Prozent auf 3,2 Milliarden Dollar und ihr Betriebsergebnis um neun Prozent auf 393 Millionen Dollar. Mit wieder schwarzen Zahlen der PC-Sparte und einem operativen Profit von 106 Millionen Dollar der Enterprise Systems Group konnte Fiorina ihr Versprechen einlösen, über das komplette Portfolio hinweg Gewinne abzuliefern. "Technologie ist ein Markt, in dem führende Anbieter erfolgreicher sind als Nachzügler", kommentierte die Konzernchefin. "Es kommt auf Reichweite und Größe an, und von beidem haben wir mehr als sonst jemand in der Branche."

HP veröffentlichte seine Zahlen gestern nach US-Börsenschluss. Nachdem die Aktie des Unternehmens bereits zum Fixing 56 Cent fester bei 22,21 Dollar notiert hatte, legte sie im nachbörslichen Handel nochmals auf 22,90 Dollar zu. (tc)