Web

 

HP nimmt erstmals nicht an der CeBIT teil

17.10.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Hewlett-Packard (HP), einer der ganz großen Aussteller der CeBIT mit einem repräsentativen Großstand in Halle 1, wird der größten Computerfachmesse der Welt im kommenden Jahr fernbleiben. Man werde, hieß es aus Böblingen, nur noch bei Partnern als Unteraussteller in Erscheinung treten. Auch Canon hatte bekannt gegeben, im kommenden Jahr nicht mehr nach Hannover zu kommen.

Ernst Raue, Mitglied des Vorstands der Deutschen Messe AG, bestätigte diese Information. Er betonte aber, dass HP nicht gänzlich als Aussteller der Messe fernbleibe, sondern als Mitaussteller bei Partnern präsent sei. Allerdings seien wesentliche Fragen mit HP noch nicht geklärt. So sei noch nicht klar, was mit den Apartements auf dem Dach der Halle 1 geschehen wird. Auch "über den großen Stand in Halle 1 haben wir mit HP gesprochen. Das Problem dort sind ja die Festeinbauten. Da müssen wir jetzt natürlich sehen, was damit geschieht." Zu Fragen über mögliche Schadenersatzforderungen der Deutschen Messe AG an HP wollte sich Raue nicht äußern: "Das ist ausschließlich eine Angelegenheit zwischen den Vertagspartnern, also zwischen uns und HP." Raue bemühte lediglich ein Beispiel aus der Mietpraxis: Wenn der Mieter einer Wohnung Umbauten vornehme, müsse er die Wohnung bei Auszug

wieder in den Urzustand versetzen. Das sei hier nicht anders. Die Deutsche Messe AG schließt mit den Ausstellern in aller Regel Vierjahresverträge ab. Auf Nachfrage erklärte Raue, diese vier Jahre wären im Fall HP noch nicht vorbei. HP steige also vorzeitig aus dem Vertrag aus.

Raue kann die Entscheidung von HP verstehen. HPs Top-Managerin Carleton Fiorina habe ein neues Marketingkonzept für ihr Unternehmen entwickelt und da sei es durchaus normal, dass ein Unternehmen seine Werbe- und Marketingaktivitäten verändere und ein Messeveranstalter da auch schon mal einen Auftrag verlieren könne. "Wenn das Geld knapp ist, ist solch eine Entscheidung normal."

Raue sagte, dass bis jetzt nur wenige wichtige Aussteller der CeBIT fern bleiben würden. Hierzu zählt Canon. Auch die Japaner hätten ein neues Marketingkonzept, das bereits zur Berliner Funkausstellung umgesetzt wurde. Firmen wie IBM hätten ihren Messeauftritt fest zugesagt. "Im Wesentlichen ist alles stabil," fügte Raue hinzu. Im Vergleich zu anderen Messe sei die CeBIT "sehr stabil, insgesamt sieht es für die CeBIT sehr ordentlich aus." Raue resümierte, er habe für die CeBIT 2004 "keine überschwänglichen Erwartungen", für die weitere Entwicklung des gesamten Marktes sieht er "positive Anzeichen".

Ein Sprecher von HP sagte, sein Unternehmen verfolge ein neues Marketingkonzept. "Wir favorisieren in Zukunft nicht mehr Massenveranstaltungen. Vielmehr wollen wir künftig gezielt und fokussiert auf unsere Kunden zugehen." HP werde Kunden etwa bei Hausmessen unterstützen. Da werde man präsent sein. HP werde die CeBIT aber "natürlich nicht ignorieren. Bei Partnern wie etwa SAP sind wir dabei."

Die Entscheidung, nicht an der CeBIT 2004 teilzunehmen, sei in einem langen Meinungsbildungsprozess entwickelt worden. Die Deutsche Messe AG habe man offiziell am 15. Oktober informiert.(jm)