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HP kündigt erste Opteron-Server an

25.02.2004
Nach IBM und Sun hat jetzt auch Hewlett-Packard erste Server mit AMDs Opteron-Prozessoren vorgestellt. Gleichzeitig unterstrich der Computerriese sein Commitment für Intels Itanium und Xeon-64.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nach IBM und Sun Microsystems hat mit Hewlett-Packard (HP) ein weitere Tier-1-Server-Hersteller Maschinen mit "Opteron"-Prozessoren von Advanced Micro Devices (AMD) angekündigt. Außerdem kündigten beide Unternehmen eine "mehrjährige" Kooperation bei unter anderem Marketing und technischer Entwicklung an, deren Konditionen unbekannt sind. Gleichzeitig bemühte sich HP aber auch, sein Commitment zur gemeinsam mit Intel entwickelten 64-Bit-Architektur "Itanium" zu bekräftigen.

Bereits in zwei Wochen liefert HP den 1U hohen Dual-Prozessor-Server "ProLiant DL145" aus. Dieser ist mit Prozessoren der Serie "Opteron 200" mit Taktraten zwischen 1,6 und 2,2 Gigahertz erhältlich. Eine Basisversion mit 1,6 GHz, 1 GB Hauptspeicher und einer 40-GB-ATA-Festplatte kostet knapp 1600 Dollar. Mit 2,2 GHz, 2 GB Arbeitsspeicher und gleicher Hard Disk ist der Server für knapp 3000 Dollar zu haben. Anfang April erscheint der vier Höheneinheiten belegende Vier-Wege-Server "ProLiant DL585" mit Prozessoren der "Opteron-800"-Serie, für den Konfiguration und Preise noch nicht bekannt sind. Zum Dritten entwickelt HP einen Opteron-basierenden Blade-Server, der im dritten Quartal mit möglicherweise speziell Strom sparenden Varianten der AMD-CPU auf den Markt kommen wird.

Ein Grund für den Einsatz der AMD-Prozessoren war für HP laut Scott Stallard, Senior Vice President und General Manager des Bereichs Enterprise Storage and Server, deren überlegene Performance bei vorhandenen 32-Bit-Anwendungen. In internen Tests sei eine Vier-Wege-Maschine mit 2,2 Gigahertz schnellen Opterons um fünf bis 40 Prozent schneller gewesen als der gleiche Server mit vier auf 3 GHz getakteten "Xeon"-Prozessoren von Intel. Aufgrund seiner geringeren Taktung sei außerdem die Leistungsaufnahme der AMD-basierenden Server geringer.

HP hat indes nicht angekündigt, den Opteron auf breiter Front als Ersatz für Intels x86-Prozessoren einzusetzen. Brad Anderson, General Manager der Industry Server Standard Group, erklärte, man habe sich zunächst "Schwachstellen" im bestehenden Xeon-Lineup ausgesucht und an passenden Stellen Opteron-Systeme ergänzt, um die ProLiants besser gegen die Konkurrenzprodukte von IBM ("xSeries"), Dell ("PowerEdge") und Fujitsu-Siemens ("Primergy") zu positionieren. Ebenfalls nicht angekündigt wurden Ports der hauseigenen Betriebssysteme HP-UX, OpenVMS oder NonStop Kernel auf den Opteron oder Xeon-64.

Wie auch immer, für AMD ist HPs Ankündigung ein weiterer Meilenstein in Richtung Vordringen in die Unternehmens-DV. Den Opteron hatte das zuvor praktisch ausschließlich auf den Desktop-Markt fokussierte Unternehmen, im Prozessormarkt "ewiger Zweiter" hinter Intel, vor rund einem Jahr herausgebracht. Derzeit lässt sich noch nicht endgültig absehen, wie sich der Markt für Intel-basierende und -kompatible Server letzten Endes entwickelt. Zumindest wird bereits deutlich, dass - auf 64 Bit erweiterte - x86-Prozessoren hier auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen werden.

Unklar sind auch die Auswirkungen der Verbreitung von Opteron und des auf 64 Bit aufgebohrten Xeon auf die Itanium-Linie. Stallard erklärte gestern ein wenig paradox: "Unser Commitment und unsere Pläne für den Itanium ändern sich durch diese Ankündigungen nicht. Tatsächlich werden sie sogar gestärkt." Wie auch immer dies zu verstehen ist, im Entry- und Midrange-Segment untergraben Opteron und Xeon-64 den Itanium - zumindest, was Windows- und Linux-Workloads angeht. Viel hängt nun davon ab, wie schnell die unabhängigen Softwareanbieter ihre Applikationen an welche Architektur anpassen. "Computerwire" schätzt, dass man die Entwicklung der entsprechenden Ökosysteme in etwa 18 Monaten wird beurteilen können. (tc)