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HP geht in die Bladeserver-Offensive

04.12.2001
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Hewlett-Packard kündigt heute als erster großer Hersteller selbst entwickelte so genannte Bladeserver an. Solche Geräte enthalten komplette Server auf eine einzigen, kompakten Platine und lassen sich zu mehreren Platz und Strom sparend in einem speziellen Chassis in Racks einbauen. Kleinere Spezialhersteller wie RLX (das seine Produkte auch an IBM lizenziert hat) haben solche Geräte schon seit einiger Zeit im Programm.

HPs erste "Klinge" ist das Modell "bc1100". Das knapp 2000 Dollar teure Gerät kommt im Januar kommenden Jahres auf den Markt und beherbergt einen auf 700 Megahertz getakteten Pentium III, 512 MB ECC-Speicher (Error Correcting Code) sowie eine 30-GB-Festplatte. Kunden können anfänglich zwischen einer Reihe von Linux-Distributionen - Red Hat, Suse oder Debian - als Betriebssystem wählen. Später sollen dann weitere Optionen erhältlich sein - ab März beispielsweise eine Konfiguration mit Windows, in der ersten Hälfte 2002 dann auch Blades mit leistungsfähigeren Intel-Chips sowie PA-RISC-Prozessoren und HP-UX. Für das Jahr 2003 sind erste Dual-Server-Blades und Einschübe mit Itanium-Chips zu erwarten.

HPs "Powerbar"-Blades sind für den Busstandard CompactPCI ausgelegt. In ein 6 U (1 U = 1,75 Zoll oder 44,5 Millimeter, Standard-Höhenangabe für 19-Zoll-Rack-Hardware) hohes Chassis vom Typ "bh7800" mit Gigabit-Fibre-Channel-Backplane passen 38 Blades. Alle Steckplätze sind hot pluggable/swappable, erlauben also den Austausch im laufenden Betrieb. Eine Basisausstattung aus Chassis, bc1100 sowie einem speziellen Management-Blade kostet knapp 9500 Dollar. Innerhalb des Chassis lassen sich unterschiedliche Blade-Typen (Server, Storage, Switch, Management) je nach Anforderung kombinieren. Ein bh7800 könnte beispielsweise je 16 Server- und Storage-Blades, eine Management-Einheit sowie fünf Switches aufnehmen und ließe sich individuell oder als Gesamtsystem über die hauseigene System-Management-Software "OpenView" verwalten.

Der Fiorina-Konzern versucht mit seinem Vorpreschen unter anderem auch, entsprechende Standards zu setzen. Neben CompactPCI nennt Produkt-Manager Brian Cox in diesem Bereich auch noch NEBS (Network Equipment Building Standard), den die Bell Laboratories eigentlich zur Zertifizierung von TK-Equipment definiert hatten. Bladeserver aller Hersteller, die sich an beide Standards halten, sollten sich Cox zufolge problemlos miteinander kombinieren und gegeneinander austauschen lassen. HP hat dazu bereits interessierte Partner mit ins Boot geholt - von Komponentenherstellern (Broadcom, Agilent) über Boarddesigner (Solectron, Diversified Technology) und andere Blade-Anbieter (Radisys. Force) bis hin zu Chiplieferanten (Intel, AMD, Transmeta).

HPs Offerte richtet sich nicht zuletzt auch gegen den Unix-Rivalen Sun Microsystems, der sich bisher zu eigenen Bladeserver-Plänen bedeckt hält. "Sun wird das seht direkt zu spüren bekommen", ist sich HPs Marketing Director Mark Hudson sicher. "Es ist aus unserer Sicht an der Zeit, dass wir ihnen im Lowend-Bereich Marktanteile abjagen."

Die Marktforscher von IDC sagen dem Bladeserver-Markt ein ordentliches Wachstum voraus. Bis dato kaum in quantifizierbaren Größen im Markt, sollen bis zum Jahr 2005 bereits gut zwei Millionen Einheiten verkauft und damit rund fünf Milliarden Dollar umgesetzt werden. Dies entspräche 23 Prozent der Einstiegs-Server-Stückzahlen, aber nur zehn Prozent der Einnahmen in diesem Segment. (tc)