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HP erwartet nur mäßiges Umsatzplus

05.06.2002
HPs Einsparungen aus der Fusion mit Compaq werden höher ausfallen als gedacht. Dafür rechnet der Konzern aufgrund der anhaltenden Konjunkturflaute mit weniger Umsatzwachstum.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - HP hat gestern zum ersten Mal seit der Übernahme von Compaq ein Briefing mit Wall-Street-Analysten veranstaltet und dabei mitgeteilt, es werde die ursprünglich angepeilten Kosteneinsparungen im Zuge der 19 Milliarden Dollar schweren Akquisition übertreffen. Allerdings erwartet der Konzern keine baldige Erholung der Branche und gab eine gedämpfte Umsatzprognose für die mittelfristige Zukunft ab: In den Jahren 2003 und 2004 sollen die Einnahmen nicht stärker als neun Prozent wachsen.

"Es ist jetzt nicht die Zeit, die Latte hoch zu legen", meint Carly Fiorina.
"Es ist jetzt nicht die Zeit, die Latte hoch zu legen", meint Carly Fiorina.

"Es ist jetzt nicht die Zeit, die Latte zu hoch zu legen", erklärte Konzernchefin Carleton "Carly" Fiorina. "Wir sollten Zahlen nennen, die wir erreichen oder übertreffen können. Wir versuchen, so stark wie der Markt zuzulegen oder stärker" - sprich um sieben bis neun Prozent. Was die Integration von Compaq angehe, liege man im Plan, so Fiorina. Für das laufende Jahr hatte das Unternehmen ursprünglich Einsparungen von 390, für das Fiskaljahr 2003 von zwei Milliarden Dollar sowie von 2,4 Milliarden Dollar für das Geschäftsjahr 2004 in Aussicht gestellt. Die Erwartungen habe man mittlerweile auf 500 Millionen respektive 2,5 und 3 Milliarden Dollar erhöht.

Vor allem der Personalabbau laufe schneller als vorhergesehen, erklärte die HP-Chefin. Bis Ende Oktober sollen bereits die meisten der bis dahin vorgesehenen 10.000 Stellen abgebaut sein. Dazu trage unter anderem ein freiwilliges Programm bei, das erfreulich gut angenommen werde. Weitere 5000 Stellen fallen dann noch einmal im kommenden Geschäftsjahr weg. HP und (Ex-)Compaq sollen vom Stellenabbau gleich stark betroffen sein.

Der frühere Compaq-Finanzchef Jeff Clarke ergänzte, das Unternehmen erziele weitere Einsparungen durch unter anderem den Wegfall von knapp 20 Prozent der bisher genutzten Bürofläche und verbesserte Beschaffung. Diese und andere Maßnahmen werden demnach eine Sonderabschreibung von 1,35 Milliarden Dollar sowie eine Goodwill-Anpassung in Höhe von 1,25 Milliarden zur Folge haben.

Markterholung langsamer als erhofft

Was die generelle Branchenkonjunktur betrifft, erwartet Carly Fiorina für dieses Kalenderjahr nicht länger ein Wachstum von zwei bis drei Prozent zum Ende des Jahres, und sie sieht auch für 2003 keine acht bis zehn Prozent Plus mehr. "Die Erholung der IT-Investitionen geht langsamer vonstatten als das irgendjemand von uns gewünscht hätte", erklärte Fiorina.

CFO (Chief Financial Officer) Bob Wayman erwartet deswegen für das zweite Halbjahr nur Einnahmen von 35 bis 36 Milliarden Dollar, das wären fünf bis sieben Prozent weniger als in der ersten Jahreshälfte und geringfügig weniger als von Analysten bislang mit 36,2 Milliarden Dollar erwartet. Wayman erwartet weiter vier bis sechs Prozent Umsatzplus für 2003 und im Jahr 2004 ein Wachstum zwischen sieben und neun Prozent.

Als Hauptriebfeder des Wachstums sieht der frühere Compaq-Chef Michael Capellas - wie schon in alten HP-Zeiten - weiterhin die Sparte Printing and Imaging. Für die erwartet er in den kommenden fünf Jahren jeweils zehn Prozent Wachstum und in der zweiten Jahreshälfte 2002 Einnahmen zwischen zehn und 10,5 Milliarden Dollar. In den Bereichen PC und Enterprise Computing mache die neue HP aber weiterhin Verluste. Beide Bereiche dürften nach Einschätzung von Capellas im zweiten Halbjahr 2002 rote Zahlen schreiben, dann aber im Geschäftsjahr 2003 in die Gewinnzone zurückkehren.

Fiorina sprach übrigens auch das heikle Thema Belohnungen an, dass vor allem im Vorfeld der Aktionärsabstimmung zur Fusion im Mittelpunkt stand. Sie werde keine Erhöhung ihres Gehalts von zurzeit einer Million Dollar per annum erhalten "bevor nicht allen Mitarbeitern wieder eine Gehaltserhöhung zusteht", erklärte die HP-CEO (Chief Executive Officer) und fügte hinzu, sie erwarte vor 2003 keine Gehaltsdiskussionen. Weiter fügte sie hinzu, jeder an sie gezahlte Bonus sei an die Erreichung von Erfolgszielen geknüpft. (tc)