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HP/Compaq: Wie entscheiden die institutionellen Anleger?

26.02.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Just in dem Augenblick, als das Pendel wieder zugunsten von Hewlett-Packards (HP) Fusionsplänen mit Compaq auszuschlagen begann, versetzte ein institutioneller Anleger dem IT-Konzern einen Dämpfer: Brandes Investment Partners kündigte an, auf der HP-Aktionärsversammlung am 19. März gegen den Merger stimmen zu wollen. Die Investitionsgesellschaft besitzt rund 1,3 Prozent der HP-Anteile (Stand: 31. Dezember 2001).

"HP und Compaq zu kombinieren ist ein verwegener Schritt", kommentierte Vinit Bodas, Partner und Analyst bei Brandes. "Unserer Meinung nach bestehen eine Menge Risiken vor allem in Hinsicht auf die unterschiedlichen Firmenkulturen und deren Integration." Statt dessen befürwortet Brandes einen unabhängigen HP-Konzern, der sich auf seine Enterprise-Angebote konzentrieren und eventuell einen Spinoff seiner lukrativen Printer- und Imaging-Sparte vornehmen sollte. Darin stimmt Brandes mit dem Fusionsgegner von Walter Hewlett, Sohn des HP-Mitbegründers William Hewlett, überein. Man habe sich intensiv um eine Meinungsfindung bemüht, erklärte die Investment-Gesellschaft, und dabei Gespräche mit dem HP-Management sowie der von Walter Hewlett angeführten Opposition geführt.

Die offene Ablehnung des Großaktionärs widerspricht den zuletzt günstigen Signalen: Die kanadischen und die europäischen Kartellbehörden hatten den Partnern bereits grünes Licht erteilt. Das Plazet der US-Behörde Federal Trade Commission (FTC) steht zwar noch aus, wird von einigen Kritikern jedoch als reine Formalität bezeichnet. HP-Chefin Carleton Fiorina hatte unlängst erklärt, genügend Rückhalt unter den Aktionären zu besitzen. Allerdings haben sich bislang nur wenige institutionelle Anleger offiziell für die Fusion ausgesprochen. Zu ihnen gehören die Investment-Gesellschaften Alliance Capital und L. Roy Papp Associates, die 2,3 beziehungsweise 0,04 Prozent der HP-Aktien halten. HP benötigt für den Merger eine einfache Mehrheit.

Das Lager der Kontrahenten führt Walter Hewlett an. Zusammen mit den Hewlett- und Packard-Familienstiftungen besitzt er rund 18 Prozent der HP-Anteile. Neben Brandes haben inzwischen auch weitere institutionelle Anleger wie Matrix Asset Advisors und Victory Capital Management ihren Widerstand gegen den Merger angekündigt. Viele Investment-Gesellschaften halten sich bislang jedoch noch zurück und warten auf das Urteil von Institutional Shareholder Services, einem Beratungshaus für Großinvestoren. Analystenschätzungen zufolge werden rund 20 Prozent der HP-Aktionäre gemäß der ISS-Entscheidung stimmen. (ka)